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Fracking – Wahnsinn oder Allheilmittel?


Der Deutsche macht es sich gern zu einfach

  • Florian Schmidt
Von Nele Behrens, Florian Schmidt

Aktualisiert am 26.08.2022Lesedauer: 3 Min.
Meinung
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Förderstelle für Fracking-Öl in den USA (Archivbild): Europa könnte aus den USA Rohöl importieren – allerdings fördern die Staaten einen Teil ihres Öls über die Fracking-Methode, die als umweltschädlich gilt.
Förderstelle für Fracking-Öl in den USA (Archivbild): In den USA wird Fracking bereits seit Jahren betrieben. (Quelle: David McNew/getty-images-bilder)
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Knappes Gut Erdgas: Deutschland braucht es für die Industrie oder zum Heizen. Sollten wir womöglich selbst in Deutschland nach Gas bohren?

Die Erdgaspreise steigen und es ist kein Ende in Sicht – nicht beim Krieg in der Ukraine und nicht bei der Energiekrise, die Deutschland mit voller Härte trifft. Mittlerweile ist allen EU-Ländern klar: Auf Russland kann man sich als Handelspartner nicht verlassen.

Erdgasgewinnung durch Fracking
Erdgasgewinnung durch Fracking (Quelle: dpa-bilder)

Doch wo soll das Gas für Europa herkommen? Der Nobelpreisträger und bekannte Ökonom Joseph Stiglitz plädiert dafür, dass Deutschland selbst tätig wird – und ähnlich wie die USA Schiefergas aus den tiefen Gesteinsschichten im Boden presst. Also: Fracking im heimischen Wattenmeer oder am Bodensee.

Hat Stiglitz recht – ist es an der Zeit, umzudenken? t-online-Finanzredakteurin Nele Behrens und Florian Schmidt, Ressortleiter Wirtschaft und Finanzen, diskutieren im Pro und Kontra.

Ja, alles andere ist heuchlerisch

Das Pro von Florian Schmidt

Der Strom kommt aus der Steckdose, die Wärme aus dem Heizkörper: Der Deutsche macht es sich bekanntermaßen gern einfach. Woher die Energie für beides kommt? Egal. Hauptsache billig, Hauptsache grünes Gewissen.

Fracking ist deshalb für viele genauso unappetitlich wie die Kernkraft. Zu teuer die Förderung, zu fossil der Brennstoff selbst. Was die meisten dabei übersehen: Dieses gängige Narrativ ist längst veraltet und verkommt angesichts der Energiekrise zur Heuchelei.

Denn künftig wird viel des Gases, das uns Russland nicht mehr liefert, ebenjenes Fracking-Gas sein – und zwar aus den USA. In Flüssigform und für viel Geld soll es schon bald an den neuen LNG-Terminals anlanden, um uns aus der Abhängigkeit von Putin zu befreien.

Nachhaltig ist das nicht. Und billig wird's schon gar nicht.

Wäre es da nicht besser, das Gas selbst aus heimischen Böden zu pumpen? Drei Gründe sprechen dafür:

  • Der ökologische Fußabdruck des Fracking-Gases würde nicht noch zusätzlich durch den Transport des Gases über den Atlantik vergrößert. Die hohen Kosten für die Schifffahrt ließen sich ebenfalls sparen, Energie würde wieder günstiger.
  • Fracking ist inzwischen eine ausgereifte Technologie. Selbst eine vom Bundestag beauftragte Expertenkommission, in der fast nur Umweltschützer saßen, hielt zum Fracking fest: Die Gefahr fürs Grundwasser sei "gering", das Risiko für Erdbeben sogar "äußerst gering".
  • Deutschland könnte sich mit Fracking-Gas auf Jahre unabhängig von Energiezulieferern machen. Eine Situation wie die derzeitige wäre, bis die Erneuerbaren ausreichend ausgebaut sind, kaum mehr möglich.

Sicher, kurzfristig schafft Fracking keine Abhilfe. Der kommende Winter ist damit nicht zu retten, genauso wenig der folgende.

Doch seien wir ehrlich: Bis die erneuerbaren Energien den gesamten Energiebedarf Deutschlands decken können, wird es noch einige Jahre dauern – die wir mit eigenem Gas günstiger und ökologischer überbrücken können als etwa mit Kohle.

Nein, Fracking ist Wahnsinn

Das Kontra von Nele Behrens

Fracking in Deutschland widerspricht jeglicher Vernunft. Es ist die Wiederholung desselben Fehlers, der uns die aktuelle Misere eingebrockt hat. Anstatt uns den Konsequenzen einer einseitigen fossilen Energiepolitik zu stellen, sollen wir nun weiter Raubbau an der Natur betreiben?

Das ist allein aus ökonomischen Gründen unsinnig:

  • Fracking sichert nicht den nächsten Winter. Es braucht Testbohrungen, Genehmigungen und den Aufbau der Infrastruktur. Das dauert Jahre.
  • Das Gasvorkommen in Deutschland deckt unseren Verbrauch nur für maximal 14 Jahre, danach wären wir ohnehin wieder auf Importe angewiesen. Dennoch müssten wir hohe Summen in die Infrastruktur investieren.

Aus der Perspektive des Klimaschutzes ist Fracking sogar Wahnsinn, denn:

  • Fracking-Gas hat einen 20 Prozent höheren ökologischen Fußabdruck als Kohle. Das zeigt etwa eine Studie der Ivy-League-Universität Cornell.
  • Die chemischen Komponenten beim Fracking sind eine Gefahr. Eine Arbeit der Universität Oxford bringt Fracking etwa mit Atemwegserkrankungen, Schäden des zentralen Nervensystems, Krebs und Geburtsdefekten in Verbindung.
  • Das Methan, das beim Fracking entweicht, bindet Hitze zwanzigmal stärker als CO2. Es kurbelt damit den Treibhausgaseffekt deutlich an. Kommt es zudem zu Feuern, was häufig der Fall ist, entsteht zusätzlicher Stickstoff – noch mehr Gift für die Atmosphäre.
  • Die Nachwirkungen der Bohrungen erhöhen die Gefahr für Erdbeben und Erdrutsche drastisch. Der US-Staat Wyoming kämpft dank Fracking in manchen Regionen etwa mit verseuchtem Trinkwasser. Und der niederländische Ort Groningen zeigt allein die schwerwiegenden Folgen der konventionellen Gasförderung. Hier bebt mehrmals im Jahr die Erde.

Der 79-jährige Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ist für Fracking – er wird die Folgen seiner kurzfristigen Wirtschaftspolitik allerdings auch nicht mehr erleben müssen. Wir müssen den aktuellen Druck vielmehr nutzen, um nachhaltig zu investieren.

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Verwendete Quellen
  • Oxford Research Encyclopedia of Global Public Health: Environmental Health Concerns From Unconventional Natural Gas Development (Englisch)
  • Howarth R., Santoro R. und Ingraffea, A. : Methane and the Greenhouse-Gas Footprint of Natural Gas from Shale Formations (Englisch)
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