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Sorgt die Suez-Blockade jetzt noch für leere Regale bei Lidl?

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 29.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Maskenpflicht im Supermarkt: Discounter wie Lidl dürfen auch im Corona-Lockdown regulär öffnen.
Maskenpflicht im Supermarkt: Discounter wie Lidl dürfen auch im Corona-Lockdown regulär öffnen. (Quelle: imago-images-bilder)
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Ende März blockierte ein gigantisches Schiff tagelang den Suezkanal. Nun – einen Monat später – spüren auch Verbraucher in Deutschland die Folgen der Blockade.

Vor einem Monat gingen die Bilder eines riesigen Containerschiffs um die Welt, das den Suezkanal verstopfte – und die eines kleinen Baggers, der sich bemühte, das Schiff freizuschaufeln. Die Wasserstraße, die das Mittelmeer mit dem Indischen Ozean verbindet, ist inzwischen zwar längst wieder frei.


Die Blockade im Suezkanal

Mehrere Schlepper ziehen das Containerschiff. Nach der Freilegung des Schiffes ist der Kanal am Montagnachmittag wieder für den Schiffsverkehr freigegeben worden.
Schlepper arbeiteten an der Freisetzung des auf Grund gelaufenen Frachtschiffs "Ever Given" im Suezkanal. Der Containerriese ist nach einer tagelangen Blockade teilweise freigelegt worden. Das 400 Meter lange Schiff sei wieder in einem schwimmenden Zustand und werde gesichert, teilte der maritime Dienstleister "Inchcape Shipping" am frühen Montagmorgen mit.
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Dennoch scheinen manche Verbraucher erst jetzt die Auswirkungen zu spüren. Von teils verzögerten Lieferungen ist die Rede, teilweise gar von leeren Regalen. Kann das sein? Macht sich die Suez-Blockade tatsächlich jetzt erst bemerkbar? t-online hat nachgefragt.

Der Discounter Lidl, der teilweise entsprechende Schilder aufgestellt hatte, teilte auf t-online-Anfrage mit: "Aufgrund der Havarie der „Ever Given” im Suez-Kanal kam es in den letzten Wochen vereinzelt zu Lieferverzögerungen, hauptsächlich im Nonfood-Bereich." Welche Produkte betroffen waren, sagte er nicht – laut den Hinweisschildern handelt es sich aber um "Werbeaktionen"-Artikel.

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Aldi Nord teilt derweil mit, "die Anlieferung einzelner Aktionsartikel aus dem Nonfood-Bereich" könnte sich verzögern: "Kurzfristige zeitliche Verschiebungen im Angebot unserer Artikel lassen sich daher leider derzeit nicht ganz ausschließen." Um welche Produkte es sich konkret handelt, lässt das Unternehmen offen.

Von der Einzelhandelskette Woolworth Deutschland hieß es, dass zwar keine Waren auf der "Ever Given", dem havarierten Transportschiff, transportiert worden wären. "Wegen der Blockade wurde aber bekanntlich auch der nachfolgende Schiffsverkehr massiv beeinträchtigt", heißt es seitens des Unternehmens. "Das betrifft auch Schiffe, die Waren für Woolworth transportieren." Durch die überlasteten Häfen und dadurch entstehende Verzögerungen werde es für Artikel aus dem asiatischen Raum "sicherlich eine Verzögerung in der Auslieferung an unsere Kaufhäuser geben".

"Die Blockade des Suezkanals kam zu einer Unzeit"

Was Kunden womöglich im Supermarktregal sehen, hat auch eine volkswirtschaftliche Seite, wie Vincent Stamer vom Kieler Instiut für Weltwirtschaft (IfW) im Gespräch mit t-online erklärt. "Die Blockade des Suezkanals kam zu einer Unzeit", sagt er. "Der internationale Handel war bereits sehr angespannt."

Hauptgrund dafür: die Corona-Krise. Besonders Chinas Wirtschaft erholte sich nach der Pandemie schnell. Gleichzeitig zog die Nachfrage nach Konsumgütern in Europa und den USA nach der ersten Pandemiewelle stark an. Die Folge: Viele Container fehlten, was die Transportpreise explodieren ließ. "Die Suez-Krise hat das noch weiter verschärft", so Stamer.

Das spürt auch das Handelsunternehmen Tchibo. Die Firma, die nicht nur Kaffee sondern auch Nonfood-Artikel vertreibt, erklärte, die internationalen Logistikströme seien schon seit Pandemiebeginn "stark belastet". Die vorübergehende Blockade des Suezkanals habe die Lage noch zusätzlich erschwert.

"Wir rechnen damit, dass die Unwucht in den internationalen Lieferketten noch einige Monate anhalten wird und managen dies entsprechend", teilt das Unternehmen auf t-online-Anfrage mit. Zu genauen Produkten wollte sich das Unternehmen wie auch die übrigen Händler nicht äußern.

Im Klartext aber dürfte das für einzelne Handelsketten heißen: Hier und da könnten Waren vergriffen sein, teilweise könnten auch die Preise steigen. Zuletzt hatten auch Baumarkt-Lieferanten höhere Preise angekündigt.

Diese Unternehmen spüren keine negativen Auswirkungen durch die Blockade

Manche Firmen merken dagegen kaum Auswirkungen – wie etwa die Ein-Euro-Ladenkette Tedi oder das niederländische Unternehmen Action. Letzteres teilte mit: "Kurzfristig hat die Blockade im Suezkanal keinen Einfluss auf die Versorgung unserer Filialen."

Zwar stamme die Hälfte der Waren aus Asien und muss folglich die Wasserstraße bei der Verschiffung passieren. Doch Action habe "ein ständig wechselndes Sortiment. Dadurch können wir unser Angebot flexibel gestalten und eventuell verspätete Lieferungen mit anderen Produkten ausgleichen."

"Wir sind noch mit einem blauen Auge davongekommen"

Alles halb so wild also? Ökonom Stamer findet zumindest: "Wir sind noch mit einem blauen Auge davongekommen." Obwohl durch den Suezkanal jeden Tag Waren im Wert von 10 Milliarden US-Dollar und rund neun Prozent des deutschen Im- und Exporte laufen, seien die wirtschaftlichen Schäden noch überschaubar geblieben.

"Eine Woche lässt sich gut verkraften", sagt er. "Wenn die Suez-Blockade aber noch länger gedauert hätte, hätte das sicher drastische Folgen für die heimische Industrie gehabt." Ein Grund dafür: Der Konsum sei größtenteils aufgeschoben worden. "Ob ich jetzt beispielsweise einen Hand-Staubsauger diese Woche kaufe oder erst in zwei Wochen, macht letztlich wenig aus", so Stamer.

Hinweis: In einer Version von Mittwoch lag noch kein Statement von Lidl vor. Mittlerweile ist dies der Fall. Wir haben den Artikel entsprechend aktualisiert.

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