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Milchbanken versorgen Fr├╝hchen mit Muttermilch

Von dpa
Aktualisiert am 27.01.2022Lesedauer: 4 Min.
In der Frauenmilchbank des Universit├Ątsklinikums liefert eine Spenderin Muttermilch ab.
In der Frauenmilchbank des Universit├Ątsklinikums liefert eine Spenderin Muttermilch ab. (Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild./dpa)
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Leipzig (dpa) - Im Keller von Haus 6 der Universit├Ątsklinik Leipzig lagert ein Schatz - das wei├če "Gold", so nennt ihn Ober├Ąrztin Corinna Gebauer manchmal.

Das Gold hat dabei unterschiedliche Farben von Wei├č bis Hellgelb und lagert in sterilen Flaschen: Muttermilch, die Frauen gespendet haben. Die hauseigene Milchbank versorgt Fr├╝hchen auf der Station f├╝r Neugeborene, deren M├╝tter selbst nicht stillen k├Ânnen. Die Zahl der Spenderinnen ist in den vergangenen Jahren gestiegen - und dennoch sei die Versorgung in Deutschland nicht ausreichend gesichert, wie Gebauer erl├Ąutert.

Von manchen mehr, von anderen weniger

Die Milchbank der Leipziger Universit├Ątsklinik ist eine von 4 Einrichtungen in Sachsen und 34 in Deutschland - und noch dazu die gr├Â├čte ihrer Art, hei├čt es von derFrauenmilchbank-Initiative. 50 bis 60 Frauen spendeten in Leipzig j├Ąhrlich ├╝bersch├╝ssige Muttermilch, deutlich mehr als noch vor zehn Jahren, sagt Gebauer, die seit 2007 ├Ąrztliche Leiterin der Leipziger Milchbank ist. "Wie viel eine Frau spendet, ist ganz unterschiedlich. Von manchen bekommen wir nur wenige Liter, von anderen ├╝ber Monate hinweg Milch."

Unter den Spenderinnen sind M├╝tter, deren Kinder zu fr├╝h geboren wurden und in der Klinik liegen. Ihre ├╝bersch├╝ssige Milch lassen sie oft in den Gefrierschr├Ąnken der Klinik einlagern. "Manchmal stellt sich dann heraus, dass die Mutter deutlich mehr Milch eingelagert hat, als sie f├╝r ihr Kind brauchen wird. Dann spendet sie uns den Rest", sagt Gebauer. Anders als viele andere Kliniken nehme die Bank aber auch Milch von externen Spenderinnen an.

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Eines ist den Frauen gemein: Sie werden ├Ąhnlich wie bei einer Blutspende regelm├Ą├čig auf Krankheiten wie HIV, Hepatitis B und C sowie Syphilis getestet. "Muttermilch ist nat├╝rlich nie steril, aber wir kontrollieren streng die Art und die Anzahl der Bakterien, die enthalten sind", erkl├Ąrt Gebauer. Darmbakterien etwa seien f├╝r Neugeborene gef├Ąhrlich und d├╝rften niemals in der gespendeten Muttermilch enthalten sein.

Andere Darmflora bei k├╝nstlicher Ern├Ąhrung

Anders sei es, wenn eine Spenderin positiv auf das Herpesvirus Zytomegalie getestet werde: Weil das Virus f├╝r Fr├╝hchen gef├Ąhrlich werden k├Ânne, werde die Milch pasteurisiert, also f├╝r eine halbe Stunde lang auf 62,5 Grad Celsius erhitzt. Der Vorteil: Das Herpesvirus stirbt ab, die Milch gilt insgesamt als sicherer.

"Gleichzeitig werden aber auch bestimmte Zellen zerst├Ârt und die Anzahl von Enzymen vermindert, die dem Kind etwa bei der Verdauung von Fetten hilft", sagt Gebauer. Rohe Milch sei insgesamt biologisch aktiver. Die Leipziger Klinik versuche daher, Milch immer dann roh zu verf├╝ttern, wenn die Kriterien es zulassen. "Insbesondere die sehr fr├╝h geborenen Kinder bekommen rohe Milch, weil sie die Abwehrstoffe darin besonders dringend brauchen", sagt Gebauer.

├ťberhaupt ger├Ąt die Medizinerin fast ins Schw├Ąrmen, wenn sie von den Vorteilen der Muttermilch im Vergleich zu Baby-Milchpulver spricht. "Muttermilch st├Ąrkt die Abwehrkr├Ąfte von Neugeborenen und unterst├╝tzt ihre Darmflora. Kinder, die k├╝nstlich ern├Ąhrt werden, haben eine ganz andere Darmflora", sagt sie.

Kein Vergleich zu Muttermilch

Am besten sei es f├╝r Kinder, die Milch der eigenen Mutter zu bekommen. Diese passe sich im Laufe der Stillzeit an die Bed├╝rfnisse des wachsenden Kindes an. Au├čerdem bilde die Mutter immer Antik├Ârper gegen die Krankheiten aus, denen sie selbst ausgesetzt ist. Davon profitiere dann auch das Kind.

Inzwischen gelte es als wissenschaftlich gesichert, dass Muttermilch die bessere Ern├Ąhrung f├╝r Neugeborene sei, sagt Ulrich Thome, Leiter der Leipziger Neonatologie. "Besonders Fr├╝hchen profitieren davon, weil sie ein besonders schwaches Immunsystem haben. Bei ihnen ist der Unterschied im Vergleich zu einer k├╝nstlichen Babymilch noch gr├Â├čer als bei stabilen Neugeborenen", berichtet er.

Zudem enthalte Muttermilch Hunderte verschiedene Ballaststoffe, die auch abh├Ąngig von den M├╝ttern unterschiedlich zusammengesetzt seien. Sie sch├╝tzten den Darm vor Infektionen und sorgten f├╝r eine gesunde Darmflora, sagt Thome. "Hersteller von Babymilch versuchen zwar auch, Ballaststoffe hinzuzuf├╝gen, aber das sind dann nur zwei oder drei unterschiedliche Stoffe - kein Vergleich zu Muttermilch."

Irrglaube in Westdeutschland

Doch nicht immer galt Muttermilch als ges├╝nder. Gerade in Westdeutschland habe man lange geglaubt, dass man dank der k├╝nstlichen Baby-Nahrung keine Muttermilch mehr brauche, sagt Anne Sunder-Pla├čmann von der Frauenmilchbank-Initiative. Die wenigen Banken, die ├╝brig waren, befanden sich demnach in Ostdeutschland. Seit 2018 setzt sich die Initiative daf├╝r ein, dass es in allen Bundesl├Ąndern mindestens eine Milchbank geben soll. Das Ziel ist fast erreicht - nur Rheinland-Pfalz fehle noch.

F├╝r die Initiative ist das ein Erfolg - ganz zufrieden sind Sunder-Pla├čmann und ihre Mitstreiterinnen dennoch nicht. "Man kann sagen, dass der Bedarf an Spenderinnen immer noch gr├Â├čer ist als das bestehende Angebot", sagt sie. Gro├če Kliniken wie Leipzig oder auch die Uniklinik Dresden k├Ânnten die Fr├╝hchen in ihren Kinderkliniken versorgen - doch l├Ąngst nicht alle Krankenh├Ąuser mit einer S├Ąuglingsstation verf├╝gten ├╝ber eine eigene Milchbank. Es gibt also noch einiges aufzuholen bei dem "wei├čen Gold".

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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