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ALG II ohne Sanktionen: Tausende wollen bei Hartz-IV-Studie mitmachen

ALG II ohne Sanktionen  

Fast 5.000 Menschen wollen bei Hartz-IV-Studie mitmachen

Von David Ruch

01.02.2019, 12:16 Uhr
ALG II ohne Sanktionen: Tausende wollen bei Hartz-IV-Studie mitmachen. Demonstranten fordern in Berlin die Abschaffung von Hartz IV: Vor allem die Sanktionen sind umstritten. (Quelle: imago/IPON)

Demonstranten fordern in Berlin die Abschaffung von Hartz IV: Vor allem die Sanktionen sind umstritten. (Quelle: IPON/imago)

Hartz-IV-Sanktionen sind umstritten. Gegner finden sie demütigend, Befürworter motivierend. Heute startet eine Studie, die untersucht, was Hartz IV ohne Strafen bedeuten würde.

Vor knapp zwei Monaten berichtete t-online.de über ein groß angelegtes Experiment: 250 Hartz-IV-Empfänger bekommen drei Jahre lang alle Kürzungen des Jobcenters ersetzt. Die Initiatoren der Studie wollen herausfinden, welche Auswirkungen es auf Betroffene hat, wenn sie von der Sanktionsangst befreit sind. Ab heute wird diese Frage von den Teilnehmern beantwortet.

Helena Steinhaus vom Verein Sanktionsfrei, der hinter der Studie steht, ist der Ansicht, dass Sanktionen für die betroffenen Hartz-IV-Empfänger demütigend sind und keine positiven Effekte haben, und dass Strafen die Bestraften in eine existenzielle Bedrohung stürzen. Bundesweit hat der Verein nach Probanden gesucht. Bewerben konnte sich jeder, der aktuell in Hartz-IV-Bezug ist oder in naher Zukunft möglicherweise Hartz-IV in Anspruch nehmen muss, der mindestens 18 und höchstens 55 Jahre alt ist.

Bis Ende Januar kamen so mehr als 4.700 Anmeldungen zusammen. Steinhaus ist von der Flut an Bewerbungen begeistert: "Wir freuen uns, dass so viele Menschen uns ihr Vertrauen schenken und uns mit ihrer Teilnahme dabei unterstützen, diese Studie durchführen zu können", sagte sie t-online.de.

Was macht es mit den Betroffenen, wenn die Strafen weg sind?

Aus den Tausenden Bewerbungen wurden insgesamt 500 Personen ausgewählt. 250 von ihnen bekommen die bedingungslose Grundsicherung, die anderen 250 dienen als Kontrollgruppe und müssen weiterhin die Sanktionen hinnehmen. Vom heutigen Tag an werden den Teilnehmern der Experimentalgruppe alle Kürzungen vollständig ausgeglichen. Werden sie künftig sanktioniert, melden sie dies bei Sanktionsfrei an und bekommen die entsprechende Strafe ersetzt.

So erklärt Sanktionsfrei das Konzept von "HartzPlus" auf seiner Seite. (Quelle: Screenshot )So erklärt Sanktionsfrei das Konzept von "HartzPlus" auf seiner Seite. (Quelle: Screenshot )

Das Experiment mit dem Namen HartzPlus, was so viel bedeutet wie "Hartz IV plus Vertrauen", will untersuchen, wie sich die Lebenslage von ALG-II-Empfängern verändert, wenn sie bedingungsloses Hartz IV erhalten. Bestätigen die Probanden das Vorurteil, dass sie sich nicht mehr um einen neuen Job bemühen, wenn die Strafen weg sind? Oder macht sie eine Grundversorgung ohne Sanktionen körperlich und psychisch gesünder und motiviert sie dazu, eher in Beschäftigung zu kommen?

Für den Zeitraum Februar bis April habe man schon die ersten Sanktionen ausgleichen können, erläutert Steinhaus. Zum Beispiel die von Michael (Name geändert), der eine Maßnahme in einem Chemiekonzern nicht habe annehmen können und dafür für drei Monate zu 30 Prozent sanktioniert worden sei. Ohne HartzPlus hätte er für die kommenden drei Monate statt 424 Euro nur 297 Euro zum Leben gehabt.

Oft Ansprechpartnerin für Hartz IV-Empfänger. Helena Steinhaus ist Geschäftsführerin von Sanktionsfrei e V in Berlin.  (Quelle: Oliver Bethke)Oft Ansprechpartnerin für Hartz IV-Empfänger. Helena Steinhaus ist Geschäftsführerin von Sanktionsfrei e V in Berlin. (Quelle: Oliver Bethke)

Wissenschaftler begleiten das Experiment

Der Verein finanziert das Experiment aus Spenden und durch Förderer aus der Wirtschaft. Begleitet wird die Studie von Wissenschaftlern um Professor Rainer Wieland, Wirtschaftspsychologe an der Schumpeter School of Business and Economics der Universität Wuppertal. Mitte Februar führen die Forscher in beiden Untersuchungsgruppen eine Umfrage durch. Alle zwei bis drei Monate wird das wiederholt.
 

 
Steinhaus sagt, die Teilnehmer bildeten einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Junge wie Alte seien dabei, Verheiratete wie Ledige, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Von den Bewerbern habe sie sehr positive Rückmeldungen erhalten. So habe zum Beispiel Christina (Name geändert) aus der Experimentalgruppe geschrieben: "Ich bedanke mich herzlichst dafür, ausgewählt worden zu sein. Sie können sich nicht vorstellen, was für ein massiver Stein mir gerade vom Herzen geplumpst ist."

Verwendete Quellen:

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