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Reisen 2020: Das waren die beliebtesten Reiseziele im Corona-Jahr

PCR-Tests und Liegestuhlabstände  

Das waren die beliebtesten Reiseziele im Corona-Jahr

30.12.2020, 12:08 Uhr | SRT/Hans-Werner Rodrian

Reisen 2020: Das waren die beliebtesten Reiseziele im Corona-Jahr. Vorschriften: Ab diesem Jahr ist das Fliegen nur noch mit Maske erlaubt. (Quelle: Getty Images/PeopleImages)

Vorschriften: Ab diesem Jahr ist das Fliegen nur noch mit Maske erlaubt. (Quelle: PeopleImages/Getty Images)

Passagiere, die über Monate auf dem Kreuzfahrtschiff ausharren müssen, geschlossene Grenzen und stillgelegte Flughäfen. Das Reisejahr 2020 stellte besonders Reisefans vor große Herausforderungen.

Ein winziges Virus hat die große Welt angehalten – für Urlauber wurde sie binnen weniger Wochen ganz klein. Das zurückliegende Reisejahr war geprägt von PCR-Tests und Liegestuhlabständen, aber es gibt auch Hoffnung. Wir lassen 2020 Revue passieren

Januar

Im Januar staunt die Reisewelt noch übers Klima, das Megathema des Vorjahres: Die Mandelblüte auf Mallorca ist drei Wochen früher dran als üblich, am Neujahrstag sind es in Palma 23 Grad. Vielflieger ärgern sich über die Entwertung ihrer Meilen bei Miles & More. Im österreichischen Almtal entsteht ein neues Angebot: Waldbaden im Winter. Die Urlaubsmesse CMT in Stuttgart zieht an zwei Tagen rund 90.000 Urlaubslustige an – Rekord. Die Reiselust ist laut Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen auf einem Höchststand: 80 Prozent der Deutschen haben bereits Ferienpläne. Aber immer weniger wollen fliegen – des Klimas wegen.

  • Reisewort des Monats: Flugscham
  • Reiseziel des Monats (trotzdem): die Malediven

Februar

Saudi-Arabien überrascht die Urlaubswelt mit Plänen für ein Ferienzentrum am Roten Meer. In Ischgl gibt der Barkeeper des "Kitzloch" trotz kratzendem Hals eine Runde Willy nach der anderen aus. Skifahren kann man nun auch in Dänemark: auf grünen Matten von Kopenhagens neuer Müllverbrennungsanlage "Copenhill".

Der Brexit kommt – aber Telekom und Co versichern, dass sie Telefonate weiter zu EU-Konditionen abrechnen.

Nach bestürzenden Bildern vom Kreuzfahrtschiff Diamond Princess im Hafen von Yokohama sagen deutsche Veranstalter Fernostreisen ab. Der Grund: ein neues Virus, das sehr plötzlich auch Europa erreicht. Ende Februar ist mit einem Mal auch Italien Hochrisikogebiet. Die Reisemesse ITB in Berlin wird vorsichtshalber abgesagt.

  • Reisewort des Monats: Robert Koch-Institut (RKI)
  • Reiseziel des Monats: Ischgl

März

Urlaub: Durch die Reisewarnung war es für viele Touristen schwer, zurück in ihr Heimatland zu gelangen. (Quelle: Getty Images/elenaleonova)Urlaub: Durch die Schließung der Grenzen war es für viele Touristen schwer, zurück in ihr Heimatland zu gelangen. (Quelle: elenaleonova/Getty Images)

Es ist der Monat, den kein Reisender je vergessen wird. Innerhalb von zwei Wochen schließen die Länder der Welt ihre Grenzen, der Flugverkehr wird eingestellt, Veranstalter sagen alle Reisen ab, touristische Übernachtungen in Deutschland werden verboten. Von Marokko bis Südafrika hocken Rückkehrwillige in Hotelzimmern und bemühen sich um die letzten Rückflüge nach Hause. Das Auswärtige Amt spricht eine weltweite Reisewarnung aus, zunächst bis Ende April.

Fast geht es in diesem Chaoshagel unter, dass Stockholm sich mitten in der Corona-Krise als neue Sehenswürdigkeit die goldene Brücke "Guldbron" zulegt und England den längsten Küstenweg der Welt eröffnet, den 4.500 Kilometer langen England Coast Path.

  • Reisewort des Monats: Shutdown
  • Reiseziel des Monats: Zuhause – und das möglichst schnell

April

Jetzt ist es fix: Der Osterurlaub muss gestrichen werden. In einem gewaltigen Kraftakt holen Veranstalter und Regierung bis Ende April 240.000 Urlauber nach Hause. Reisebüro-Mitarbeiter schieben bundesweit Überstunden, um all die Urlaube (und Einnahmen) rückabzuwickeln, die sie im Jahr zuvor verkauft hatten.

Derweil landen erboste Kunden, die ihr Geld für abgesagte Reisen wiederhaben wollen, bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern in der Telefonwarteschleife. Spätestens jetzt wird deutlich: Für die Reisebranche geht es ums Überleben.

Die Akropolis in Athen dagegen lebt auf: Während coronabedingt die Touristen ausbleiben, bekommt das Bauwerk eine umfassende Schönheitskur. Und in Denver/Colorado eröffnet das erste Museum für Selfies samt passender Requisiten für die Instagram-Generation, die allerdings gerade Urlaub im Hotel Mama macht.

  • Reisewort des Monats: Umbuchung
  • Reiseziel des Monats: Balkonien

Mai

Der Sonnencreme-Verbrauch sinkt radikal – schuld ist die neue Maskenpflicht. Die Expo in Dubai wird ebenso um ein Jahr verschoben wie die Olympischen Spiele in Tokio, das Beethoven-Jubiläumsjahr und die Fußball-EM. In Singapur spazieren jetzt Roboterhunde durch die Stadtparks; die Blechtiere erinnern Spaziergänger per Lautsprecherdurchsage an die Social-Distancing-Regeln im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Die weltweite Reisewarnung wird bis Mitte Juni verlängert. Doch mit dem Frühling keimt Hoffnung: Erste Bundesländer lockern vor Pfingsten die Corona-Beschränkungen, an der Nord- und Ostsee werden bereits einige mutige Urlaubsgäste gesehen. Als das Einreiseverbot fällt, sind Sylt und Usedom binnen Stunden für die ganze Saison ausgebucht. Die ostfriesischen Inseln vermieten nur noch wochenweise. Am Tegernsee sperrt der Bürgermeister die Parkplätze.

  • Reisewort des Monats: Mundschutzpflicht
  • Reiseziele des Monats: Tegernsee und Sylt

Juni

Ist das schon die Erlösung? Die Reisewarnung für Touristen wird ab 15. Juni für die meisten EU-Staaten aufgehoben. Nur Spanien muss nachsitzen. Die Bevölkerung teilt sich in zwei Hälften: die einen sind skeptisch, die anderen entdecken Flüge mit Maskenpflicht und Hotels mit Hygienekonzept.

Der Alpenverein schreibt auf den Berghütten Reservierungspflicht und eigene Bettzeugmitnahme vor. Erste Urlaubsrückkehrer schwärmen von Venedig ohne Touristen. Für mehr als 160 Länder auf der ganzen Welt gilt allerdings weiter die Reisewarnung. Und der Rest will uns Deutsche nicht reinlassen. Bleiben Ruanda, Uruguay und immerhin Tahiti. Falls man einen Flug findet.

  • Reisewort des Monats: Risikogebiet
  • Reiseziel des Monats: Rimini – mit Plexiglasabtrennung am Strand

Juli

Wohnmobil: Urlaubstrend 2020 war unter andrem das Campen. (Quelle: Getty Images/ewg3D)Wohnmobil: Urlaubstrend 2020 war unter anderem das Campen. (Quelle: ewg3D/Getty Images)

Jetzt ist auch Spanien wieder offen. Die gesamte deutsche Küste und die Berge sind sowieso ausgebucht. Camping und Wohnmobilurlaub erleben ungeahnte Blüten. Die Pandemie scheint besiegt.

An der südenglischen Jurassic Coast gibt es eine neue Touristenattraktion: parkende Kreuzfahrtschiffe. Für umgerechnet 60 Euro kann man eine Besichtigungsfahrt um ein Dutzend der bewegungslosen weißen Riesen machen. Mit dem "Dolce Hanoi Golden Lake Hotel" eröffnet in Vietnam das erste komplett vergoldete Hotel der Welt – leider hat Vietnam fürs ganze Jahr ein Einreiseverbot verhängt.

  • Reisewort des Monats: corona-konform
  • Reiseziel des Monats: Mallorca ohne Bierkönig

August

Die kurze Entspannung geht zu Ende. Mitte August hat die Pandemie Spanien mit Ausnahme der Kanaren wieder fest im Griff. Erste Kreuzfahrtschiffe starten ab Hamburg und Kiel – mit "Blauen Reisen" ohne Landgang.

Afrikas Nationalparks stehen wegen Geldmangel vor dem Aus, weil die Touristen ausbleiben. Auf Mallorca herrscht wieder Maskenpflicht; jeder kann sich allerdings ein Formular aus dem Internet herunterladen und damit selbst attestieren, dass er aus medizinischen Gründen keine Maske tragen soll.

Frachtschiffreisen auf Binnenschiffen sind wieder möglich, berichtet der Spezialanbieter Internationale Frachtschiffreisen Pfeiffer. Und die Insel Mauritius im Indischen Ozean verhängt für Urlauber eine 14-tägige Quarantänepflicht, die bei genügend Kleingeld auch in exklusiven Fünf-Sterne-Häusern und Luxusvillen abgeleistet werden kann.

  • Reisewort des Monats: Undertourism
  • Reiseziel des Monats: Kreuzfahrt ohne Landgang

September

Jetzt sind auch die Kanaren Risikogebiet. Dafür öffnen sich erste Fernreiseziele: Kuba, Barbados, Seychellen. Bald geht es auch wieder nach Namibia. Ägypten nutzt die Corona-Pause, um die Besuchereinrichtungen bei den Pyramiden auf Stand zu bringen. Dort gibt es jetzt zwar keine Touristen, aber eine "9 Pyramids Lounge", ein Besucherzentrum, ein Kino, Toiletten und kostenloses WLAN.

Ob Türkei, Italien oder deutsche Ostsee: Im Wochenrhythmus werden Reiseziele aus der Reisewarnung entlassen, um wenig später von Neuem als Risikogebiet eingestuft zu werden. Wer reisen will, muss die Webseiten von RKI und Auswärtigem Amt im Blick behalten und notfalls auch Algarve statt Zypern akzeptieren.

  • Reisewort des Monats: Corona-Lastminute
  • Reiseziel des Monats: Kalabrien

Oktober

In Deutschland wird es kompliziert: Wer aus einem Corona-Risikogebiet anreist, braucht vielerorts den Nachweis über einen negativen Corona-Test.

Baden kann man nur noch am Rand Europas: Madeira ist jetzt die Insel mit den niedrigsten Corona-Zahlen. Die Kanaren werden Ende des Monats wieder freigegeben. Kreta verlängert wegen großer Nachfrage die Saison bis Dezember. Doch immer mehr Reiseanbieter nehmen den Außenminister beim Wort ("Reisewarnungen sind kein Reiseverbot"): Die Tui legt Flugcharter nach Mallorca und auf die Malediven auf, FTI folgt mit Ägypten und der Türkei. Alle diese Ziele sind mit einer Reisewarnung samt anschließender Quarantänepflicht belegt, aber gut gebucht.

In Portugal eröffnet im Oktober die längste Fußgängerbrücke der Welt. Aber kaum jemand kann zusehen, das Land ist im Lockdown.

  • Reisewort des Monats: Freitesten
  • Reiseziel des Monats: Kreta

November

Für wenige Tage verdrängt Berlins Flughafen Corona aus den Schlagzeilen: Der BER hat tatsächlich geöffnet – mit neun Jahren Verspätung. Aber dann wiederholt sich in Deutschland, was unbedingt verhindert werden sollte: Es folgt ein neuer Lockdown, zunächst in der Light-Version und mit dem Versprechen: "Damit wir wenigstens Weihnachten feiern können." Wer dem Frieden nicht traut, der kann sich jetzt auch nach Thailand absetzen, allerdings nur, wenn er mindestens vier Wochen bleibt und davon zwei in Quarantäne geht.

Die weltberühmte Inkastätte Machu Picchu im Hochland der Anden empfängt wieder Touristen und erhält vom zuständigen Minister anlässlich der Wiedereröffnung das "Safe Travel"-Gütesiegel für die strikte Einhaltung von Hygieneprotokollen. Hinreisen kann man aus Europa weiter nicht, im Gegensatz zu Tahiti, das via Paris wieder erreichbar ist und sogar mit kostenlosem Storno lockt, wenn der Südseetrip wegen Corona nicht stattfinden kann.

  • Reisewort des Monats: Beherbergungsverbot
  • Reiseziel des Monats: Kanaren mit PCR-Test

Dezember

Die Azoren sind jetzt auch Risikogebiet, dafür dürfte man wieder quarantänefrei in die Bretagne reisen, wenn dort ein Zimmer frei wäre. Die Karibikinsel Dominica stellt ein Urlaubskonzept vor, das Sonne, Strand und Wassersport enthält, aber keinen Kontakt mit Einheimischen.

Der "Lockdown light" wird verlängert und verschärft, erst in den Advent, dann ins neue Jahr. Die Kanzlerin warnt intensiv vor Reisen, egal wohin, das Außenministerium zieht gleichzeitig seine Reisewarnung vor den Karibikinseln Guadeloupe und Martinique zurück.

Der Start der Skisaison wird europaweit auf 10. Januar verlegt, nur die Schweiz und Polen machen nicht mit. Mit AirBnB feiert ein besonders von der Pandemie getroffenes Touristikunternehmen einen gefeierten Börsengang. 

  • Reisewort des Monats: Pandemieentwicklung
  • Reiseziel des Monats: Dominica ohne Einheimische

Das Jahr geht mit einer seltsamen Wende zu Ende: Aus Flugscham wird binnen zwölf Monaten bei vielen Urlaubsscham. Aber es keimt auch Hoffnung: Die ersten Impfstoffe kommen auf den Markt.


Verwendete Quellen:
  • SRT

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