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"Ich bin restlos mit ihm fertig"

Von Miriam Hollstein

27.02.2022Lesedauer: 4 Min.
Gregor Gysi: Der Linkenpolitiker distanziert sich von Putin.
Gregor Gysi: Der Linkenpolitiker distanziert sich von Putin. (Quelle: imago-images-bilder)
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Gregor Gysi war jahrelang einer der größten Putin-Versteher Deutschlands. Bei einer Buchvorstellung hat sich der ehemalige Linksfraktionschef jetzt öffentlich vom russischen Präsidenten distanziert.

Gregor Gysi schwänzt. Während im Bundestag am Sonntag die Aussprache zur Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine läuft, hat er das Parlament bereits wieder verlassen. Dabei wäre er als außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion sonst beim Thema sicherlich als Redner gesetzt gewesen.

Aber Gysi hat eine Entschuldigung: Im fünf Kilometer entfernten "Kino International" im Berliner Ostteil warten fast 300 Menschen darauf, dass er über sein neuestes Buch "Was Politiker nicht sagen" spricht. Die Buchvorstellung war schon lange geplant, die Sondersitzung im Bundestag angesichts der aktuellen Lage erst am Donnerstag angesetzt worden.

Aber auch im ausgebuchten Kino ist das Thema omnipräsent. Ob dies eine "Zeitenwende" sei, will der TV-Moderator Ulli Zelle von Gysi als Erstes wissen. "Es ist eine Zäsur in der Geschichte Europas, Deutschlands und auch in meiner Partei", antwortet Gysi. Die russische Invasion sei "völkerrechtswidrig"; die Ukraine habe Russland weder überfallen noch bedroht.

Gysis Worte sind eine 180-Grad-Wende

Das ist eine 180-Grad-Wende für einen Politiker, der immer wieder Verständnis für das russische Regime, selbst in den vergangenen Tagen, geäußert und die Nato für die Zuspitzung des Konflikts verantwortlich gemacht hatte. Ganz lassen kann Gysi das Relativieren freilich nicht. Es sei ein Fehler gewesen, dass der Westen seit 1990 zu wenig auf Diplomatie und Interessenausgleich mit Russland gesetzt habe.

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Auch seien die Militäreinsätze der Nato im Kosovo und der USA im Irak völkerrechtswidrig gewesen. Zwei Lieblingsargumente aus dem linken Lager, um Putins aggressives Vorgehen der vergangenen Wochen zu verharmlosen. Dann bekommt Gysi aber doch noch einmal die Kurve. "Aber es relativiert nicht die verbrecherische Aggression von Putin gegenüber der Ukraine", sagt Gysi und wird persönlich. "Ich bin zutiefst entsetzt und mit Putin restlos fertig."

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Gysis Worte werfen viele Fragen auf: Was bedeutet das für das Bild der Ostdeutschen von Russland? Und was heißt es für Gysis Partei, die jahrelang die Propaganda des russischen Regimes völlig unkritisch verbreitet hat? Wird sie ihre Forderung nach einem Austritt aus der Nato zurücknehmen?

Das Geheimnis der guten Rede

Aber Fragen sind an diesem Sonntagmittag nicht vorgesehen. Und nun will Gysi auch mal langsam für sein Buch werben. Auf 271 Seiten geht es darum, warum Politiker reden, wie sie reden und warum es dabei "um Mehrheiten und nicht um Wahrheiten" geht – so die These.

Gysi hat dabei viel zu erzählen. Seit 1990 sitzt er mit Unterbrechung im Bundestag, war zwischendurch auch mal Vize-Bürgermeister von Berlin. Dass die Linke bei der Bundestagswahl 2021 nicht aus dem Parlament flog, verdankt sie auch ihm: Gysi holte mit 35,4 Prozent eines von drei Direktmandaten.

Außerdem gehört der 74-Jährige unbestritten zu den besten Rednern im Parlament, egal, wie man zu seiner Politik steht. Legendär sind die verbalen Schlagabtausche, die er sich mit dem früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU), ebenfalls ein brillanter Rhetoriker, geliefert hat.

Eines der Geheimnisse sei, keine Rede zu halten, sondern ein Gespräch zu führen, sagt Gysi im "Kino International". Er stellt Fragen und verwendet Alltagssprache. "Kannste vergessen", sagte er etwa und: "Ich kann ja jetzt 'ne große Fresse haben". Das Publikum freut sich: Endlich mal einer, der nicht so geschwollen daherredet. Natürlich seien das keine echten Gespräche, denn er beantworte ja seine Fragen selbst, räumt Gysi ein. Und wer ihn kennt, weiß, dass er auch dann zu Selbstgesprächen neigt, wenn er in einem echten Dialog ist.

Gysi ist gegen den Genderstern

Ein zweites Stilmittel ist für Gysi, komplizierte politische Vorgänge in plastische Bilder zu verpacken. Als 2016 der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Fernstraßen privatisieren wollte, sagte Gysi im Bundestag, dass dann auch die Länder und Kommunen ihre Straßen privatisieren wollen würden. Dann werde er alles dafür tun, um Schäubles Wohnstraße zu erwerben, sie in "Gregor-Gysi-Straße" umzubenennen und den Minister für jede Heimfahrt eine fette Maut zahlen lassen. Da habe selbst Schäuble lachen müssen, erinnert sich Gysi.

Für Gleichstellung in der Sprache könne er sich erwärmen, seit eine Frau ihn mal als "Rechtsanwältin Gysi" bezeichnet hat, berichtet Gysi. Fürs Gendersternchen hingegen nicht. Zu unaussprechlich, da nennt er lieber beide Formen, die männliche und die weibliche.

Nebenbei erfahren die Zuhörer und Zuhörerinnen an diesem Mittag auch einiges über die Abläufe im Bundestag: Dass die Redezeit sich nach der Fraktionsgröße bemisst (anders etwa als im Berliner Parlament, wo alle gleiche Redezeit haben), was im Bundestag dazu führt, dass die größte politische Kraft nach dem Motto "Alles ist gesagt, aber noch nicht von allen" dann meist mehrere Redner und Rednerinnen die ewig gleichen Argumente vortragen lässt. Oder dass es in den Ausschüssen auch verbal ganz anders zugeht als im Plenum – weil dort keine Kameras dabei sind, sind die Anwesenden oft zugänglicher und kompromissfreudiger.

Wer Wahrheit will, muss sie auch ertragen können

Gegen Ende geht es noch einmal um die Spannung zwischen Mehrheit und Wahrheit. Gysi weiß, dass es heikles Terrain ist, wenn er hier zu sehr die Populismuswelle vom unehrlichen Politiker surft und erinnert deshalb an die erste Bundestagswahl nach der Wiedervereinigung.

Damals habe Oskar Lafontaine (der später sein Ko-Vorsitzender bei der Linken wurde) vor den hohen Kosten gewarnt; der damalige Kanzler und Unionskandidat Helmut Kohl versprach hingegen "blühende Landschaften". "Sie wissen, wer recht hatte, und Sie wissen, wer die Wahl gewonnen hat", sagt Gysi.

Und spricht damit eine andere Wahrheit aus: Wer ehrliche Politiker will, muss auch bereit sein, die Ehrlichkeit zu ertragen.

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Von Annika Leister
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