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Corona-Krise: Warum es falsch wäre, jetzt die Börsen zu schließen


Börsen schließen? Das wäre ein Signal der Verzweiflung

Von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 24.03.2020Lesedauer: 3 Min.
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Ein Börsenmakler an der New Yorker Wallstreet: Wegen der Corona-Krise wird derzeit diskutiert, den Präsenzhandel zu schließen.
Ein Börsenmakler an der New Yorker Wallstreet: Wegen der Corona-Krise wird derzeit diskutiert, den Präsenzhandel zu schließen. (Quelle: Xinhua/imago-images-bilder)
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In den USA wird überlegt, die Finanzplätze zu schließen. Investoren und Anleger könnten so zur Ruhe kommen. Das ist aber nicht sinnvoll, denn ein wichtiger Grund spricht dagegen.

Es ist eine atemberaubende Abfolge von Milliardenpaketen und Hilfsprogrammen – doch den Finanzmärkten reicht es nicht. Sie glauben nicht daran, dass die Maßnahmen wirken und setzen den Ausverkauf ungerührt fort. Abgesehen von Zwischenhochs scheint sich die Ansicht festzusetzen, dass in dieser Krise der Boden noch nicht gefunden ist.

Nun mehren sich Stimmen in den USA, die verlangen, die Börsen einfach mal für ein paar Tage zu schließen. Nur so könnten sich die Anleger besinnen, würden vielleicht zur Ruhe kommen, und anschließend könnte der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden.

Diese Idee hat viel Charme. Nur ist sie leider falsch.

Seit seinem Höchststand von 13.236 Punkten im Februar hat der Deutsche Aktienindex im März in wenigen Tagen mehr als ein Drittel seines Wertes verloren. Dem amerikanischen Index Dow Jones geht es kein bisschen besser. Zeitweise herrschte Panik.

Und immer, wenn eine neue Regelung zur Beschränkung kommt – zum Beispiel das Schließen des Börsenparketts für den Präsenzhandel, damit sich die Händler nicht mit dem Coronavirus anstecken – fürchten die Marktteilnehmer, dass bald ganz Schluss sein könnte.

Händler könnten gelassener werden

Für das Aussetzen des Börsenhandels in absoluten Krisenlagen gibt es vor allem ein Argument: Die Händler und Anleger könnten so dem Hamsterrad der ständigen Orders entkommen. Sie müssten nicht jeden Tag neu fürchten, dass sie ruiniert werden, weil Hedgefonds im großen Stil auf den weiteren Verfall der Kurse wetten.

Sie würden möglicherweise gelassener. Und wenn die Börsen dann nach einigen Tagen oder Wochen wieder öffneten, könnte ein neues Spiel beginnen. Gerade in den USA, in denen viele kleine Anleger ihre Altersvorsorge in Aktien angelegt haben und nun fürchten, ins Elend zu fallen, könnte das helfen.

Dazu kommt, dass an den Börsen längst keine Erwartungen für die weitere Entwicklung der Realwirtschaft mehr gehandelt werden. Leerverkäufer wetten auf einen weiteren Verfall der Kurse, Fonds verkaufen ihre Anteile in der Erwartung, dieselben Aktien morgen schon billiger zurückerwerben zu können.

Einige europäische Staaten haben deshalb nach der Finanzkrise den Banken verboten, Leerverkäufe zu tätigen. Kapitalsammelstellen wie Hedgefonds wurden in diese Regelung aber nicht einbezogen. Würde man einen Finanzplatz ganz schließen, würden diese Spekulationen vorübergehend insgesamt gestoppt.

Argumente gegen Schließung sind gewichtig

Doch das ist leider nur die eine Seite der Medaille. Die Argumente gegen ein Schließen wiegen viel schwerer. Der Weltwirtschaft droht zur Zeit neben dem Produktionsausfall eine Liquiditätskrise: Würde man jetzt die Finanzmärkte mit ihrem Aktien- und Anleihehandel wochen- oder tagelang lahmlegen, ginge vielen Unternehmen, vielleicht sogar einigen Staaten, bald das Geld aus. Die Gefahr wüchse, dass aus dem Konjunktureinbruch eine waschechte Depression würde.

Bisher wurde die US-Börse in diesem Jahrhundert nur einmal für längere Zeit geschlossen: nach den Terroranschlägen des 11. September 2001, als der Börsenhandel an der Wall Street auch technisch nicht möglich war. Der Finanzdistrikt war nach dem Einsturz der benachbarten Türme des World Trade Center evakuiert worden. Würde man nun versuchen, den Handel einzuschränken oder für Tage auszusetzen, wäre das ein Signal der Verzweiflung.

Schließen einer Börse hat Symbolkraft

Außerdem hat die Corona-Welle an zweien der wichtigsten Finanzplätze der Welt ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Sowohl die USA als auch Großbritannien haben das Schlimmste wahrscheinlich noch vor sich. Würden jetzt die Finanzplätze dichtgemacht, würde das Erwachen nach einigen Wochen noch dramatischer. Anleger würden versuchen, ihren Aktienbesitz auf anderen Kanälen loszuschlagen.

Das zeigt: In einer Zeit, in der sich der elektronische Handel längst von den etablierten Börsenplätzen der Welt emanzipiert, wird das offizielle Schließen einer Börse zu einem symbolischen Akt. Ein Akt, der wahrscheinlich einem besonders missfallen würde: dem US-Präsidenten Donald Trump.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Gemeinsam mit t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft produziert sie den Podcast "Tonspur Wissen".

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