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Reaktionen zum Schulz-Rückzug: "Sagt Bescheid, wenn der Männerzirkus um ist"


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"Sagt Bescheid, wenn der Männerzirkus um ist"

Von t-online
Aktualisiert am 09.02.2018Lesedauer: 3 Min.
Johanna Uekermann und Martin Schulz
Der Wunsch nach Selfies sinkt: Die ehemalige Juso-Chefin Johanna Uekermann und Martin Schulz (Quelle: Kay Nietfeld/dpa-bilder)
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Doppelter Rückzug. Martin Schulz tritt ab vom Amt des SPD-Vorsitzenden und strebt nicht das Amt des Außenministers an. Ein Blick auf die Reaktionen von Netz und Politik.

Martin Schulz geht. Und das gleich doppelt. Er gibt das Amt des SPD-Chefs ab und wird nicht Außenminister. Die ehemalige Juso-Chefin Johanna Uekermann: "Sagt bescheid, wenn dieser Männerzirkus vorbei ist. Ich hab's satt", twitterte Uekermann. Das hatte eine leichte Gender-Note. War aber ehrlich.

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Andere in der SPD hatten ein paar mehr Probleme. Ein Jahr lang haben sie Martin Schulz gestützt. Ihn gegen manchen Fehler verteidigt. Zum Schluss dribbelte sich Schulz selbst ins aus. Aber mancher Satz aus der Partei, die für sich in Anspruch nimmt für Fairness und soziale Gerechtigkeit zu stehen, war hart. Sie habe "tiefsten menschlichen Respekt", ließ die designierte SPD-Chefin Andrea Nahles verlauten. Das war anständig, aber auch nicht mehr als ein Minimum. Ungefähr so wie die Bundespräsidenten Johannes Rau oder Frank Walter Steinmeier, die sich nach Naturkatastrophen stets beeilten, zu erklären, sie seien "tief betroffen".

Ralf Stegner, SPD-Vize, war ein Jahr lang keinem Streit ausgewichen, um Schulz zu verteilen. Im Fernsehen, im Radio und auf Twitter. Am Freitag erklärte er knapp. "Der Schritt war unausweichlich."

Nach der Landtagswahl im Saarland - SPD
Richtig glücklich, sieht anders aus: Anke Rehlinger und Martin Schulz nach der verlorenen Landtagswahl im Saarland. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa-bilder)

Anke Rehlinger, SPD-Chefin im Saarland, hatte im vergangenen Jahr im Landtagswahlkampf stets stolz darauf verwiesen, dass Schulz' Familie aus dem Saarland stamme. Klappte dann doch nicht so mit dem Mega. Rehlinger wurde Ministerin in einer großen Koalition, statt Ministerpräsidentin. Am Freitag begrüßte sie den Rückzug und erklärte: "Der heute erklärte Rückzug von Martin Schulz ist angesichts der negativen Reaktionen vor Ort folgerichtig." Mitgefühl sieht anders aus.

Mitgefühl kann man in der Politik vielleicht auch nicht erwarten. Insofern klang der nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Michael Groschek schon ehrlich. "Damit leistet er einen notwendigen Beitrag dazu, die Glaubwürdigkeit der SPD zu stärken." Ein feiner Hinweis auf Schulz' taktische Fehler. Zurück bleibt aber auch eine beschädigte SPD. Gerhard Schröder, Franz Müntefering (gleich zwei Mal), Kurt Beck, Sigmar Gabriel, Martin Schulz Schließlich ist die Liste der geschassten Parteichefs lang. Nicht zu vergessen Matthias Platzeck, der entnervt nach einem Hörsturz aufgeben musste.

Einer der wenigen, die Schulz beim Griff nach dem Außenamt offen widersprachen, war Sachsens SPD-Chef und Wirtschaftsminister Martin Dulig. Er erklärte: "Meine Haltung ist bekannt. Ich danke Martin Schulz für diesen Schritt. Er ist seiner Verantwortung gerecht geworden. Ich hoffe, dass wir nun endlich über die guten Inhalte für unser Land reden."

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Andere, die in der Partei ohnehin wenig zu melden haben, wie Berlins schlingernder Regierender Bürgermeister Michael Müller, schwiegen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dachte schon an Schulz'-Vermächtnis und erklärte: "Wir werden an seinem Europa arbeiten."

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Nur eben ohne Schulz. Die politischen Gegner hielten sich zurück. Schulz ist schon gefallen. Also keine Gefahr. Der einflussreiche CSU-Europaabgeordnete Manfred Weber, den manche in der Debatte um Horst Seehofer von Brüssel nach München oder Berlin lotsen wollten, teilte mit: "Ich habe Martin Schulz schätzen gelernt, weil er in allen Funktionen aus Überzeugung einen Beitrag für ein starkes Europa geleistet hat." Das war der nette Teil. Dann schob Weber hinterher: Der Rückzug "macht letztendlich klar, dass zunächst das Land und die Menschen kommen und dann erst die eigene Karriere." Die CSU weiß nach den quälenden Wochen der Seehofer-Debatte wovon sie spricht.

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Unionsfraktionschef Volker Kauder sieht nach Schulz' Schritt wachsende Chancen für ein Ja der SPD-Basis zu einer Koalition. "Ich hoffe, dass die Sozialdemokraten jetzt zur Ruhe kommen, damit letztlich eine stabile Regierung gebildet werden kann", sagte der CDU-Politiker.

Der FDP-Abgeordnete Wolfgang Kubicki erklärte: "Wir erleben gerade unglaubliche Chaostage in der SPD und der kommenden GroKo insgesamt. Trotzdem verbietet sich jede Häme gegenüber dem amtierenden SPD-Vorsitzenden Martin Schulz. Politisch gescheitert ist sein persönliches Schicksal tragisch."

Im Netz gab es weniger Mitgefühl. So twitterte Rough Justice:

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Ein anderer Twitter-User erklärte unter Verweis auf Sigmar Gabriels Tochter, die sich angeblich am Bart des scheidenden SPD-Chefs Schulz störte:

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Ein anderer Twitter-Nutzer witterte leicht ironisch eine mediale Verschwörung.

SPD. Es kommt darauf an. Was man daraus macht. Fortsetzung folgt. Garantiert.

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