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Prognose: Deutsche Wirtschaft schrumpft weiter

dpa, Matthias Hoenig

Aktualisiert am 11.09.2019Lesedauer: 3 Min.
Montagemitarbeiter in einem Autowerk: Der deutschen Wirtschaft wird ein weiterer AbwÀrtstrend prophezeit.
Montagemitarbeiter in einem Autowerk: Der deutschen Wirtschaft wird ein weiterer AbwÀrtstrend prophezeit. (Quelle: Sebastian Gollnow (Symbolbild)/dpa-bilder)
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Es mehren sich die Warnungen, dass die deutsche Wirtschaft nach einem Minus im zweiten Quartal auch in den Folgemonaten den RĂŒckwĂ€rtsgang eingelegt hat. Steuert die grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft Europas nun auf eine scharfe Rezession mit drastisch steigender Arbeitslosigkeit zu?

Die deutsche Wirtschaft verliert nach EinschĂ€tzung fĂŒhrender Ökonomen deutlich an Schwung und dĂŒrfte auch im dritten Quartal schrumpfen. Die schwache wirtschaftliche Dynamik begrĂŒndeten Forschungsinstitute auch mit politischen Risiken wie dem Brexit und Handelskonflikten. Mit einer wieder anziehenden Konjunktur in Deutschland rechnen sie frĂŒhestens im nĂ€chsten Jahr. Das Handwerk dagegen berichtet von weiter guten GeschĂ€ften.

Das Kieler Institut fĂŒr Weltwirtschaft (IfW) erwartet im dritten Quartal ein Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Nicht ganz so pessimistisch ist das Essener RWI-Leibniz-Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung fĂŒr die Monate Juli bis September: "In einer Kurzfristprognose rechnen wir mit minus 0,1 Prozent", sagte Vize-Konjunkturchef Torsten Schmidt. Schon im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,1 Prozent zum Vorquartal geschrumpft.

Das ist eine "technische Rezession"

Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer "technischen Rezession". Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine sehr milde Rezession. Anders sĂ€he es aus, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr im Vergleich zum Vorjahr schrumpft. Damit wird jedoch derzeit nicht gerechnet. Zuletzt war dies 2009 infolge der globalen Finanzkrise der Fall; seitdem hatte die deutsche Wirtschaft ununterbrochen mit teils krĂ€ftigen Wachstumsraten zugelegt. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am 14. November Daten zur deutschen Wirtschaftsleistung im 3. Quartal.

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"Eine scharfe Rezession im eigentlichen Sinne, also ein deutliches Unterschreiten der Auslastung in den Unternehmen mit drastisch steigender Arbeitslosigkeit, ist derzeit aber nicht in Sicht", sagte IfW-PrĂ€sident Gabriel Felbermayr den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Allerdings: "Mit einem spĂŒrbaren Anziehen der Konjunktur ist frĂŒhestens im Verlauf des kommenden Jahres zu rechnen." 2018 hatte die deutsche Wirtschaft noch um 1,5 Prozent zugelegt.

So sieht die Prognose fĂŒr das Gesamtjahr aus

FĂŒr das Gesamtjahr 2019 trauen die Kieler IfW-Ökonomen und das RWI der grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft der Eurozone nur noch ein Wachstum von 0,4 Prozent zu. FĂŒr 2020 rechnet das RWI mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent, fĂŒr 2021 mit 1,3 Prozent. Die IfW-Forscher gehen fĂŒr 2020 von einem Plus von 1 Prozent aus, 2021 dĂŒrfte die Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote wird aus Sicht des RWI in diesem und im nĂ€chsten Jahr wohl bei 5,0 Prozent liegen und 2021 auf 4,9 Prozent sinken. Das IfW prognostiziert indes einen Anstieg der Quote in den nĂ€chsten beiden Jahren auf 5,2 und 5,3 Prozent.

"Es mehren sich die Anzeichen, dass die SchwĂ€chephase anhĂ€lt und die Konjunktur in Deutschland in einen Abschwung ĂŒbergeht", warnte das RWI. Ähnlich das Deutsche Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW): "Deutschlands wirtschaftliches Fundament bröckelt bedenklich." Die Produktionsleistung der auf den Export spezialisierten Industrie sinke seit einem Jahr deutlich. Es fehle vor allem die Nachfrage aus dem europĂ€ischen Ausland, allen voran aus Großbritannien und Italien. Bisher stĂŒtze eine krĂ€ftige Binnennachfrage. Deshalb rechnet das DIW in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent.

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Betriebe spĂŒren offenbar AbkĂŒhlung der Weltwirtschaft

Das DIW forderte erneut mehr staatliche Investitionen. "Deutschland braucht in diesen schwierigen Zeiten einen Anker der StabilitĂ€t durch ein langfristiges Investitionsprogramm der Bundesregierung", sagte DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher. "Statt sich ĂŒber die niedrigen Zinsen zu beklagen, sollte die Politik diese als Chance verstehen, um klug in die Zukunft zu investieren."

Nach Darstellung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) spĂŒren viele Betriebe die AbkĂŒhlung der Weltwirtschaft. "Der Brexit wirkt sich zusĂ€tzlich negativ auf die Wirtschaft in ganz Europa aus", sagte der DIHK-Chef Eric Schweitzer den Funke-Zeitungen. Der DIHK habe seine Konjunkturprognose fĂŒr 2019 auf ein Plus von 0,6 Prozent gesenkt. HandwerksprĂ€sident Peter Wollseifer hĂ€lt dagegen: "Die Handwerkskonjunktur brummt weiter. Gravierende EinbrĂŒche sind in den allermeisten Handwerksbereichen – zuallererst natĂŒrlich bei den konsumnahen Gewerken – weiterhin nicht absehbar", sagte er.

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