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Resilienzforscherin: Gewöhnen uns an hohe Corona-Zahlen

Von dpa
Aktualisiert am 28.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Trotz Rekordzahlen an Infektionen sind viele Menschen weniger vorsichtig als noch zu Beginn der Pandemie.
Trotz Rekordzahlen an Infektionen sind viele Menschen weniger vorsichtig als noch zu Beginn der Pandemie. Experten begr√ľnden dies mit einem Gew√∂hnungseffekt. (Quelle: Christian Charisius/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Aus Sicht der Psychologin Donya Gilan gewöhnen sich viele Menschen an immer weiter in die Höhe schießende Inzidenzen und Neuinfektionen.

"Es stellt sich so was wie eine Gew√∂hnung, Habituation, ein, so dass das dazu f√ľhren kann, dass bestimmte Ma√ünahmen vielleicht nicht mehr so streng befolgt werden", sagte Gilan vom Leibniz-Institut f√ľr Resilienzforschung in Mainz der Deutschen Presse-Agentur. "Auf der anderen Seite hat es aber nat√ľrlich auch einen deeskalierenden Effekt, was Angst und Sorge betrifft." Entsprechend sei es wichtig, die Balance zu halten.

Im Zuge der Omikron-Welle stieg die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag (27. Januar) zum ersten Mal in der Pandemie √ľber die Schwelle von 1000. Ein Rekord wurde auch bei der Zahl der gemeldeten Neuinfektionen innerhalb eines Tages erreicht: es waren erstmals mehr als 200.000.

Reaktion hängt auch von Betroffenheit ab

Laut Gilan setzt nach der langen Zeit in der Pandemie trotz des hohen Risikos ein Gew√∂hnungseffekt ein, wie er etwa auch bei Opfern anderer kritischer Lebensereignisse oder Katastrophen zu beobachten sei. Ob man angesichts der immer h√∂heren Corona-Zahlen besonders sorgenvoll reagiere oder abstumpfe, h√§nge aber auch beispielsweise vom Grad der pers√∂nlichen Betroffenheit und √Ąngstlichkeit ab, so die Expertin.

Als Strategie, um nach zwei Jahren Corona noch gut durch die Pandemie zu kommen, empfahl Gilan, "einfach im Hier und Jetzt" zu leben und sich m√∂glichst nicht so stark auf den empfundenen Stillstand zu konzentrieren. Zudem sei Zuversicht nun eine besonders wichtige Ressource: "Man muss sich bewusst machen, dass die Krise oder die Pandemie jetzt nat√ľrlich noch eine Weile andauern wird, aber dass nat√ľrlich die Situation sich im Vergleich zu letztem Jahr schon stark ver√§ndert hat, so dass man quasi auch so was wie eine Hoffnung, was das n√§chste Jahr betrifft, f√ľr sich entwickelt."

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Zeit √ľberbr√ľcken

Der Virologe Hendrik Streeck hat die Menschen angesichts der rasant wachsenden Corona-Infektionszahlen zur Vorsicht aufgerufen. Bei so hohen Zahlen sollte jeder noch einmal aufpassen und Kontakte beschr√§nken, sagte Streeck im ZDF-"Morgenmagazin". Auch Geimpfte und - in reduzierter Form - auch Geboosterte k√∂nnten das Virus √ľbertragen. "Es geht wirklich darum, jetzt nochmal diese Zeit zu √ľberbr√ľcken, bis wir eine Trendumkehr haben." Dann komme das Fr√ľhjahr mit sinkenden Fallzahlen. "Das wird ein guter Sommer wieder werden", sagte das Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung voraus.

Streeck riet jedem, sich impfen zu lassen. Man werde um eine Verbreitung des Virus nicht herumkommen. "Wir werden alle irgendwann mal Kontakt mit diesem Virus machen", sagte der Virologe. Eine allgemeine Impfpflicht sieht Streeck aber "sehr skeptisch". Es gebe auch andere Mittel, dem Virus beizukommen.

Angst vor Corona geht zur√ľck

Einer Umfrage zufolge ist die Angst vor dem Coronavirus in Deutschland deutlich zur√ľckgegangen. Nach dem nun ver√∂ffentlichen ZDF-"Politbarometer" halten zwar 70 Prozent der Befragten "Corona und die Folgen" weiter f√ľr das wichtigste Problem, allerdings sehen jetzt nur noch 42 Prozent ihre Gesundheit durch das Virus gef√§hrdet. Vor zwei Wochen waren es noch 53 Prozent. Inzwischen wird aus Sicht vieler Experten immer klarer, dass eine Infektion mit der hochansteckenden Omikron-Variante in vielen F√§llen einen eher milden Krankheitsverlauf ausl√∂st.

Sp√ľrbar gestiegen ist die Zufriedenheit mit den aktuell geltenden Corona-Ma√ünahmen, laut "Politbarometer" von 44 auf 49 Prozent. Nur noch 25 Prozent der Befragten meinen, die Ma√ünahmen m√ľssten h√§rter ausfallen (minus 5), w√§hrend 23 Prozent (plus 1) sie f√ľr √ľbertrieben halten. Optimistisch sieht eine klare Mehrheit die Lage in den Krankenh√§usern: 74 Prozent glauben, dass die Krankenh√§user die erwarteten, stark steigenden Infektionszahlen der Omikron-Welle bew√§ltigen k√∂nnen (nicht bew√§ltigen: 23 Prozent).

Ein Ende der Pandemie ist nach √úberzeugung der meisten B√ľrger nicht in Sicht. Gut ein F√ľnftel der Befragten (21 Prozent) glaubt, die Corona-Pandemie werde nach der Omikron-Welle hierzulande im Gro√üen und Ganzen √ľberwunden sein, 75 Prozent gehen davon aus, dass es auch nach Omikron weitere Wellen mit neuen Virusvarianten und hohen Fallzahlen geben wird.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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