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Alkoholatlas 2022: Mehr als 8.000 Krebstote durch Alkoholkonsum


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Tausende Krebstote gehen auf Alkoholkonsum zurück

Von dpa
12.09.2022Lesedauer: 3 Min.
Todesursache Alkohol: Der regelmäßige Konsum von Alkohol schädigt nicht nur die Leber, sondern erhöht auch das Krebsrisiko.
Todesursache Alkohol: Der regelmäßige Konsum von Alkohol schädigt nicht nur die Leber, sondern erhöht auch das Krebsrisiko. (Quelle: Dusan Bartolovic/Getty Images)
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Die Anzahl von Krebsneuerkrankungen und Todesfällen als Folge von Alkoholkonsum ist alarmierend. Experten fordern Preiserhöhungen und strengere Maßnahmen.

Angesichts Tausender alkoholbedingter Krebsneuerkrankungen pro Jahr appellieren Experten an die Politik, die Steuern für Alkohol zu erhöhen, das Abgabealter dafür anzuheben und die Werbung dafür einzuschränken.

"Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Alkohol ein erheblicher Krebsrisikofaktor ist", sagt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. In Deutschland gingen Schätzungen zufolge jedes Jahr über 20.000 Krebsneuerkrankungen und mehr als 8.000 Krebstodesfälle auf das Konto des Alkoholkonsums. Am stärksten ist nach Angaben der Autorin des Alkoholatlas 2022 der Einfluss auf Darmkrebs, auf Krebserkrankungen des Mund- und Rachenraums, der Leber, Speiseröhre und der Brust.

Die Fachleute warnen die Politik zugleich vor den Lobbyisten der Alkoholindustrie, die versuchten, Entscheidungsträger zu beeinflussen und öffentliche Einrichtungen, Parteitage oder Sportveranstaltungen zu sponsern, um sich als sozial verantwortliche Partner darzustellen. Zudem unterstützten sie wissenschaftliche Studien, die die negativen Folgen des Alkoholkonsums auf die Gesundheit und die Gesellschaft herunterspielten oder anzweifelten.

Mehr als 8.000 Krebstodesfälle

Schätzungen zufolge sind im Jahr 2022 mehr als 8.000 Krebstodesfälle – rund 6.200 bei Männern und 2.100 bei Frauen – auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Dies entspricht bei Männern einem Anteil von rund sechs Prozent an allen Krebstodesfällen und bei Frauen einem Anteil von drei Prozent.

Mit ihren Forderungen wollen das DKFZ, die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft zu Anfang der bis zum 16. September dauernden Nationalen Krebspräventionswoche einen Akzent setzen. Basis ist der Atlas, der unter anderem den Zusammenhang des gesellschaftlich tolerierten Konsums von Alkohol und Krebs beleuchtet.

Nach Ansicht der Experten ließe sich der Konsum reduzieren, indem man Alkohol verteuert. Bei der Steuer auf Alkohol sehen sie noch Luft nach oben. Derzeit beträgt die Alkoholsteuer 1.303 Euro pro Hektoliter reinen Alkohols.

Jährlichen Einnahmen aus dieser Steuer von 3,2 Milliarden Euro stehen den Gesellschaften zufolge direkte und indirekte Kosten von 57 Milliarden Euro gegenüber. Dies ergebe sich aus Krankheitskosten sowie geringer Produktivität, Fehlzeiten am Arbeitsplatz und Frühverrentung. In anderen Ländern hat ein Preisanstieg von zehn Prozent den Konsum um sechs Prozent gedrückt, wie Schaller erläutert.

Baustelle Jugendschutz

Weitere Baustelle ist der Jugendschutz. Derzeit dürfen Jugendliche ab 14 in Begleitung ihrer Eltern Wein und Bier trinken, ab 16 unbeaufsichtigt. Mit 18 Jahren kommen dann harte Drinks wie Rum, Schnaps und Wodka hinzu. Die Krebsgesellschaften plädieren für ein einheitliches Limit von 18 Jahren für den Konsum aller Arten alkoholischer Getränke, unabhängig davon, ob Eltern dabei sind.

Auch bei der Werbung sehen die Fachleute noch ungenutzte Stellschrauben; bislang gibt es nur das Verbot von Alkoholwerbung vor 18 Uhr im Kino. "Dringend fordern wir zunächst zumindest ein Verbot von Werbung im Kontext von Sportveranstaltungen aller Art", sagt Schaller.

Bereits 12,5 Gramm Alkohol pro Tag erhöhen das Krebsrisiko

Krebshilfe-Chef Gerd Nettekoven resümiert, jeder könne ungesunde Gewohnheiten aufgeben. "Doch die Krebsprävention ist keine reine Privatsache." Die Politik müsse Bedingungen schaffen, die eine gesunde Lebensweise förderten.

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigt mit zunehmender Menge und Häufigkeit der Aufnahme des Zellgifts. Bereits ein geringer Alkoholkonsum von bis zu 12,5 Gramm Alkohol pro Tag erhöht das Risiko für die Entstehung von Krebs in Mund und Rachen, der Speiseröhre und der weiblichen Brust. "Durch Alkoholkonsum gehen viele in guter Gesundheit verbrachte Lebensjahre verloren", heißt es in dem Atlas. Die meisten durch Alkoholkonsum verursachten Todesfälle treten demnach im Alter von 20 bis 50 Jahren auf.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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Von Astrid Clasen
Von Andrea Goesch
DeutschlandHeidelberg

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