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Jeder dritte Hartz-IV-Empfänger psychisch krank

BA sieht Firmen in der Pflicht  

Jeder dritte Hartz-IV-Empfänger psychisch krank

31.10.2013, 14:13 Uhr | dpa, t-online.de, dpa-AFX

Jeder dritte Hartz-IV-Empfänger psychisch krank. Sowohl der Job als auch Arbeitslosigkeit können offenbar seelisch krank machen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sowohl der Job als auch Arbeitslosigkeit können offenbar seelisch krank machen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele Hartz-IV-Empfänger stecken offenbar in einem Teufelskreis fest. Sie leiden besonders häufig unter psychischen Problemen, bei mehr als einem Drittel wurde innerhalb eines Jahres mindestens eine psychische Beeinträchtigung festgestellt. Das hat eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Universität Halle-Wittenberg ergeben. Durch die seelischen Probleme wiederum ist es den Betroffenen kaum möglich, wieder in einen Job einzusteigen. Die Bundesagentur für Arbeit sieht dabei auch die Unternehmen in der Pflicht.

Intensive Förderung notwendig

Die Arbeitsmarktforscher berufen sich unter anderem auf Krankenversicherungsdaten. Viele Arbeitslose leiden demnach unter affektiven und neurotischen Störungen, Depressionen und seelisch bedingten körperlichen Problemen. Da sie wegen ihrer Erkrankungen nur geringe Jobchancen hätten, bräuchten sie eine intensivere Förderung.

Heinrich Alt, als Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA) für das Thema Hartz IV zuständig, überrascht das Ergebnis der Analyse nicht. "Wir haben eine Verschiebung von Menschen, die körperbehindert sind, hin zu Menschen, die psychisch beeinträchtigt sind", sagte der BA-Mann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

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Auch Arbeitslosigkeit kann krank machen

Früher sei Arbeit mit physischer Anstrengung verbunden gewesen, heute gäbe es eher psychische Belastungssituationen in der Arbeitswelt. Und so könne auch Arbeitslosigkeit Depressionen und andere psychische Erkrankungen auslösen oder verstärken.

Für den Alltag in den Jobcentern heiße das: Sei ein Mitarbeiter der Meinung, dass ein Kunde wegen einer psychischen Einschränkungen nur schwer oder gar nicht fähig ist, eine Arbeit aufzunehmen, müsse dieser natürlich darauf angesprochen werden.

Mitarbeiter werden in Pilotprojekt geschult

In Nordrhein-Westfalen ist bereits ein Pilotprojekt der BA zum Umgang mit psychisch kranken Arbeitslosen gestartet. Seit Anfang Oktober läuft das Projekt im Jobcenter Bergisch-Gladbach, Gelsenkirchen soll folgen. Alt zufolge schulen Ärzte und Psychologen Mitarbeiter darin, psychische Erkrankungen im Gespräch zu erkennen und mit erkrankten Kunden richtig umzugehen.

Für Hartz-IV-Empfänger, die eine seelische Störung selbst erkennen, gebe es Angebote der psychosozialen Dienste, erklärte der Experte. Deren Aufgabe sei, psychische Erkrankungen zu diagnostizieren und eine Therapie vorzuschlagen.

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Therapieangebote reichen nicht immer aus

Der Haken daran: Nicht immer gibt es genügend Kapazitäten, um den Erkrankten umgehend zu helfen. "Lange Wartezeiten von einem halben Jahr für Therapieplätze oder für psychosoziale Begutachtung helfen nicht wirklich weiter", sagte Alt. Häufig verschlechtere sich das Krankheitsbild im Zeitablauf.

Neue Chancen gefordert

Doch Alt sieht auch die Unternehmen in Deutschland in der Pflicht. Seiner Ansicht nach sind die Firmen aufgerufen, auch psychisch eingeschränkten Menschen eine Chance zu geben. Und zwar nicht zum Nachteil des Arbeitgebers: "Viele von ihnen sind hochproduktiv, hoch intelligent", betonte Alt.

Sie brauchen seiner Ansicht nach jedoch ein Arbeitsumfeld, das nicht zusätzlich belastet und zur Genesung beiträgt. Geheimniskrämerei im Umgang mit der Erkrankung lehnt der BA-Mann dabei ab. "Vorgesetzte und Kollegen müssen gut informiert sein über die psychischen Einschränkungen neuer Mitarbeiter", forderte er. Denn die Erfahrung zeige, dass eine zufriedenstellende Arbeit oft die beste Therapie sei.

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