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Klage wegen Lungenkrebs: 23 Milliarden Dollar Schadenersatz

US-Gericht  

Tabakkonzern soll Witwe von Kettenraucher 23 Milliarden Dollar zahlen

20.07.2014, 14:17 Uhr | AFP, rtr, dpa-AFX, t-online.de

Klage wegen Lungenkrebs: 23 Milliarden Dollar Schadenersatz. Ein US-Gericht verdonnert R.J. Reynolds Tobacco Co. zu einer Milliardenstrafe (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein US-Gericht verdonnert R.J. Reynolds Tobacco Co. zu einer Milliardenstrafe (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Gericht im US-Bundesstaat Florida hat der Witwe eines an Lungenkrebs gestorbenen Kettenrauchers mehr als 23 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) Schadensersatz zugesprochen. Die Geschworenen urteilten, dass der zweitgrößte US-Tabakkonzern R.J. Reynolds Tobacco Co. absichtlich die Gesundheitsgefahren des Produktes verheimlicht habe, berichtete die "New York Times".

Cynthia Robinson hatte den Konzern 2008 verklagt, weil ihr Ehemann Michael Johnson 1996 im Alter von 36 Jahren an Lungenkrebs gestorben war. Ihr Vorwurf lautete, dass der Zigarettenhersteller die Gefahren des Rauchens und die Suchtgefahr seiner Produkte in einer Verschwörung verheimlicht habe. Nach Angaben des Anwalts von Robinson begann ihr Ehemann das Rauchen im Alter von 13 Jahren und konsumierte über einen Zeitraum von 20 Jahren täglich bis zu drei Päckchen Zigaretten.

"Urteil ist verfassungswidrig"

"Die zugesprochene Summe ist völlig übertrieben und verstößt gegen die Verfassung," sagte derweil J. Jeffery Raborn, Vize-Präsident des Konzerns. Das Unternehmen werde das Urteil umgehend anfechten, sagte er der "New York Times".

In der Vergangenheit konnten Tabakfirmen in Berufungsverfahren den Schadenersatz häufig drücken oder das Urteil sogar für nichtig erklären lassen. Der aktuelle Fall beschäftigt die Gerichte bereits seit Jahren. Ursprünglich war er Teil einer Sammelklage, die 1994 gegen Tabakfirmen eingereicht wurde. Im Jahr 2000 gestand eine Jury den Klägern insgesamt 145 Milliarden Dollar Schadenersatz zu. Doch 2006 verwarf das Oberste Gericht von Florida das Urteil. Die Sammelklage sei nichtig, jeder Raucher habe aus anderen Gründen geraucht. Gleichzeitig entschied das Oberste Gericht, dass die Kläger einzelne Klagen einreichen könnten. Robinson war eine von ihnen.

Anteil der Raucher stark zurückgegangen

Das Rauchen ist in den USA nach amtlichen Angaben der Hauptgrund für verfrühte Todesfälle und verantwortlich für den Tod von etwa einer halben Million Menschen im Jahr. Allerdings geht der Anteil der Raucher zurück. In den 1960er Jahren lag ihr Anteil an der Bevölkerung bei 42 Prozent, heute sind es 18 Prozent.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, das der "Camel"-Hersteller Reynolds American den Rivalen Lorillard kauft. Der 27,4 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro) schwere Deal vereint den zweit- und den drittgrößten Zigarettenproduzenten der Vereinigten Staaten. Der neue Tabakkonzern steht nach Angaben der beiden Unternehmen für über elf Milliarden Dollar Jahresumsatz.

Übernahme noch nicht durch

Die Wettbewerbsbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen. Um die Zweifel der Kartellwächter auszuräumen, gibt Reynolds American für 7,1 Milliarden Dollar Marken wie "Salem" und "Winston" sowie Produktionsanlagen an den britischen Konkurrenten Imperial Tobacco ab.

Neben "Camel" stellt Reynolds American auch die Marke "Pall Mall" her, Lorillard ist für die "Newport"-Mentholzigaretten bekannt. Gemeinsam greifen die beiden Unternehmen nun den Marktführer der Tabakbranche an, den "Marlboro"-Konzern Altria.

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