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Neue Studie: "Deutschland ist viel abhängiger von Russland als gedacht"


"Deutschland ist viel abhängiger von Russland als gedacht"

  • Florian Schmidt
Von Florian Schmidt

Aktualisiert am 20.03.2022Lesedauer: 4 Min.
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Wladimir Putin signiert eine Gas-Pipeline im Jahr 2011 (Archivbild): Die deutsche Abhängigkeit von Russland ist groß.
Wladimir Putin signiert eine Gas-Pipeline im Jahr 2011 (Archivbild): Die deutsche Abhängigkeit von Russland ist groß. (Quelle: Alexsey Druginyn/RIA Novosti/Pool/Reuters-bilder)
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Fließt das Gas weiter, können die Sanktionen gegen Russland der deutschen Wirtschaft nur wenig anhaben, heißt es. Doch ist das wirklich so? Eine neue Studie nährt Zweifel an dieser Erzählung.

Auf den ersten Blick scheint die Summe überschaubar: Wenn Sie in Deutschland für 50.000 Euro ein Auto kaufen, landen davon 500 Euro in Russland. 150 Euro entfallen auf russische Energieimporte wie Gas, 350 Euro gehen drauf für andere Vorprodukte, etwa Palladium zur Herstellung von Katalysatoren oder für Kautschuk, das in den Gummireifen des Wagens steckt.

500 Euro, rechnerisch also ein Prozent, oder 1 Euro je 100 Euro Warenwert: So groß ist laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die t-online exklusiv vorliegt, der durchschnittliche Anteil Russlands an der hiesigen Wertschöpfung.

Fast nichts, könnte man meinen. Wirklich angewiesen sind wir damit kaum auf Russland – auf den einen Euro sollten wir doch spielend verzichten können, würde der Westen die Sanktionen noch verschärfen, das Land wirtschaftlich gänzlich isolieren. Oder?

Russlands Anteil an der deutschen Wirtschaft ist gar nicht so klein

Was einfach klingt, ist in Wahrheit sehr viel komplizierter: Tatsächlich dürfte die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands von Russland deutlich größer sein als viele vermuten. Auch durch, vor allem aber über die Energielieferungen hinaus. Also die Gasimporte, die deutsche Wohnungen heizen und Fabriken antreiben.

Zu diesem Schluss jedenfalls kommt die Ökonomin Galina Kolev, die die IW-Studie verfasst hat. "Ein Euro je 100 Euro Endnachfrage sieht auf den ersten Blick tatsächlich nach einem verschwindend geringen Anteil aus", sagt sie. "Und im Vergleich zu dem, was Importe aus anderen Ländern wie China oder die USA zur Wertschöpfung beitragen, ist das sogar auch so."

IW-Ökonomin Galina Kolev: "Langfristig könnten wir diese Importe natürlich ersetzen."
IW-Ökonomin Galina Kolev: "Langfristig könnten wir diese Importe natürlich ersetzen." (Quelle: IW Köln)

So entfallen etwa bei einem Endprodukt im Wert von 100 Euro im Schnitt 2,40 Euro auf amerikanische Wertschöpfung. China trägt durchschnittlich 2 Prozent zur deutschen Wertschöpfung bei.

Gas, Kautschuk und Palladium "Made in Russia"

Das Problem, so Kolev: "Russland liefert uns anders als China vor allem Rohstoffe zu, die sehr weit vorne in den Produktions- und Lieferketten zum Einsatz kommen." Das wichtigste Importgut ist dabei hinlänglich bekannt: Erdgas, mit dem viele Fabriken ihre Maschinen antreiben.

Doch auch eine Reihe anderer russischer Rohstoffe werden gleich zu Beginn der Herstellung gebraucht, etwa künstlicher Kautschuk, Isopren-Kautschuk genannt. Genutzt wird er unter anderem in der Reifenindustrie. Drei Viertel dieser Importe stammen laut Statistischem Bundesamt aus Russland. Beim ebenso erwähnten Palladium ist Russland gar der größte Exporteur der Welt.

"Langfristig könnten wir diese Importe natürlich ersetzen", so Kolev. "Kurzfristig jedoch könnten weitere Sanktionen oder Import-Embargos Produktions- und Arbeitsausfälle in Deutschland herbeiführen, deren Ausmaß kaum verlässlich abzuschätzen ist."

Das Problem des frühen Produktionsbedarfs

Das zu verstehen fällt leichter, wenn man sich die Produktion eines Autos am Fließband vorstellt. Stark vereinfacht sieht die so aus: Ganz am Anfang des Fließbandes ist ein Motor, der das Band antreibt – nicht selten betrieben mit Energie, die aus russischem Gas stammt.

Nehmen wir an, das ließe sich kurzfristig ersetzen, etwa durch norwegisches Gas, wie es jetzt Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stärker einsetzen will. Dann liefe das Band, die Produktion könnte beginnen.

Womöglich nicht an der ersten, wohl aber an der vierten oder fünften von insgesamt vielleicht 100 Stationen des Fließbandes käme nun das Platinmetall Palladium zum Einsatz, ebenfalls importiert aus Russland. Findet sich für diese Importe kein schneller Ersatz, muss die Produktion stoppen. In der Folge könnte auch an den übrigen 95 Herstellungsstationen nicht weiter gearbeitet werden – auch wenn dort russische Importgüter gar nicht direkt genutzt werden.

Metall- und Chemie-Industrie stark betroffen

"Wenn am Anfang der Herstellung ein wichtiger Rohstoff fehlt, hat das Auswirkungen auf alle Produktionsschritte, die danach folgen", so Kolev. Die Ökonomin mahnt deshalb: "Wir dürfen uns in der Debatte um die Abhängigkeit von Russland nicht allein auf die Gasimporte fokussieren."

Andere Zulieferungen, vor allem andere Rohstoffe, seien für einzelne Industrien und Wirtschaftszweige von ebenso großer Bedeutung. Kolev: "Deutschland ist viel abhängiger von Russland als gedacht."

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Am stärksten zeigt sich das ihrer Berechnung zufolge in der Metallindustrie, die einerseits sehr energieintensiv ist, andererseits auf Rohstoffe wie eben Palladium angewiesen ist. Hier machen russische Vorprodukte und Rohstoffe rund 5,7 Prozent der Wertschöpfung aus.

Überdurchschnittlich stark betroffen ist jedoch auch die chemische Industrie mit einem Anteil von 2,7 Prozent, wobei 0,9 Prozent auf Energieprodukte entfallen und 1,8 Prozent auf andere chemische Grundstoffe.

Auswirkungen auf Arbeitsplätze schwer abschätzbar

Wie viele deutsche Arbeitsplätze genau direkt und indirekt von russischen Importen abhängen, lasse sich derweil kaum seriös abschätzen, so die Expertin. Zu komplex seien die Lieferketten, zu vielschichtig die Produktionen. "Fest steht aber: Wir sollten nicht allein aufs Gas schauen und darauf, wie gering die Ausfuhren der Exportindustrie nach Russland sind", so Kolev.

Und selbst, wenn es allein ums Gas ginge, würde es kurzfristig schwierig. Zwar versuchte Habeck, nach einem Besuch in Norwegen, nun auch in Katar neue Quellen für Flüssiggas per Schiffsimport für Deutschland zu erschließen.

Doch wie schnell und zu welchem Preis das tatsächlich nach Deutschland gelangen könnte, ist offen. Der Grund: Eine ausgebaute Infrastruktur, sogenannten LNG-Terminals in deutschen Häfen, gibt es noch nicht.

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Verwendete Quellen
  • IW-Kurzbericht: "Russlands Relevanz für die Lieferketten der deutschen Wirtschaft"
  • Gespräch mit Galina Kolev
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Von Christine Holthoff
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