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"Der Stau konzentriert sich auf die deutsche Bucht"

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 06.07.2022Lesedauer: 3 Min.
Containerschiffe (Symbolbild): Mehr als zwei Prozent der globalen Frachtkapazität stehen in der Nordsee still.
Containerschiffe (Symbolbild): Mehr als zwei Prozent der globalen Frachtkapazität stehen in der Nordsee still. (Quelle: Imagebroker/Justus Cuveland/imago-images-bilder)
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In der Nordsee warten immer mehr Containerschiffe. Das könnte Folgen für das Weihnachtsgeschäft haben.

Die Staus von Containerschiffen in der Nordsee nehmen dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge in der Tendenz zu. Mehr als zwei Prozent der globalen Frachtkapazität stehen laut IfW-Experte Vincent Stamer dort still und können weder be- noch entladen werden. Für die Nordsee sei dies "sehr ungewöhnlich".

Tatsächlich handele es sich aber nur um etwa 30 bis 40 Containerschiffe, die sich im Raum zwischen Nordfrankreich und Norwegen stauten, so Stamer. "Der Stau konzentriert sich auf die deutsche Bucht", sagte er t-online. "Hier können aktuell 19 Containerschiffe nicht be- und entladen werden." Darunter seien jedoch die größten Lastschiffe der Welt, teils könnten sie bis zu 24.000 Container fassen.

Experte: "Stau könnte sich noch zuspitzen"

Ein Grund für den Stau in der Nordsee: Viele Waren konnten in den vergangene Wochen nicht abtransportiert werden, da es auch im Binnenverkehr Schwierigkeiten gegeben hätte und blockierten nun die Lagerkapazitäten in Hamburg und an anderen Häfen. "Wenn wir es nicht schaffen, die Läger leerzuräumen, könnte sich der Stau noch zuspitzen."

Denn: Die Lieferketten sind seit der Corona-Krise durcheinander geraten. Auch vor den chinesischen Häfen von Shanghai und Zhejiang wächst die Warteschlange: Mehr als vier Prozent der globalen Frachtkapazität stecken hier fest. Sollten diese bald abgebaut werden, könnte sich der Stau in der deutschen Bucht noch verschärfen. "Das ist kein Horrorszenario. Doch die Preise könnten weiter steigen, weil die Waren dann auf anderem Wege transportiert werden müssen, etwa über Rotterdam", so Stamer.

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Vincent Stamer: Er ist Handelsexperte am IfW in Kiel.
Vincent Stamer: Er ist Handelsexperte am IfW in Kiel. (Quelle: IfW Kiel)

Problem sei vor allem, dass das Weihnachtsgeschäft schon bald ansteht. Am Ende des Sommers werden die Geschenke aus Asien im Regelfall verschickt. "Möglich, dass die Menschen auf bestimmte Güter länger warten, wie das im vergangenen Jahr bereits der Fall war."

Er meint vor allem Möbel, Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen oder Unterhaltselektronik, also etwa Smartphones. "Die Erholung lässt auf sich sich warten." Wann sich die Lage entspannt, ist indes nicht abzusehen. "Ein Ende der Staus in der Containerschifffahrt ist derzeit nicht in Sicht", sagte Stamer.

Welthandel zieht an

Auf dem Roten Meer – der wichtigsten Handelsroute zwischen Europa und Asien – sind dem IfW zufolge derzeit gut 20 Prozent weniger Containerschiffe unterwegs als unter normalen Umständen zu erwarten wären. So groß sei die Lücke zuletzt nach Ausbruch der Corona-Pandemie vor zwei Jahren gewesen.

Trotz dieser Probleme zog der Welthandel im Juni im Vergleich zum Vormonat leicht an, wie aus dem Index "Kiel Trade Indicator" hervorgeht. Dieser erfasst die weltweiten Handelsströme in der Schiffahrt. "Aber massive Schiffsstaus, hohe Transportkosten und daraus resultierende Lieferengpässe hemmen den Warenaustausch, insbesondere mit Blick auf Europa", sagte Stamer laut Mitteilung. Für Deutschland zeigen die Werte einen Zuwachs bei den Importen an (+2,5 Prozent) und eine rote Null bei den Exporten (-0,1 Prozent).

Lage in Nordamerika entspannter

Dagegen entspannt sich die Lage in Nordamerika. Die pandemiebedingt hohe Nachfrage nach Konsumgütern in den USA hat laut der Untersuchung nachgelassen, der Stau vor dem Hafen von Los Angeles hat sich aufgelöst.

"Das entlastet die Transportwege, und so sind die Frachtkosten von Asien an die Westküste Nordamerikas seit Beginn dieses Jahres um knapp die Hälfte gefallen", sagte Stamer. "Frachtraten auf dem Weg von Asien nach Nordeuropa sind dagegen noch immer sechs Mal so hoch wie vor zwei Jahren." Das Frachtaufkommen in russischen Häfen lässt dem IfW zufolge eindeutig auf den Versuch schließen, den wegen der kriegsbedingten Sanktionen verlorenen Handel mit Europa durch Asien zu substituieren.

Im Ostseehafen St. Petersburg, wo Waren aus Europa ankommen, sei das Frachtaufkommen nachhaltig eingebrochen. In den übrigen, im Asienhandel eingebundenen Häfen, erhole es sich dagegen etwas. "Allerdings können die Importe aus Asien bisher noch nicht den Handel mit Europa ersetzen", sagte Stamer.

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