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Russland: Abschied von Michail Gorbatschow (†91) ohne Pomp und ohne Putin


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Abschied von Gorbatschow ohne Pomp und ohne Putin

Von dpa, t-online, afp, cck

Aktualisiert am 04.09.2022Lesedauer: 4 Min.
Viktor Orbán: Er reiste als einziger Staatschef aus der EU für die Trauerfeier nach Moskau. (Quelle: Reuters)
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Sein Tod hat international Trauer ausgelöst, nun wurde Michail Gorbatschow beigesetzt. Bis auf eine Ausnahme waren westliche Politiker nicht bei der Beerdigung.

Ohne großen Pomp und ohne den russischen Präsidenten Wladimir Putin hat in Moskau die Trauerfeier für den früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow stattgefunden. Tausende Russen standen am Samstag vor dem Gewerkschaftshaus Schlange, um von dem dort aufgebahrten letzten Sowjetführer Abschied zu nehmen. Gorbatschow, der wegen seiner Reformen als Wegbereiter der deutschen Einheit gilt, war am Dienstag im Alter von 91 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Schon am Morgen bildeten sich lange Schlangen vor dem Gewerkschaftsgebäude, in dem bereits Joseph Stalin nach seinem Tod 1953 aufgebahrt worden war. Über dem im Säulensaal des Gebäudes aufgebahrten Leichnam von Gorbatschow hing ein großes Foto des Verstorbenen. Viele Trauernde brachten Blumen mit und legten sie vor dem offenen Sarg nieder, der von Ehrengarden flankiert wurde. Gorbatschows Tochter Irina nahm schwarz gekleidet und mit dunkler Maske vor dem Mund Beileidsbekundungen entgegen.

Der Friedensnobelpreisträger wurde anschließend auf dem Moskauer Prominentenfriedhof am Neujungfrauenkloster bestattet – neben seiner 1999 verstorbenen Frau Raissa. Der Sarg wurde unter den Klängen der russischen Nationalhymne und mit Salutschüssen ins Grab gelassen, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.


Gorbatschows Leben in Bildern

Der sozialistische Bruderkuss: Michail Gorbatschow und der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker am 6. Oktober 1989 in Berlin.
Start als Mechaniker für Mähmaschinen: Michail Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje im Nordkaukasus geboren, sein Vater ist Bauer.
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Orbán reist nach Moskau

Es gibt allerdings auch einige Unterschiede zu vorangegangenen Beerdigungen früherer Staatschefs. So wird es etwa anders als nach dem Tod des russischen Präsidenten Boris Jelzin (1931–2007) kein Staatsbegräbnis geben. Es waren bis auf eine Ausnahme keine führenden Politiker der EU zu dem Begräbnis erwartet.

Nur der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán kündigte kurzfristig am Samstag an, dass er an der Trauerfeier teilnehmen werde. Er wolle Gorbatschow "die letzte Ehre erweisen", twitterte das Außenministerium. Der Kreml betonte umgehend, dass kein Treffen zwischen Orbán und Putin geplant sei.

Viktor Orbán, Ministerpräsident von Ungarn: Er reiste als einziger Staatschef aus der EU für die Trauerfeier nach Moskau.
Viktor Orbán, Ministerpräsident von Ungarn: Er reiste als einziger Staatschef aus der EU für die Trauerfeier nach Moskau. (Quelle: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan würdigte Gorbatschow in einem Telefonat mit Putin. Nach Angaben des Kremls verwies Erdoğan in dem Gespräch auf dessen "bedeutende Rolle" in Russlands jüngster Geschichte und in der Welt.

Keine Einladung für Scholz

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) begründete seinen Verzicht an der Teilnahme damit, dass es keine Einladung gegeben habe. Deutschland war stattdessen durch den Geschäftsträger der Botschaft in Moskau vertreten, in mehreren Bundesländern wurde eine Trauerbeflaggung angeordnet.

Für viele ausländische Politiker wäre eine Teilnahme an dem Begräbnis ohnehin nicht möglich gewesen, weil sie von russischer Seite als Reaktion auf die westlichen Sanktionen mit Einreiseverboten belegt wurden. Gesperrt ist zudem der Luftraum in Russland für Flugzeuge aus "unfreundlichen EU-Staaten". Deshalb nahmen vor allem ausländische Botschafter und Diplomaten von Gorbatschow Abschied.

Putin besuchte Sarg schon früher

Auch Putin nahm nicht an der Beerdigung teil. Sein Sprecher Dmitri Peskow begründete dies mit Terminproblemen. Putin hatte Gorbatschow an dessen Sarg am Donnerstag die letzte Ehre erwiesen.

Der frühere Präsident und heutige Vizechef des Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, hingegen nahm bei der Trauerfeier teil und legte Blumen am Haus der Gewerkschaft nieder.

"Wir wurden ein komplett anderes Land"

Ein nationaler Trauertag wurde für den letzten Staatschef der Sowjetunion nicht ausgerufen, der das riesige Land von 1985 bis 1991 geführt hatte. Für den 2007 verstorbenen Boris Jelzin, den ersten Staatschef der Russischen Föderation hingegen schon.

Gorbatschow hatte versucht, die Sowjetunion mit demokratischen und wirtschaftlichen Reformen zu erhalten, konnte ihren Zusammenbruch jedoch nicht verhindern. Damit endete auch die Ära des Kalten Krieges zwischen dem Ostblock und dem Westen unter Führung der USA.

Putin hingegen bediente immer wieder das Bild von Gorbatschow als schwacher Staatsmann. Zwar äußerte er sich nicht direkt über den früheren Sowjetführer, nannte aber das Ende der Sowjetunion "die größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts". "Für das russische Volk war es eine Tragödie, Millionen unserer Bürger fanden sich plötzlich außerhalb der russischen Grenze wieder", sagte Putin bereits 2005. Im vergangenen Jahr, nur wenige Wochen vor dem Überfall auf die Ukraine, sagte Putin: "Wir wurden ein komplett anderes Land, und was über 1.000 Jahre aufgebaut worden war, ging weitgehend verloren."

"Nichts auf der Welt ist so wertvoll wie menschliches Leben"

Das Narrativ des naiven, schwachen Gorbatschows war auch in den Nachrufen zu finden, die russische Medien veröffentlichten. Gorbatschow bleibe in den Augen vieler Russen die Wurzel aller Probleme, schrieb etwa die Nachrichtenagentur Tass. Mehr dazu lesen Sie hier.

Michail Gorbatschow bei einem Besuch in den USA 1992: Er gilt als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges.
Michail Gorbatschow bei einem Besuch in den USA 1992: Er gilt als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges. (Quelle: Bill Greenblatt/imago images)

Gorbatschow kritisierte als Miteigentümer der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" unter anderem Beschränkungen der Pressefreiheit und andere autoritäre Machtzüge unter Putin.

Kurz nach dem russischen Angriff Ende Februar auf die Ukraine meldete sich Gorbatschow noch mal zu Wort: In einer Stellungnahme forderte er "ein baldiges Ende der Feindseligkeiten und den sofortigen Beginn von Friedensgesprächen". "Nichts auf der Welt ist so wertvoll wie menschliches Leben", schrieb Gorbatschow.

Letztere Erkenntnis verfolgte Gorbatschow als Politiker allerdings selbst nicht: In seine Amtszeit fielen die Vertuschungen um die Atomkatastrophe von Tschernobyl sowie die blutige Niederschlagung mehrerer friedlicher Proteste, etwa in Georgien und in Litauen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Großes Ansehen im Osten Deutschlands

Gorbatschow galt als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges. Unter seiner Führung schloss die Sowjetunion in den 1980er-Jahren mit den USA wegweisende Verträge zur atomaren Abrüstung und Rüstungskontrolle. In seiner Heimat leitete er als Generalsekretär der Kommunistischen Partei mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) einen beispiellosen Reformprozess ein.

Der politische Prozess führte letztlich zum Zusammenbruch des kommunistischen Imperiums. Viele Politiker und Bürger Russlands sehen Gorbatschow deshalb als "Totengräber der Sowjetunion", der Russland damals ins Chaos stürzte.

Vor allem im Osten Deutschlands genoss "Gorbi" wegen der Öffnung des kommunistischen Systems und des von Moskau damals zugelassenen Mauerfalls großes Ansehen. Sein Tod löste international Trauer aus.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagenturen dpa und AFP
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