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Putin sitzt in der Falle

Von Patrick Diekmann

07.03.2022Lesedauer: 6 Min.
Wladimir Putin: Der PrÀsident gerÀt in Russland wegen des Angriffes auf die Ukraine zunehmend unter Druck.
Wladimir Putin: Der PrÀsident gerÀt in Russland wegen des Angriffes auf die Ukraine zunehmend unter Druck. (Quelle: imago-images-bilder)
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Beim Angriff der russischen Armee auf die Ukraine lĂ€uft vieles schief. In Russland wĂ€chst der Unmut, der Kreml reagiert mit Ă€ußerster Gewalt – im Krieg und gegen die eigene Bevölkerung. Wie groß ist der Druck auf Putin?

Sie liegen am Boden, bekommen StromschlĂ€ge verpasst. Bevor sie abgefĂŒhrt werden, treten ihnen Polizisten gegen den Kopf und schlagen mit KnĂŒppeln zu. Diese Gewalt droht den Menschen derzeit bei Antikriegsprotesten in Russland – weil PrĂ€sident Wladimir Putin es so will. Wer schließlich verhaftet wird, der muss nach neuer Gesetzgebung außerdem bis zu 15 Jahre Haft fĂŒrchten.


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Ärzte versuchen den 18 Monate alte Kirill Yatkos zu retten, der von einer Granate verwundet wurde. Vergeblich – der Junge stirbt wenig spĂ€ter.
Ein Mitarbeiter im Krankenhauses Mariupol sitzt niedergeschlagen am Boden, nachdem der 18 Monate alte Kirill Yatskos aufhörte zu atmen.
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Trotzdem haben allein am Sonntag Tausende Menschen in 50 russischen StĂ€dten gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert. BĂŒrgerrechtler sprachen danach von 4.400 Verhaftungen, der Kreml von 1.600.

Der Ärger wĂ€chst: Immer mehr Menschen in Russland haben mittlerweile erkannt, dass ihr Land in einen Krieg gegen ihr "Brudervolk" gezogen ist. Sie merken, dass Russland international isoliert ist und spĂŒren die harten Sanktionen des Westens.

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Der Kreml reagiert und lĂ€sst die Meinungsfreiheit im Land massiv einschrĂ€nken. Putin verkauft das als Reaktion auf die Maßnahmen des Westens, aber es ist vor allem eines: ein EingestĂ€ndnis, dass Moskau die Kommunikation in dem Konflikt nicht unter Kontrolle hat.

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Im Gegenteil. Es wirkt, als sei Putin dabei, den Informationskrieg zu verlieren. Der Druck auf den PrĂ€sidenten wird grĂ¶ĂŸer; er reagiert darauf mit Repression. In den vergangenen Tagen erlebte Russland eine neue Stufe der Zensur.

Putin verliert Propagandakrieg

Die Opfer sind nicht nur westliche Medien oder soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter, sondern auch vergleichsweise freie russische Medien wie der Radiosender Echo Moskwy.

Manipulation der Medien war stets ein wichtiges Standbein fĂŒr Putins Macht. Er brachte die Staatssender unter seine Kontrolle und war gleichzeitig Ă€ußerst geschickt darin, sich selbst zu inszenieren und politische Gegner zu diskreditieren. So wurde er vor Wahlen gerne zum oberkörperfreien GroßwildjĂ€ger oder zum Schatztaucher, seine Kritiker hingegen zu drogenabhĂ€ngigen VaterlandsverrĂ€tern.

Wladimir Putin inszeniert sich in den staatlichen Medien oft selbst: Den Informationskrieg hat der Kreml jedoch gegen die Ukraine verloren.
Wladimir Putin inszeniert sich in den staatlichen Medien oft selbst: Den Informationskrieg hat der Kreml jedoch gegen die Ukraine verloren. (Quelle: imago-images-bilder)

Um sich in der eigenen Bevölkerung die Legitimation fĂŒr den Ukraine-Krieg zu sichern, setzte der Kreml auf zwei tief verwurzelte Feindbilder: ein angebliches Naziregime und die USA, die Russland ohnehin nur kleinhalten wĂŒrden. Das verfĂ€ngt, denn viele Menschen haben sowjetische KindergĂ€rten und Schulen besucht, in denen ihnen jeden Morgen vermittelt wurde, wie menschenverachtend der Westen und insbesondere die Amerikaner sind.

Russlands Kommunikation ergibt keinen Sinn

Deshalb steht in Russland auch weiterhin ein großer Teil der Bevölkerung hinter Putin und seinem Kriegskurs. Besonders in der Provinz scheinen viele dem Narrativ des Kremls von der Bedrohung durch die Nato und dem angeblichen Naziregime in der Ukraine zu glauben. Wie das exakte Stimmungsbild aktuell in ganz Russland ist, bleibt jedoch weitgehend unklar. Denn viele Menschen trauen sich schlichtweg nicht, ihre Meinung offen zu sagen – aus Angst vor Repressionen.

(Quelle: T-Online-bilder)

Auch wenn die internationale Gemeinschaft es sich anders wĂŒnschen wĂŒrde: Russland hat ĂŒber 144 Millionen Einwohner; Zehntausende Demonstranten sind angesichts der Kriegsverbrechen ihres PrĂ€sidenten deshalb nicht viele. Momentan sind es vor allem junge Menschen, die aufgeklĂ€rte Mittelschicht und Unternehmer, die in den russischen StĂ€dten auf die Straße gehen.

Putins Propaganda bekommt jedoch zusehends mehr Probleme:

  • Die russische GeneralitĂ€t hatte mit einem schnellen Kriegssieg gerechnet und den Überfall auf die Ukraine als "MilitĂ€roperation gegen ukrainische Nationalisten" verkauft. Russische Staatsmedien hatten die Siegesnachricht schon vorbereitet und fĂ€lschlicherweise vier Tage nach Kriegsausbruch veröffentlicht. Das war peinlich fĂŒr den Kreml.
  • Dass Politiker wie Außenminister Sergej Lawrow nun doch von einem "Kriegsgebiet" in der Ukraine sprechen mĂŒssen, liegt auch an den vielen russischen Todesopfern. Moskau spricht inzwischen von Hunderten toten russischen Soldaten, Kiew von bis zu 13.000. Es ist wahrscheinlich, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt.
  • Bilder des Krieges werden umfangreich in den sozialen Medien geteilt. Dabei sind nicht nur die AbschĂŒsse von russischen Panzern und Flugzeugen zu sehen, sondern auch die ukrainische Zivilbevölkerung. Sie wehrt sich und ruft den russischen Soldaten "Haut ab!" entgegen. Das passt nicht in das Bild eines "Befreiungskrieges".
  • Hinzu kommen Videos von Opfern in der Zivilbevölkerung, zerbombten StĂ€dten und GeflĂŒchteten, die die russische Bevölkerung nicht sehen soll. Und die weltweiten Proteste, auf denen Putin mit Adolf Hitler verglichen wird.
  • Die Ukraine macht gute Kriegspropaganda. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj wirkt wie ein Kriegsheld, der sich einem aussichtslosen Kampf stellt. Das kommt auch in Teilen der russischen Bevölkerung an. Auch, weil er die russische Bevölkerung direkt auf Russisch anspricht.
  • ZusĂ€tzlich beging der Kreml Kommunikationsfehler, wie beispielsweise Selenskyj als Nazi darzustellen. Schließlich ist er Jude, Außenminister Lawrow musste in einer Pressekonferenz am Freitag zumindest etwas zurĂŒckrudern. Selenskyj habe die Nationalisten im Land hofiert und gefördert, heißt es nun.
  • Bislang konnte Russland keine Belege fĂŒr einen angeblichen Genozid an der russischsprachigen Bevölkerung vorlegen. Der Vorwand fĂŒr den Angriff verliert auch im Inland an GlaubwĂŒrdigkeit.

"Wusste nicht, dass ich in einen Krieg fahre"

Zusammengefasst ist der Krieg fĂŒr den Kreml ein Propaganda-Albtraum – und mit jedem toten russischen Soldaten steigt das Misstrauen gegenĂŒber der öffentlichen Darstellung in Russland.

Besonders gefĂ€hrlich fĂŒr Putin sind dabei die Verhöre der russischen Soldaten in Kriegsgefangenschaft, die die Ukraine veröffentlicht hat. Sie Ă€ußern sich alle Ă€hnlich: "Ich wusste nicht, dass ich in einen Krieg fahre." Die ArmeefĂŒhrung haben ihnen nur gesagt, dass sie zu einem Manöver ausrĂŒcken wĂŒrden. Es ist unklar, ob diese Aussagen unter Zwang stattfanden, trotzdem richten sie großen Schaden an.

Irpin: Ukrainische Soldaten evakuieren Zivilisten, wÀhrend der Ort von russischer Artillerie beschossen wird.
Irpin: Ukrainische Soldaten evakuieren Zivilisten, wÀhrend der Ort von russischer Artillerie beschossen wird. (Quelle: dpa-bilder)

In der Bevölkerung weckt das schlechte Erinnerungen: Auch in der Sowjetunion wurden die Soldaten nicht vorher informiert, wenn sie in den Krieg zogen. Einige dachten, dass sie zum MilitĂ€rdienst mĂŒssten und befanden sich ab 1979 plötzlich in Afghanistan.

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Da ist es wenig ĂŒberraschend, dass sich auch Berichte ĂŒber ein Moralproblem unter den russischen Soldaten hĂ€ufen. Nachrichten oder Videos, die dem Narrativ aus dem Kreml widersprechen, könnten viele junge Soldaten weiter ins GrĂŒbeln bringen. Auch deshalb ist es keine Überraschung, dass die Arbeit der Medien weiter eingeschrĂ€nkt wird.

Russische Soldaten in der Ukraine: Auch auf russischer Seite fordert der Krieg Tausende Opfer.
Russische Soldaten in der Ukraine: Auch auf russischer Seite fordert der Krieg Tausende Opfer. (Quelle: imago-images-bilder)

Wie sich die Situation in den kommenden Tagen entwickeln wird, ist kaum absehbar. Es ist auf jeden Fall unwahrscheinlich, dass die Friedensbewegung aus der Zivilbevölkerung allein in der Lage wĂ€re, Putin zum RĂŒckzug oder gar zum RĂŒcktritt zu zwingen. Dazu brĂ€uchte es Widerstand aus dem innen Machtzirkel im Kreml. Und dort scheinen die jahrelangen Getreuen von Putin noch immer auf der politischen Linie des PrĂ€sidenten.

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Welche Möglichkeiten hat Putin?

Sorgen muss sich der PrĂ€sident eher um die mittelfristigen Folgen seines Krieges machen. Die Nato rĂŒstet nun militĂ€risch auf, AusfĂ€lle der Exporte von Erdöl und Gas hĂ€tten katastrophale Folgen fĂŒr die russischen Staatseinnahmen. Und Putin ist international isoliert und wird es nach seinen Kriegsverbrechen auf absehbare Zeit auch bleiben.

Selbst wenn die russische Armee die ganze Ukraine erobern sollte, gibt es kaum eine Strategie, mit der Russland aus der Misere kommen könnte. Es drohen Proteste und PartisanenkÀmpfe.

Drei Szenarien wĂ€ren fĂŒr die russische FĂŒhrung denkbar:

  1. Putin erobert die ganze Ukraine und installiert eine Marionettenregierung in Kiew: Russland wĂŒrde hart gegen russlandkritische Bevölkerungsteile vorgehen und wahrscheinlich mĂŒssten Menschen aus Russland in die Ukraine umgesiedelt werden, um fĂŒr Akzeptanz fĂŒr eine neue FĂŒhrung zu sorgen.
  2. Russland erobert Kiew, die LandbrĂŒcke von der Krim zum Donbass und die KĂŒstenregion zum Schwarzen Meer: In russischen Staatsmedien wird bereits eine Teilung der Ukraine diskutiert. Damit könnte Putin den Bevölkerungsteil, der die russische Herrschaft nicht anerkennt, in den Westen vertreiben.
  3. Putin lĂ€sst die ukrainischen StĂ€dte belagern und beschießen, um in Verhandlungen ZugestĂ€ndnisse zu erpressen: Bislang hat die russische Armee die grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte in der Ukraine noch nicht erobert. Kein Soldat möchte HĂ€userkĂ€mpfe fĂŒhren und das wĂŒrde auch ein Blutbad auf russischer Seite bedeuten.

Unter eines dieser drei Szenarien kann Putin kaum zurĂŒck. Er sitzt jetzt in einer Falle, die er sich selbst gebaut hat. Nach der Kriegspropaganda und den LĂŒgen ĂŒber das Naziregime kann er sich aus innenpolitischen GrĂŒnden mit der ukrainischen Regierung nicht einfach wieder versöhnen. Zu viele russische Soldaten sind schon gestorben. Putin braucht einen "Sieg", sonst ist das der Anfang vom Ende seiner Herrschaft.

Putin ist JudokĂ€mpfer, den Sport beschrieb er stets als "charakterbildend". "Man muss seinen Gegner respektieren, auch wenn er schwach wirkt. Der kleinste Fehler kann fatale Folgen haben", sagte er einst. HĂ€tte er nicht den ukrainischen Widerstand und die heftige Reaktion des Westens unterschĂ€tzt, wĂ€re vielen Menschen viel Leid erspart geblieben – vor allem in der Ukraine, aber auch in Russland.

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