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So viel Geld sparen Sie durch die Steuerreformen der Ampel

  • Florian Schmidt
Von Florian Schmidt

Aktualisiert am 15.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Finanzminister Christian Lindner: Noch nicht alle geplanten Steuerreformen sind auf den Weg gebracht.
Finanzminister Christian Lindner: Noch nicht alle geplanten Steuerreformen sind auf den Weg gebracht. (Quelle: Lisi Niesner/Reuters-bilder)
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Die Ampel hat einige Steuerentlastungen angeschoben, die Umsetzung anderer Vorhaben steht noch aus. Eine Rechnung zeigt jetzt, welche Folgen alle Reformen zusammen für die Steuerzahler hätten.

Die Deutschen werden ärmer. Weil die Preise so stark steigen wie zuletzt vor 40 Jahren, bekommen die Verbraucher in Deutschland für ihr Geld immer weniger. Hinzu kommt: Selbst diejenigen, die die Inflation durch eine Gehaltserhöhung ausgleichen können, haben am Ende womöglich nicht mehr in der Tasche – weil der Fiskus stärker zulangt, sie durch das Einkommensplus mehr Steuern zahlen müssen.

Zumindest dieses Phänomen, auch bekannt als "kalte Progression", will Finanzminister Christian Lindner (FDP) abmildern. Im Zuge des jüngst vorgestellten Entlastungspakets der Ampelregierung hat er deshalb auch eine Reihe von Anpassungen im Einkommenssteuertarif durchgesetzt, die so im Koalitionsvertrag noch nicht vorgesehen waren:

  • Der steuerliche Grundfreibetrag steigt von 9.984 Euro auf 10.347 Euro.
  • Der Arbeitnehmerpauschbetrag, auch Werbungskostenpauschale genannt, wächst von aktuell 1.000 Euro auf 1.200 Euro.
  • Höher fällt künftig auch die Pendlerpauschale aus. Ab dem 21. Kilometer beträgt sie statt 35 Cent dann 38 Cent.

Geht der im Kabinett verabschiedete Entwurf des sogenannten Steuerentlastungsgesetzes wie geplant noch vor der Sommerpause durch den Bundestag, dürften Millionen Steuerzahler schon ab der Jahresmitte etwas mehr Netto vom Brutto haben. Gelten sollen die neuen Steuerregeln nämlich rückwirkend zum 1. Januar.

Neue Rechnung zeigt Steuerersparnisse

Doch wie viel brächten sie genau? Die Antwort auf diese Frage hat jetzt der Ökonom Tobias Hentze vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ausgerechnet. Seine jüngste Studie liegt t-online exklusiv vor.

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Tobias Hentze: Der Ökonom ist Experte für Steuer- und Finanzpolitik.
Tobias Hentze: Der Ökonom ist Experte für Steuer- und Finanzpolitik. (Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft)

Der Clou, das Spannende an seiner Kalkulation: Neben den bereits genannten Extra-Entlastungen berücksichtigt Hentze zusätzlich auch jene Steuervorhaben, die sich die Ampelparteien ohnehin in den Koalitionsvertrag geschrieben haben – die bislang aber noch nicht angeschoben wurden:

  • Die Anhebung des Sparerpauschbetrags, der es erlaubt, Kapitalerträge – etwa aus Aktien oder Fonds – abzusetzen, von 801 Euro auf 1.000 Euro.
  • Die Erhöhung des Ausbildungsfreibetrags von derzeit 924 Euro auf 1.200 Euro.

Nicht Teil der Rechnung ist dagegen die erhöhte Pendlerpauschale, da sie nicht für alle Arbeitnehmer zum Tragen kommt, jedoch in den allermeisten Fällen sowieso mit den Werbungskosten verrechnet wird. Die Kalkulation des Ökonomen führt damit zu den Summen, die Sie durch die absehbare Anpassung aller Pauschalbeträge in der Einkommenssteuer sparen würden.

Familien hätten bis zu 479 Euro mehr in der Tasche

Das Ergebnis: Ein kinderloser Single mit einem Jahresbruttoeinkommen in Höhe von 25.000 Euro und Kapitaleinkünften von mindestens 1.000 Euro würde rund 174 Euro mehr in der Tasche haben.

Durch die Anhebung des Grundfreibetrags sparte er dabei 69 Euro, durch die erhöhte Werbungskostenpauschale würde er um 53 Euro entlastet und der angepasste Sparerpauschbetrag brächte 52 Euro. Läge sein Einkommen bei 50.000 Euro, wären es 191 Euro.

Noch mehr sparen würden Familien mit Kindern. Bei ihnen käme zusätzlich auch der angehobene Ausbildungsfreibetrag zur Wirkung. Eine Doppelverdiener-Familie mit einem Kind würde bei einem gemeinsamen Einkommen von 50.000 Euro um 420 Euro bei der Steuer entlastet. Verdienen beide Elternteile zusammen 100.000 Euro, beliefe sich die Summe auf 479 Euro. Angenommen ist in beiden Fällen, dass die Elternteile jeweils Kapitaleinkünfte von mindestens 1.000 Euro pro Jahr haben.

Aber: Um auf diese Summen zu kommen, müsste die Ampel die Erhöhung der Ausbildungspauschale sowie des Sparerpauschbetrags erst einmal wie geplant anschieben.

"Regierung hinkt ihren eigenen Ansprüchen hinterher"

Noch ist das nicht der Fall, wie Hentze bemängelt. "Der Sparerpauschbetrag und der Ausbildungsfreibetrag werden tagespolitisch noch nicht so intensiv diskutiert, stehen aber im Koalitionsvertrag", sagte er t-online. "Eine Anpassung wäre angesichts der hohen Inflation aus meiner Sicht überfällig, zumal sie seit Jahren unverändert sind."

Zudem müsste die Regierung aus seiner Sicht noch deutlich mehr für Familien tun – auch über den aktuellen Stand der Reformplanungen hinaus. "Auch das Kindergeld sowie der Kinderfreibetrag bedürfen zum Ausgleich der Inflation einer Erhöhung", so Hentze. "Hier hinkt die Regierung ihren eigenen Ansprüchen hinterher."

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  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen, Frederike Holewik
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