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Wie Hebammen Schwangere in Corona-Zeiten betreuen

Von dpa
Aktualisiert am 14.04.2020Lesedauer: 3 Min.
Wibke Klug trÀgt bei der Geburt nun einen Mundschutz.
Wibke Klug trÀgt bei der Geburt nun einen Mundschutz. (Quelle: Axel Heimken/dpa./dpa)
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Hamburg (dpa) - Hebamme Wibke Klug hat schon hunderten Babys in Hamburg auf die Welt geholfen. Eine Situation wie im Moment hat sie dabei in den vergangenen 20 Jahren noch nicht erlebt.

VĂ€ter mĂŒssen Geschwister betreuen und können deshalb nicht mit in den Kreißsaal, Frauen verlassen die Klinik aus Angst vor dem Coronavirus direkt nach der Entbindung wieder und Hausbesuche werden teils ĂŒber Videoanrufe abgearbeitet.

"Alle machen sich große Sorgen und sind verunsichert", sagt die 43-JĂ€hrige. Die Hamburgerin ist Beleghebamme. Das heißt, sie begleitet Frauen durch ihre Schwangerschaft, die Geburt des Kindes und die ersten Wochen des SĂ€uglings. In Zeiten von Corona sind AufklĂ€ren und Beruhigen einmal mehr zu ihren wichtigsten Aufgaben geworden.

Die Hebamme hat etwa 20 bis 25 Termine in der Woche und begleitet derzeit etwa zehn Familien. "Das ist schon auch ein Luxus. Die Familien sind sehr achtsam, sie halten das Kontaktverbot auch wirklich ein. Das erleben meine Kolleginnen in den Kliniken ganz anders." Gleichzeitig erhöht das aber auch die ohnehin große Verantwortung. "Die Frauen haben oft tage- und wochenlang niemanden sonst gesehen. Keine Freunde, keine Familie. Ich bin das grĂ¶ĂŸte Risiko fĂŒr meine Frauen." Die Hamburgerin hat eine neunjĂ€hrige Tochter und einen chronisch kranken Mann. FĂŒr sie ist es deshalb auch persönlich sehr wichtig, das Virus nicht mit nach Hause zu bringen.

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Hebammenarbeit per Videoanruf

Wibke Klug hat sich auch deshalb entschieden, einige ihrer Termine ĂŒber Videoanrufe wahrzunehmen. "Das ist ganz großartig, dass das nun auch gesetzlich erlaubt ist und abgerechnet werden kann." Infrage kommt das allerdings nur bei den Frauen, bei denen alles rund lĂ€uft und das Baby schon einige Wochen alt ist. "Ich mache das etwa ein bis vier Mal pro Woche". Ansonsten geht die 43-JĂ€hrige wie gewohnt zu den Frauen in die Wohnung.

Eigentlich sogar noch mehr als sonst, denn so manche Schwangere traut sich in Corona-Zeiten nicht mehr ins Wartezimmer des Frauenarztes. Die Vorsorgeuntersuchungen ĂŒbernimmt sie dann. In der Zeit muss sie auch viel aufklĂ€ren. "Das grĂ¶ĂŸte Unsicherheitsthema ist die Geburt mit oder ohne Mann." Weil Oma, Opa, Freunde und Nachbarn wegen der Corona-Regeln als Betreuung fĂŒr Geschwisterkinder ausfallen, bleiben die VĂ€ter mittlerweile bei der Geburt öfter daheim. Die Nachfragen nach Kaiserschnitten seien deshalb bereits gestiegen, so Wibke Klug.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Und auch nach der Geburt ist mehr zu tun als sonst. Viele Frauen verlassen die Kliniken vorsichtshalber direkt nach der Geburt wieder. Die zahlreichen medizinischen Kontrollen, die ĂŒblicherweise in den ersten drei Tagen in den KrankenhĂ€usern direkt gemacht werden, kommen damit nun auch auf die Hebammen zu.

Bei den Hausbesuchen desinfiziert sich die Hebamme nun zusÀtzlich auch vorher und nachher die HÀnde. Sonst macht sie das lediglich vor den Untersuchungen bei Frau und Kind. Bei der Geburt trÀgt sie nun einen Mundschutz. Eine mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Frau hat sie bislang ihres Wissens noch nicht betreut. "Die Frauen, die jetzt ihre Kinder bekommen, die sind ja nicht gereist. Die waren in den letzten vier Wochen schön zu Hause und haben ihr BÀuchlein gestreichelt." Die 43-JÀhrige geht davon aus, dass die Geburten von Corona-Infizierten nun zunehmen werden. "Die kommen in den nÀchsten zwei bis vier Wochen."

Keine einfache Situation

Dann sieht die Arbeit im Kreißsaal nicht anders aus, doch Personal und Mutter werden dann Schutzkleidung tragen mĂŒssen. "Hebammen und Frauen voll vermummt - das stelle ich mir schrecklich vor." Das dĂŒrfte die Geburten fĂŒr die Frauen auch nicht leichter machen, ist Wibke Klug ĂŒberzeugt. "Eigentlich sollen sie bei sich bleiben und sich auf ihre Kraft fokussieren. Wenn um dich herum aber alle so aussehen wie Marsmenschen, ist das schon schwierig."

In der Hansestadt arbeiten demHebammenverbandzufolge etwa 300 Hebammen. "Es gibt viele Kollegen, die nun digitale RĂŒckbildung und Schwangerschaftsvorbereitung machen", sagt Verbandsvorsitzende Andrea Sturm. Von den jĂ€hrlich rund 21.000 Geburten in Hamburg sind etwa 210 Hausgeburten. Die Nachfrage danach habe wegen Corona zugenommen.

Positive Nebeneffekte

Doch in der Krise sieht Hebamme Wibke Klug positive Seiten. "Ich finde es gut, weil die Frauen sich so quasi ausruhen mĂŒssen." Keine Besuche, keine AusflĂŒge - die MĂŒtter mĂŒssen sich automatisch mehr auf ihr Baby und sich selbst besinnen.

FĂŒr die Hamburgerin sind alle Hebammen Heldinnen - auch ohne Corona-Krise. "Wir lassen sofort alles stehen und liegen fĂŒr die Frauen - ob Hochzeitstag, Geburtstag meines Kindes oder Kopfschmerzen. Und das ist sehr heldenhaft!" Gleichzeitig hebt sie die Arbeit ihrer Kolleginnen in den Kliniken besonders hervor: "Sie haben keine Wahl. Sie mĂŒssen den Frauen und ihren Angaben vertrauen. Sie gehen jeden Tag von Frau zu Frau und wissen nicht, was sie mitbringen."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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