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Ukraine bereitet sich auf einen langen Krieg vor

Von dpa
Aktualisiert am 19.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Ukrainische Soldaten im Donbass auf einer Patrouille (Archivbild): Die Regierung in Kiew rechnet mit einem lang andauerndem Krieg.
Ukrainische Soldaten im Donbass auf einer Patrouille (Archivbild): Die Regierung in Kiew rechnet mit einem lang andauerndem Krieg. (Quelle: Daniel Ceng Shou-Yi/imago-images-bilder)
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Wie lange wird Russlands Krieg gegen die Ukraine dauern? PrĂ€sident Selenskyj will das Kriegsrecht jedenfalls gleich um 90 Tage verlĂ€ngern. Im SĂŒden des Landes bleibt die Front weitgehend unverĂ€ndert.

Wegen der Zunahme des Hungers in der Welt fordern die Vereinten Nationen von Russland dringend die Freigabe blockierter GetreidevorrĂ€te aus der Ukraine. "Russland muss den sicheren Export von in ukrainischen HĂ€fen gelagertem Getreide zulassen", sagte UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres bei einem Außenministertreffen in New York. Der von Russland begonnene Krieg drohe, viele Millionen in ErnĂ€hrungsunsicherheit zu stĂŒrzen und eine Krise auszulösen, "die Jahre andauern könnte".

In der Ukraine gingen unterdessen die KĂ€mpfe zwischen russischen und ukrainischen Truppen auch in der Nacht zum Donnerstag weiter. In Kiew bereitete PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj die Bevölkerung auf einen weiter andauernden Krieg vor und plĂ€dierte fĂŒr die VerlĂ€ngerung des Kriegsrechts um 90 Tage bis in den August. "Unsere Armee und alle, die den Staat verteidigen, mĂŒssen ĂŒber alle rechtlichen Mittel verfĂŒgen, um in Ruhe zu agieren", sagte der Staatschef in einer Videoansprache am spĂ€ten Mittwochabend.

Unterdessen laufen am Donnerstag die Vorbereitungen auf den Nato-Beitritt von Finnland und Schweden weiter. Als Zeichen der UnterstĂŒtzung empfĂ€ngt US-PrĂ€sident Joe Biden Spitzenvertreter aus den beiden nordischen LĂ€ndern, die bislang neutral waren. Die US-Botschaft in Kiew nahm am Mittwoch nach fast drei Monaten Unterbrechung wieder die Arbeit auf, der US-Senat bestĂ€tigte eine neue Botschafterin.

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KĂ€mpfe mit zivilen Opfern im Donbass

Die Lage an den einzelnen Fronten in der Ukraine blieb weitgehend unverÀndert. Im Osten versuchen russische Truppen weiter, die Gebiete Donezk und Luhansk vollstÀndig zu erobern. Die HÀrte der Angriffe zeige sich auch am Tod von 15 Zivilisten in der Region am Mittwoch, teilte die ukrainische Armee mit. Demnach wurde auch mindestens ein Kind getötet.

Ihrerseits nahmen die ukrainischen StreitkrĂ€fte fĂŒr sich in Anspruch, im Norden der Großstadt Charkiw ein weiteres Dorf zurĂŒckerobert zu haben. In den vergangenen Wochen hatte die ukrainische Armee die russischen Truppen im Norden und Nordosten Charkiws eigenen Angaben zufolge immer weiter Richtung Grenze zurĂŒckgedrĂ€ngt. Wie die meisten MilitĂ€rberichte auf beiden Seiten waren auch diese Angaben nicht sofort zu ĂŒberprĂŒfen.

Russische Truppen beschossen laut Kiewer Angaben von eigenem Staatsgebiet aus auch die nordostukrainischen Gebiete Sumy und Tschernihiw. Russland wiederum machte die Ukraine fĂŒr Beschuss auf das Grenzdorf Tjotkino und andere Orte im Gebiet Kursk verantwortlich.

Moskau dehnt GebietsansprĂŒche auf Saporischschja aus

Als bislang ranghöchster Politiker aus Moskau besuchte Vize-Regierungschef Marat Chusnullin das teilweise eroberte Gebiet Saporischschja im SĂŒdosten der Ukraine. Die Perspektive der Region liege darin, "in unserer eintrĂ€chtigen russischen Familie zu arbeiten", sagte er in der Kleinstadt Melitopol. Die Gebietshauptstadt Saporischschja ist weiter in ukrainischer Hand.

FĂŒr besondere Empörung in Kiew sorgte Chusnullins Forderung, die Ukraine solle fĂŒr Strom aus dem von russischen Truppen besetzten Kernkraftwerk von Saporischschja bezahlen. Auch in Cherson sucht die Besatzungsmacht nach einem Weg, das Gebiet an Russland anzuschließen.

Welt wartet auf das Getreide aus der Ukraine

In New York warf Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) Russland vor, die Blockade von Getreideexporten aus der Ukraine als Kriegswaffe einzusetzen. "Durch die Blockade ukrainischer HĂ€fen, durch die Zerstörung von Silos, Straßen und Eisenbahnen und insbesondere der Felder von Bauern hat Russland einen Kornkrieg begonnen, der eine globale Nahrungsmittelkrise anfacht", sagte sie am Mittwoch bei dem Außenministertreffen.

Nach Angaben der Bundesregierung unterbindet Russland in der Ukraine die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide vor allem nach Nordafrika und Asien, ein Großteil davon im Hafen von Odessa.

UN-GeneralsekretĂ€r Guterres sagte, es sei notwendig, die Ukraine als großen Produzenten wieder auf den Weltmarkt zu lassen – genauso wie Russland und Belarus, die ebenfalls große Mengen Lebens- und DĂŒngemittel produzierten.

Senat bestĂ€tigt neue US-Botschafterin fĂŒr die Ukraine

Nach der AnkĂŒndigung der USA, ihre Botschaft in Kiew wiedereröffnen zu wollen, hat der Senat die Karrierediplomatin Bridget Brink fĂŒr den Posten der Botschafterin fĂŒr die Ukraine bestĂ€tigt. Die Kongresskammer stimmte der Personalie am Mittwoch (Ortszeit) in Washington zu. Zuvor hatte das Außenministerium mitgeteilt, dass die wegen des russischen Angriffskriegs geschlossene US-Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt ihren Betrieb wieder aufnimmt.

Brink war bislang die US-Gesandte in der Slowakei. Zuvor hatte sie unter anderem im Außenministerium in Washington als Expertin fĂŒr Osteuropa und den Kaukasus sowie als stellvertretende Botschafterin in Usbekistan und Georgien gearbeitet.

Nato-Erweiterung: USA optimistisch

Die US-Regierung hat sich optimistisch gezeigt, dass der Widerstand der TĂŒrkei gegen einen Nato-Beitritt von Finnland und Schweden ĂŒberwunden werden kann. Der Nationale Sicherheitsberater von US-PrĂ€sident Joe Biden, Jake Sullivan, sagte am Mittwoch, er sei "zuversichtlich", dass auf die "Sorgen der TĂŒrkei" eingegangen werden könne und dass die beiden nordischen LĂ€nder letztlich dem westlichen VerteidigungsbĂŒndnis beitreten könnten. "Wir haben ein sehr gutes GefĂŒhl, wo das hinfĂŒhren wird". Lesen Sie hier mehr dazu.

Melnyk: Nato-Beitritt der Ukraine wĂŒrde Risiko von Atomkrieg senken

Angesichts des geplanten Nato-Beitritts Schwedens und Finnlands hĂ€lt der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, auch einen Nato-Beitritt seines Landes fĂŒr umsetzbar. "Klar ist: Wir wollen schnell in die Nato. Das kann genauso rasch gehen wie im Fall von Schweden oder Finnland. Es brĂ€uchte nur eine rein politische Entscheidung, um die Ukraine zĂŒgig ins BĂŒndnis zu integrieren", sagte Melnyk den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag).

"Wenn die Ukraine im BĂŒndnis wĂ€re, sinkt das Risiko eines Atomkrieges. Dann wĂŒrde Putin wissen: WĂŒrde die Ukraine mit Nuklearwaffen angegriffen, mĂŒsste er mit einem atomaren Gegenschlag rechnen. Das wĂŒrde ihn davon abhalten." Melnyk hĂ€lt zudem eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine innerhalb der nĂ€chsten zehn Jahre fĂŒr möglich.

Das bringt der Tag

Über die Erweiterung der Nato spricht US-PrĂ€sident Biden im Weißen Haus mit der schwedischen MinisterprĂ€sidentin Magdalena Andersson und dem finnischen PrĂ€sidenten Sauli Niniistö. Finnland und Schweden kooperieren seit lĂ€ngerem mit dem westlichen VerteidigungsbĂŒndnis und haben sich unter dem Eindruck der russischen Aggression gegen die Ukraine zum Beitritt entschlossen. Vor einer Aufnahme mĂŒssen allerdings Bedenken der TĂŒrkei ausgerĂ€umt werden, der die Kurdenpolitik der nordischen LĂ€nder nicht passt.

In BrĂŒssel treffen sich am Donnerstag die obersten Nato-MilitĂ€rs, die fĂŒr Verteidigung zustĂ€ndig sind. Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg trifft DĂ€nemarks Regierungschefin Mette Frederiksen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) besucht die Niederlande. Die engen VerbĂŒndeten Berlin und Den Haag kooperieren auch bei der Lieferung von Waffen an die Ukraine.

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