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Ärzte: Digitalisierung bringt nicht mehr Behandlungszeit

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Diagnose per Mausklick  

Digitalisierung beim Doktor: Geht jetzt alles schneller?

12.04.2018, 09:54 Uhr | dpa

Ärzte: Digitalisierung bringt nicht mehr Behandlungszeit. Digitalisierung beim Arzt: Eine Sozialarbeiterin misst Blutdruckwerte eines Patienten und übermittelt diese drahtlos per Smartphone an einen Arzt. (Quelle: dpa/Hendrik Schmidt)

Digitalisierung beim Arzt: Eine Sozialarbeiterin misst Blutdruckwerte eines Patienten und übermittelt diese drahtlos per Smartphone an einen Arzt. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa)

Auskünfte vom Doktor per Mausklick statt lange im Wartezimmer zu sitzen? Online könnte für viele Patienten manches schneller gehen. Mediziner dämpfen aber Hoffnungen auf ganz grundlegend mehr Tempo.

Die Kassenärzte erwarten Erleichterungen für Patienten durch neue digitale Angebote in den Praxen – aber kaum zusätzliche Behandlungszeit. "Die Digitalisierung hat natürlich Möglichkeiten", sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen.

Sie könne etwa Zugriffe auf Daten und Werte beschleunigen, wenn Patienten mit kontinuierlicher Blutzuckermessung ihre Angaben einmal pro Woche zum Arzt senden. "Aber Digitalisierung backt keine Arztzeit. Man wird nur in sehr begrenztem Umfang mehr Luft für andere Aufgaben schaffen können."

In ländlichen Gebieten sind die Voraussetzungen für Telemedizin kaum gegeben

Ein digitales Röntgenbild könne man per E-Mail verschicken, sagt Gassen. "Aber angucken muss es sich der Arzt ja trotzdem noch." Einsetzbar seien viele Anwendungen zudem nur, wenn die technischen Rahmenbedingungen vorhanden seien. Zum Versenden des Befunds einer Magnetresonanztomographie (MRT) von Gewebe oder Organen sei zum Beispiel schnelles Internet erforderlich, wie es in großen Städten verfügbar sei. "Aber in ländlichen Regionen haben wir überhaupt nicht die Voraussetzungen, um Telemedizin in großem Maßstab zu machen."

Natürlich gebe es auch Fragen, in denen man Patienten für kurze Rücksprachen den einen oder anderen Praxisbesuch erübrigen könne. "Das passiert ja auch schon – das Telefon ist vor einer Weile erfunden worden", sagt Gassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte unter anderem für neue digitale Angebote geworben, um überfüllte Praxen zu vermeiden. Kleine Fragen ließen sich auch online unkompliziert klären. Wartezimmer würden leerer, und es wäre damit mehr Zeit für aufwendigere Fälle, argumentierte Spahn.

Persönlicher Kontakt ist wichtig

Der KBV-Chef äußerte sich skeptisch zu generell mehr Fernbehandlungen per Telemedizin. Noch eher unkritisch wäre es, wenn ein Arzt Patienten kennt und schon direkt behandelt hat. "Da könnte man manches umfassender als bisher per Telefon machen." Aber grundsätzlich sei persönlicher Kontakt wichtig, also Patienten bei Untersuchungen auch anfassen oder etwa auf Gerüche achten zu können. "Es wäre schwierig, wenn es Skype-Doktoren gäbe, mit denen Patienten nur über das Internet und mit hingehaltener Kamera Kontakt haben."

Mit Blick auf eine neue elektronische Patientenakte, die nach Plänen der Bundesregierung bis 2021 eingeführt werden soll, sagt Gassen: "Der Patient sollte seine elektronische Akte kennen und darauf Zugriff haben – auch zu Hause." Charmant wäre gewesen, dies auf die elektronische Gesundheitskarte zu legen und per Geheimnummer abrufbar zu machen. In der jetzigen Form der Karte ginge es aber technisch nicht. "Da könnte man nicht einmal ein Röntgenbild abspeichern."


Verwendete Quellen:
  • dpa

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