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Warum so viele Deutsche nicht zu Hause sterben

dpa, Anika von Greve-Dierfeld

09.12.2019Lesedauer: 4 Min.
Angeh√∂rige h√§lt alter Frau die Hand: In einer Patientenverf√ľgung legen Menschen fest, welche √§rztliche Behandlung sie einfordern oder ablehnen.
Angeh√∂rige h√§lt alter Frau die Hand: In einer Patientenverf√ľgung legen Menschen fest, welche √§rztliche Behandlung sie einfordern oder ablehnen. (Quelle: Pablo_K/getty-images-bilder)
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Zwischen piepsenden Maschinen und in steriler Umgebung: So wollen die wenigsten sterben. Experten erklären, warum es immer wieder passiert, dass Menschen ihre letzten Tage im Krankenhaus verbringen.

Wie wollen wir sterben? So auf keinen Fall, sagt der 55 Jahre alte Thomas M., wenn er √ľber den Tod seines Vaters vor f√ľnf Jahren spricht. Mit einer Entz√ľndung im Bauchraum kam der 74-J√§hrige in ein Ludwigsburger Krankenhaus. Trotz Operation wurde nichts besser. Der alte Mann wollte nach Hause, d√§mmerte vor sich hin, ein Krankenhauskeim kam hinzu. Der Oberarzt ordnete eine weitere Operation an. "Warum das denn, mein Vater stirbt doch gerade?", fragte M.. Der Professor zuckte mit den Schultern. Nach Hause kam der Vater nicht mehr.

Ein typisches Szenario, findet die Medizinerin Jana J√ľnger, Leiterin des f√ľr Staatspr√ľfungen von √Ąrzten zust√§ndigen Instituts f√ľr medizinische und pharmazeutische Pr√ľfungsfragen (IMPP). "Dem Patienten geht es schlechter, weil er stirbt ‚Äď das bleibt oft unbesprochen zwischen Arzt und Patient oder Angeh√∂rigem." Die Folge: Unn√∂tige Eingriffe, Operationen, kostspielige Leidenszeiten auf der Intensivstation w√§hrend der letzten Lebenstage. Dabei will Umfragen zufolge so gut wie niemand im Krankenhaus sterben.

Mehr als die Hälfte stirbt nicht Zuhause

Doch immer noch viel zu oft passiert genau das. Laut Deutschem Evangelischen Krankenhausverband (DEKV) sterben 77 Prozent der Deutschen entweder in einer Klinik oder im Pflegeheim. Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts aus dem vergangenen Jahr war zwar der Anteil derer, die im Krankenhaus sterben, lange r√ľckl√§ufig. Er betrage nach Zahlen aus dem Jahr 2016 aber immer noch 46 Prozent und stagniere seitdem. "Das ist viel zu viel, da es nicht den W√ľnschen der Patienten entspricht", sagt J√ľnger. "Wenn hier besser kommuniziert w√ľrde, dann k√∂nnten wir diese Situation innerhalb von f√ľnf Jahren deutlich verbessern."

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Dabei ist an sich die Versorgung sterbenskranker Menschen au√üerhalb von Krankenh√§usern beispielsweise in Baden-W√ľrttemberg gut geregelt, sagt ein Sprecher des Sozialministeriums. "Die ambulante Versorgung hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert und ist inzwischen auf einem guten Weg." Neben ambulanten Hospizdiensten k√ľmmerten sich sogenannte Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) um sterbende Erwachsene und Kinder: "Die Abdeckung mit SAPV Teams in Baden-W√ľrttemberg betr√§gt √ľber 90 Prozent", sagt der Sprecher.

Gr√ľnde f√ľr den Tod im Krankenhaus

Warum landen Patienten dann doch im Krankenhaus und sterben dort? Ein Grund ist, dass etwa Menschen mit unheilbaren Krebserkrankungen noch in den letzten Wochen ihres Lebens eine Therapie erhalten, anstatt nach Hause entlassen zu werden. Die Barmer Ersatzkasse geht aufgrund von Abrechnungsdaten zwischen 2012 und 2015 davon aus, dass etwa 15 Prozent dieser Krebspatienten sich in den letzten 30 Tagen ihres Lebens noch einer Chemotherapie unterziehen ‚Äď meistens geschieht dies im Krankenhaus.

Eine anderer Grund k√∂nnte nach Worten von Angela Carollo vom Max-Planck-Institut in Potsdam sein, dass gerade Hochbetagte oft mit Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert werden und dort binnen weniger Tage versterben. Oder es gibt keine Patientenverf√ľgung: Angeh√∂rige sind unsicher, was zu tun ist, wollen keinen Fehler machen, der Wunsch des Patienten verhallt ungeh√∂rt.

Doch sehr oft hakt es auch schlicht bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patient, wie J√ľnger erkl√§rt. Sie pl√§diert daf√ľr, √Ąrzte zu schulen und regelrecht mit ihnen zu √ľben, wie man mit Patienten am besten ihre W√ľnsche und Vorstellungen angesichts des herannahenden Todes besprechen kann. "Das muss implementiert werden in der Ausbildung und Weiterbildung. Diese Themen m√ľssen wir in die Staatspr√ľfungen f√ľr Arzte bringen", betont sie.

"Krankheit und Wahrheitsmitteilung am Krankenbett, das ist immer ein Prozess", sagt dazu Benno Bolze, Gesch√§ftsf√ľhrer des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (dhpv). F√ľr Patienten sei es nicht immer einfach zu entscheiden, ob eine Therapie noch sinnvoll sei oder nicht. "√úbertherapie" pauschal zu kritisieren, ist dabei aus Sicht der Barmer aber nicht fair. "Es ist wichtig, dass Patientinnen und Patienten in die Therapieentscheidung mit eingebunden werden." Au√üerdem sei auch im Krankenhaus ein w√ľrdevolles Sterben m√∂glich.

Pflegedienste m√ľssten mehr zusammenarbeiten

"Die Zahl der √§lter werdenden Menschen steigt ‚Äď wir werden ein hohes Ma√ü an Hospiz- und Palliativversorgung ben√∂tigen", erl√§utert Bolze. "Und wir werden nie sagen k√∂nnen: Das ist erledigt, wir sind am Ziel." Wichtig sei, dass Netzwerke gekn√ľpft werden und gut funktionieren: Ambulante Betreuungsdienste, spezialisierte Teams zur palliativen Versorgung, Hospize et cetera ‚Äď sie alle m√ľssten zusammenarbeiten. Vor allem Altenheime br√§uchten eine enge Anbindung an die palliativen Netzwerke. "Denn f√ľr den Bewohner ist dort das Zuhause und dort soll er dann auch sterben k√∂nnen."

Finanzielle Zw√§nge und Fehlanreize im Gesundheitssystem wie nicht sinnvolle Eingriffe oder auch Therapien tragen laut J√ľnger erheblich dazu bei, dass Menschen um ein angemessenes Sterben gebracht werden. "Es kann nicht sein, dass der Mammon uns die Moral vorschreibt ‚Äď beziehungsweise die ethische Vorstellung von Patientenrecht und Menschenw√ľrde", sagte sie. "Wir m√ľssen sagen: Das machen wir nicht aus Gr√ľnden der Patientensicherheit und Patientenw√ľrde."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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