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Libra: Facebooks Währungspläne stellen uns vor Probleme

MEINUNGDigitale Zahlungsmittel  

Facebooks Währungspläne stellen uns vor Probleme

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

02.07.2019, 13:23 Uhr
Libra: Facebooks Währungspläne stellen uns vor Probleme. Münze und Facebook-Logo: Bis zum Jahr 2020 will der Internetkonzern gemeinsam mit weiteren Unternehmen die Währung Libra auf den Markt bringen.  (Quelle: imago images/Christian Ohde)

Münze und Facebook-Logo: Bis zum Jahr 2020 will der Internetkonzern gemeinsam mit weiteren Unternehmen die Währung Libra auf den Markt bringen. (Quelle: Christian Ohde/imago images)

Verbieten wäre zu einfach, nur zuzusehen verantwortungslos: Facebooks Pläne, eine eigene Weltwährung zu erschaffen, stellen Regierungen und Notenbanken vor große Herausforderungen. 

Ausgerechnet Facebook. Die Firma steht seit Monaten unter Beschuss, weil sie schludrig mit Nutzerdaten umgeht. Sie schafft es nicht einmal, ihre Mitglieder auf einen ordentlichen Umgangston zu verpflichten. Ausgerechnet dieses Unternehmen also will Ausgangspunkt eines neuen, preiswerten, vertrauenswürdigen Finanzsystems werden? Eine Art Welt-Sozial-Finanzdienstleister? Eine Initiative, die eine neue digitale Weltwährung schafft, die aus teuren Überweisungen und Geldtransfers in andere Länder ein preiswertes Vergnügen macht? Die Menschen Zugang zu Geldgeschäften gibt, die bisher nicht einmal ein Konto haben?

Warum eine weltweite digitale Währung gebraucht wird

Facebook? Genau an diesen Fragen wird sich am Ende entscheiden, ob die geplante neue Weltwährung Libra Erfolg haben wird. Bis zum Jahr 2020 will der Konzern gemeinsam mit 100 weiteren Unternehmen den "Stable Coin" – das stabile Geld – auf den Markt bringen. Es spricht viel dafür, dass das Unternehmen mit der im Silicon Valley üblichen Mischung aus Größenwahn und Sendungsbewusstsein mehr Probleme schafft, als er zu lösen vermag.

Bedarf für eine weltweite digitale Währung gibt es, ohne Frage. Heute fungiert zwar der Dollar als Weltreservewährung. Doch er ist längst nicht für alle zugänglich: Der Transfer in andere Länder und Währungen ist aufwendig und teuer, manche Gegenden der Welt sind und bleiben weiße Flecken. Und: Die Währungspolitik der Federal Reserve Bank ist allein auf die amerikanische Volkswirtschaft ausgerichtet.

Andere Kryptowährungen sind zu klein – und zu unglaubwürdig

Auf der anderen Seite gibt es den Bitcoin und andere Kryptowährungen. Die sind zwar universal, aber sie funktionieren als Tausch- und Zahlungsmittel nicht, die meisten sind zu klein und zu wenig glaubwürdig, um tatsächlich als Währung gelten zu können.

Eine digitale Währung, die all diese Nachteile nicht hätte, wäre also hocherwünscht. Doch sollte die von einem privaten Konsortium, das Facebook anführt, erschaffen und gemanagt werden? Eher nicht.

Wie Facebook sich unabhängig machen möchte

Nicht ohne Grund ist Geld ein staatliches Monopol. Nur eine unabhängige staatliche Notenbank ist frei, sich ausschließlich um den Werterhalt der Währung kümmern zu können. Nur sie hat kein eigenes Interesse an einem bestimmten Wechselkurs, an einer Konjunkturspritze vor den Wahlen oder an einem Währungskrieg mit einem anderen Land. Ihr macht es nichts aus, ob Hersteller oder Lieferanten in einem sozialen Netzwerk Werbung schalten oder erfolgreich Handel treiben.

Facebook hätte diese Unabhängigkeit nicht – auch wenn der Konzern schwört, das Geld nicht selbst zu schöpfen, die Reserven in einer Stiftung in der Schweiz zu verwalten und ein unabhängiges Gremium mit der Glaubwürdigkeitspflege zu beauftragen. Ein privatwirtschaftliches Konsortium erschafft eine Weltwährung und lässt die damit verbundene Macht in einer Schweizer Stiftung verwalten: das könnte Stoff für einen James-Bond-Krimi sein. In der Realität will man das nicht unbedingt erleben.

Warum Facebooks humanitäre Argumente ins Leere gehen

Facebook argumentiert in einem White Paper zum Vorhaben, man wolle mit dem Libra nur Gutes tun, eine Art Welt-Allmende, ein weltweites Gemeingut, schaffen. 1,7 Milliarden erwachsene Menschen hätten keinen Zugang zu einem Konto, die Mehrheit von ihnen verfüge aber über Handy und Zugang zu digitaler Kommunikation. Dies zu nutzen und den Menschen die Chance zu eröffnen, am globalen Zahlungsverkehr teilhaben zu können, soll das Ziel der Geldinitiative des Unternehmens sein.

Es geht allerdings auch eine Nummer kleiner: In Afrika gibt es beispielsweise längst Zahlungssysteme, die ausschließlich über den Mobilfunk arbeiten. Das Handy ersetzt das Konto. Hier wird der Zugang zu Finanzdienstleistungen auch erreicht – allerdings ohne, dass dafür die Weltherrschaft über eine neue digitale Währung angestrebt wird.



Facebooks Pläne werfen eine Reihe von Fragen auf

Denn über die reine Geldfrage hinaus wirft die Initiative ein paar Fragen auf, die sich Regierungen und Zentralbanken schleunigst stellen müssen – und für die sie nach Möglichkeit auch flott ein paar Antworten finden sollten:

  • Wer reguliert ein soziales Netzwerk, das Bank und Notenbank in Einem werden will?
  • Wer kassiert die Gewinne, die aus dem Schöpfen der neuen Währung entstehen?
  • Wie verhindert man, dass ein solches Konstrukt zu einer Gefahr für die Stabilität der Weltwirtschaft werden kann?
  • Welche Rolle können Nationalstaaten in einer Zukunft spielen, in der eine private Weltwährungsorganisation eigene Wege zur Identifizierung von Bürgern entwickelt? Wege, die möglicherweise besser sind als Pass, Führerschein oder Sozialversicherungsausweis?
  • Wer bekämpft Kriminalität in diesem Netzwerk?

Nur verbieten, wäre zu einfach. Aber bloß zuzuschauen, wäre verantwortungslos. Wer weiß schon, ob Facebook als Weltwährung besser ist, denn als soziales Netzwerk?

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neuestes Buch heißt: "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert."

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