Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > USA >

Nord Stream 2: USA kommen Deutschland entgegen – Verzicht auf Sanktionen

Verzicht auf Sanktionen gegen Betreiber  

USA kommen Deutschland bei Nord Stream 2 entgegen

21.05.2021, 09:10 Uhr | AFP, dpa, aj

Nord Stream 2: USA kommen Deutschland entgegen – Verzicht auf Sanktionen. Arbeit an Nord Stream 2: Die Ostsee-Pipeline ist fast fertig. (Quelle: AP/dpa/Archivbild/Jens Buettner)

Arbeit an Nord Stream 2: Die Ostsee-Pipeline ist fast fertig. (Quelle: Archivbild/Jens Buettner/AP/dpa)

Die US-Regierung setzt Teile der Sanktionen gegen die Ostsee-Pipeline aus. Berlin und Moskau werten das als ein Entgegenkommen im Streit um Nord Stream 2. Präsident Joe Biden jedoch verliert an Glaubwürdigkeit. 

Im Streit um die deutsch-russische Pipeline Nord Stream 2 verzichtet die Regierung von US-Präsident Joe Biden auf Sanktionen gegen die Betreibergesellschaft. In einem am Mittwoch übermittelten Bericht von US-Außenminister Antony Blinken an den Kongress heißt es, der Verzicht auf Strafmaßnahmen gegen die Nord Stream 2 AG im schweizerischen Zug, deren deutschen Geschäftsführer Matthias Warnig und vier weitere Mitarbeiter sei im "nationalen Interesse" der USA. Als Begründung wurde angeführt, dass solche Sanktionen "die US-Beziehungen mit Deutschland, der EU und anderen europäischen Verbündeten und Partnern" negativ beeinflusst hätten.

In dem Bericht heißt es weiter, auf Grundlage der US-Sanktionsgesetze gegen die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und das russisch-türkische Projekt Turkstream würden Strafmaßnahmen gegen vier russische Schiffe erlassen, die Rohre verlegten. Auch gegen vier russische Institutionen verhängten die USA Sanktionen. Die Nord Stream 2 AG und Warnig hätten zwar ebenfalls gegen die Sanktionsgesetze verstoßen, hieß es. Blinken habe aber entschieden, auf Strafen zu verzichten. Damit werde Raum geschaffen für Gespräche auf diplomatischer Ebene mit Deutschland, um die Risiken der Pipeline für die Ukraine und die europäische Energiesicherheit anzusprechen.

Blinken bekräftigte am Mittwoch einer Mitteilung seines Ministeriums zufolge, die USA seien weiter gegen die beinahe fertiggestellte Pipeline. "Unser Widerstand gegen die Nord-Stream-2-Pipeline ist unbeirrt." Er fügte hinzu: "Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, bleiben unsere Bündnisse stark." Die transatlantischen Beziehungen blieben eine Angelegenheit der Nationalen Sicherheit.

Maas begrüßt die Entscheidung

Bereits am Dienstag hatte die US-Nachrichtenseite "Axios" über den Verzicht auf Sanktionen gegen die Nord Stream 2 AG und gegen Warnig berichtet. Bundesaußenminister Heiko Maas sagte am Mittwoch in Berlin: "Das empfinden wir als einen konstruktiven Schritt, den wir gerne mit unseren Partnern in Washington weiter besprechen werden." Die russische Regierung interpretierte den Verzicht als einen Schritt hin zu einer Normalisierung der angespannten Beziehungen mit Washington. Kritik jedoch kam von den Republikanern im Kongress.

Maas sagte, Nord Stream 2 sei das einzige Thema, bei dem Deutschland und die USA "fundamental unterschiedliche Auffassungen" hätten. Man müsse nun sehen, "dass dieses Projekt unsere wirklich hervorragende Zusammenarbeit nicht weiter in irgendeiner Weise belastet". Die kommenden drei Monate bis zum nächsten Bericht des US-Außenministeriums an den Kongress zu Nord Stream 2 müssten genutzt werden, um die problematischen Teile des Projekts noch einmal zu besprechen. Die Berichte sind alle 90 Tage fällig.

Scharfe Kritik an Entschluss von Biden-Regierung

Die Republikaner im US-Kongress hatten schon nach Bekanntwerden der Axios- Recherchen empört reagiert und Biden vorgeworfen, Kremlchef Wladimir Putin in die Hände zu spielen. Der Top-Republikaner im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, Michael McCaul, teilte mit, sollte der Axios-Bericht zutreffen, wäre das ein Indiz dafür, dass die Biden-Regierung die Pipeline nie wirklich habe verhindern wollen.

"Diese Pipeline ist kein einfaches kommerzielles Projekt, das unsere Beziehungen mit (der Regierung in) Berlin beeinträchtigen könnte. Es ist ein russisches Projekt der böswilligen Einflussnahme, das die Energieabhängigkeit Europas von Moskau zu vertiefen droht", kritisierte McCaul. "Wenn das Putin-Regime diese Pipeline fertigstellen darf, dann nur, weil die Biden-Regierung sich dazu entschlossen hat, das zuzulassen."

Der republikanische Senator Ted Cruz – eine der treibenden Kräfte hinter den US-Sanktionen – kritisierte: "Biden hat Putins Position auf Kosten des Rests der Freien Welt erheblich gestärkt." Sein Parteikollege im Senat, Ben Sasse, warf Biden vor, Putin "ein massives strategisches Druckmittel in Europa zu geben".

US-Präsident nannte Pipeline einen "schlechten Deal für Europa"

Nord Stream 2 soll nach Fertigstellung 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr von Russland nach Deutschland befördern. Die USA befürchten eine zu starke Abhängigkeit Europas von russischem Gas durch das Projekt. Auch osteuropäische Staaten wie Polen und die baltischen Länder lehnen die Pipeline ab. Befürworter halten den Amerikanern entgegen, sie seien nur auf bessere Absatzchancen für ihr Flüssiggas in Europa aus.

Biden hatte Nord Stream 2 wiederholt als "schlechten Deal für Europa" bezeichnet. Ende 2019 waren die Bauarbeiten an der schon sehr weit gediehenen Pipeline gestoppt worden, nachdem die USA ein erstes Sanktionsgesetz gegen die Spezialschiffe in Kraft gesetzt hatten, die die Rohre verlegten. In einem zweiten Gesetz wurden die Sanktionsmöglichkeiten deutlich breiter gefasst. Beide Gesetze wurden im Kongress sowohl von Republikanern als auch von Demokraten unterstützt.

Bei der Nord Stream 2 AG mit Sitz im schweizerischen Zug ist der russische Konzern Gazprom formal einziger Anteilseigner. Dazu kommen aber als "Unterstützer" die deutschen Konzerne Wintershall Dea – ein Gemeinschaftsunternehmen von BASF und LetterOne – und Uniper sowie die niederländisch-britische Shell, Engie aus Frankreich und OMV aus Österreich. Nord-Stream-Aufsichtsratschef ist Altkanzler Gerhard Schröder. Bei Nord Stream 2 ist er Präsident des Verwaltungsrats.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und afp

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal