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Ausbildung: Betriebe nutzen Azubis immer öfter als billige Arbeitskräfte

Lehrlinge in Deutschland  

Betriebe nutzen Azubis immer öfter als billige Arbeitskräfte

25.11.2013, 18:23 Uhr | Spiegel Online

Ausbildung: Betriebe nutzen Azubis immer öfter als billige Arbeitskräfte. Die eigentliche Lehre kommt zu kurz: Firmen setzen Azubis zunehmend als volle Kraft ein (Quelle: dpa)

Die eigentliche Lehre kommt zu kurz: Firmen setzen Azubis zunehmend als volle Kraft ein (Quelle: dpa)

Arbeitgeber setzen Azubis zunehmend als volle Kraft ein, die Betriebe sparen so immer mehr Geld. Das ist das Ergebnis einer Kleinen Anfrage der Linken an die Bundesregierung. Die Jugendlichen finanzieren ihre Lehre zu mehr als drei Vierteln selbst.

Plus von 25 Prozent bei einfachen Arbeitstätigkeiten

Der Vorfall bei Aldi Süd schreckte die Öffentlichkeit auf: Missliebige Azubis sollen dort im Zentrallager Mahlberg mit Frischhaltefolie an Pfosten gefesselt worden sein, wie der "Spiegel" kürzlich berichtete. Sie waren angeblich frech geworden. Es dürfte sich um ein extremes Einzelbeispiel handeln, dennoch hat es die Linken-Fraktion im Bundestag auf den Plan gerufen. Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Partei, hat einen ausführlichen Fragenkatalog zur Ausbildung an die Bundesregierung geschickt, mit dem Schwerpunkt Einzelhandel. Die Ergebnisse der Kleinen Anfrage, die "Spiegel Online" vorliegen, erstaunen:

  • Auszubildende werden immer früher und stärker für produktive Tätigkeiten eingesetzt.
  • Die Nettokosten der Ausbildung sinken für die Betriebe.
  • Zugleich steigen die von den Jugendlichen erwirtschafteten Erträge.
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Im Detail: Im Zeitraum von 2000 bis 2007 (aktuellere Daten liegen nicht vor) stieg die Zeit, in der Auszubildende am Arbeitsplatz einfache Arbeitstätigkeiten ausführen mussten auf 47 Tage im Jahr - ein Plus von 25 Prozent. Dazu gehört im Einzelhandel etwa der Verkauf oder die Warenveräumung. Die Anzahl der Tage mit Fachkräftetätigkeiten stieg sogar um 64 Prozent auf insgesamt 53 Tage.

Lehranteil wird geringer

Insbesondere in den ersten beiden Lehrjahren haben die produktiven Einsatzzeiten deutlich zugenommen. Azubis, die eigentlich eine umfassende Berufsausbildung erwarten dürfen, werden damit immer stärker in die Wertschöpfung der Unternehmen eingebunden - und das von Anfang an. Der echte Lehranteil im Betrieb wird dabei offenbar zunehmend vernachlässigt.

Eine Entwicklung ist dabei besonders auffällig: Die Lehrlinge tragen die Kosten ihrer Ausbildung verstärkt selbst. So erwirtschafteten sie 2007 im Schnitt rund 11.700 Euro - und damit 48 Prozent mehr als im Jahr 2000. Die reinen Personalkosten lagen den verfügbaren Daten zufolge zuletzt bei gut 9500 Euro. Zieht man die Gesamtkosten heran, die durchschnittlich für Auszubildende aufgewendet werden - also auch die Ausgaben für Ausbilder und Sachkosten -, dann erwirtschaften die Jugendlichen inzwischen durchschnittlich 77 Prozent ihrer Ausbildungskosten selbst.

Abbruchquoten im Einzelhandel oft bei über 30 Prozent

Ein besonders plakatives Beispiel aus dem Einzelhandel ist der Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk. Bei dieser Ausbildung übersteigen die von den Lehrlingen erwirtschafteten Erträge sogar die Kosten um 50 Prozent. Die Bundesregierung räumt konkret zu diesem Fall ein: "Die hohen Ausbildungserträge können deshalb erwirtschaftet werden, weil die Auszubildenden bereits zu Ausbildungsbeginn für eine Vielzahl der anfallenden Arbeiten - und zwar oft auch bereits für schwierige Aufgaben - eingesetzt werden können."

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Für die Linken-Politikerin Sabine Zimmermann geht das zu weit. Es müsse sichergestellt werden, "dass Auszubildende nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden und die eigentliche Berufsausbildung auf der Strecke bleibt", kritisiert sie.

Seit Jahren klagt die Arbeitgeberseite über fehlenden Nachwuchs, oftmals ist vom Fachkräftemangel die Rede. Zugleich werden aber über alle Ausbildungsberufe hinweg 24 Prozent der Lehrverträge vorzeitig aufgelöst, bei den Verkaufsberufen des Einzelhandels liegen die Quoten oft bei 30 Prozent oder mehr.

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