• Home
  • Politik
  • Deutschland
  • Parteien
  • Asylstreit mit Angela Merkel: Was wird von Horst Seehofer bleiben?


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Was wird von Horst Seehofer bleiben?

Eine Kolumne von Gerhard Sp├Ârl

Aktualisiert am 07.07.2018Lesedauer: 6 Min.
Innenminister Horst Seehofer: Der Streit um die Asylpolitik ist nicht der erste Zwist der Schwesterparteien CDU und CSU.
Innenminister Horst Seehofer: Der Streit um die Asylpolitik ist nicht der erste Zwist der Schwesterparteien CDU und CSU. (Quelle: Michaela Rehle -/Reuters-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r ein VideoG7 in Elmau: Warum schon wieder Bayern?Symbolbild f├╝r einen TextDeutschland schwimmt zu WM-GoldSymbolbild f├╝r einen TextRussland droht ZahlungsausfallSymbolbild f├╝r einen TextGer├╝chte um Neymar werden konkreterSymbolbild f├╝r einen TextCorona erh├Âht Risiko f├╝r HirninfarktSymbolbild f├╝r einen TextHertha w├Ąhlt Ex-Ultra zum Pr├ĄsidentenSymbolbild f├╝r einen TextModeratorin zeigt ihren neuen FreundSymbolbild f├╝r einen TextMindestens 20 Tote in Bar in S├╝dafrikaSymbolbild f├╝r ein VideoHier drohen nach der Hitze heftige UnwetterSymbolbild f├╝r ein VideoFlugzeug geht in der Luft der Sprit aus Symbolbild f├╝r einen TextPolizei r├Ąumt Berliner Park nach ├ťberf├ĄllenSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserRTL-Moderatorin bei Flirt im TV erwischtSymbolbild f├╝r einen TextPer Zug durch Deutschland - jetzt spielen

Die Geschichte zeigt: Bei Machtk├Ąmpfen steht der Angreifer am Ende oft schlechter da. Ein ehemaliger CSU-Patriarch sollte Horst Seehofer im Zwist mit Angela Merkel als mahnendes Beispiel dienen.

Es war einmal ein CSU-Vorsitzender, der eine Vorliebe f├╝r lange Monologe hatte, bei denen er schwitzte und gerne auch Alkohol in gr├Â├čerer Menge zu sich nahm. Nat├╝rlich brauchte er immer ein Publikum. Am 24. November 1976 hielt er wieder mal eine wilde Rede, die irgendjemand heimlich mitschnitt und dem "Spiegel" schickte, der sie in ganzer Sch├Ânheit ver├Âffentlichte. Der CSU-Vorsitzende hie├č Franz Josef Strau├č, das Publikum war der Landesausschuss der Jungen Union Bayerns in einem Sitzungssaal des Wienerwald-Konzerns in M├╝nchen und deshalb ist der w├╝ste Monolog als "Wienerwald-Rede" in die Geschichte eingegangen.

Strau├č war gebildet und wortm├Ąchtig und vor allem verlor er zuverl├Ąssig die Selbstbeherrschung. Dann zog er ├╝ber jeden und alles her. Helmut Kohl hatte gerade eine Bundestagswahl denkbar knapp verloren, mit 48,6 Prozent. Mit 48,6 Prozent! Helmut Schmidt blieb Bundeskanzler und regierte weiterhin mit der FDP. Die CDU/CSU war seit sieben Jahren in der Opposition und blieb es noch sechs Jahre. Wer war schuld?

Die CDU, denn sie ist, sagt Strau├č, eine Ansammlung von Pygm├Ąen, "die nur um ihre Wahlkreise bangen, diese Zwerge im Westentaschenformat, diese Reclamausgabe von Politikern".

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Scholz will offenbar steuerfreie Einmalzahlung
Olaf Scholz spricht zur Presse in Br├╝ssel (Archivbild): Einem Bericht zufolge plant er Einmalzahlungen f├╝r die B├╝rger als Entlastung.



Schuld tr├Ągt nat├╝rlich auch Helmut Kohl. ├ťber ihn sagt er: "Er ist total unf├Ąhig, ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen. Und glauben Sie mir eines, der Helmut Kohl wird nie Kanzler werden, der wird mit 90 Jahren die Memoiren schreiben: 'Ich war 40 Jahre Kanzlerkandidat, Lehren und Erfahrungen aus einer bitteren Epoche.'"

Ein Riese unter Zwergen

Franz Josef Strau├č ist der ├ťbervater der CSU, das Vorbild f├╝r Heutige wie Horst Seehofer. Er war ma├člos und f├╝hlte sich umzingelt von Kleingeistigen. In ihm w├╝hlte es, er schleuderte die Worte heraus wie Handgranaten, er war wie Herakles, der st├Ąndig St├Ąlle ausmisten musste, und in ihm wuchs das sichere Gef├╝hl, dass er in der falschen Zeit leben musste: ein Riese unter Zwergen.

Eintr├Ąchtig wie selten: Franz Josef Strau├č (l.) und Helmut Kohl bei einem Wahlkampfauftritt im August 1980 in Mannheim.
Eintr├Ąchtig wie selten: Franz Josef Strau├č (l.) und Helmut Kohl bei einem Wahlkampfauftritt im August 1980 in Mannheim. (Quelle: /dpa-bilder)

An Strau├č l├Ąsst sich menschliches Verhalten im Rohzustand studieren. Ma├člos. R├╝cksichtslos. Auf Vernichtung aus. Dummerhaft, das vor allem, denn seine Wienerwald-Rede kreist auch darum, dass jeder Depp einen Journalisten kennt, dem er sofort br├╝hwarm erz├Ąhlt, wer was wann und warum gesagt hat. Zerst├Ârung und Selbstzerst├Ârung wie in den antiken Trag├Âdien, aus denen er oberlehrerhaft zitierte, m├Âglichst in Altgriechisch, ein Bildungshuber aus kleinen Verh├Ąltnissen, die er unbedingt vergessen wollte.

Strau├čm├Ą├čig war Horst Seehofer nur einmal

Heute geht es vergleichsweise harmlos zu. Sigmar Gabriel zitiert seine Tochter, um Martin Schulz blo├čzustellen. Seine Tochter! Markus S├Âder macht sich gr├Â├čer, als er ist, weil er und Seinesgleichen immer den Alten vor sich sehen und sich fragen: Was w├╝rde Franz Josef sagen und was w├╝rde er machen? Strau├čm├Ą├čig war Horst Seehofer nur einmal, auf dem CSU-Parteitag im Jahr 2016, als er, Angela Merkel neben sich wie ein M├Ądchen, ihre Fl├╝chtlingspolitik zerpfl├╝ckte. Da schaute der Alte wohlgef├Ąllig vom Olymp herab.


Manchmal frage ich mich, wo Angela Merkel die Dem├╝tigungen l├Ąsst, die ihr in Serie zuteil werden, und wie sie f├╝r Triebabfuhr sorgt. Geht sie nach den nervenzerfetzenden Sitzungen in kleiner oder gro├čer Runde nach Hause, kann sie dann schlafen oder muss sie noch reden und welche S├Ątze gehen ihr nicht mehr aus dem Kopf? Bleibt Joachim Sauer auf, bis seine Frau endlich heim kommt, wund gerieben und ersch├Âpft, und macht er ihr einen Tee oder trinken sie noch ein Glas Rotwein zusammen? Sagt sie dann: W├Ąre ich doch blo├č nicht noch einmal angetreten? Sagt er dann: Es kommen auch wieder bessere Zeiten, du machst das schon richtig?

Vorsicht geht in Misstrauen ├╝ber

Die Fotografin Herlinde Koelbl hat vor Jahren einige Politiker immer wieder fotografiert. Darunter war Angela Merkel. Anfangs ist sie jung, wirkt wach und leicht am├╝siert. Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit, nebeneinander in Reinkultur. Die Herkunft aus dem Osten Deutschlands ist ihr anzusehen, die Frisur, die Kleidung. Das verliert sich sp├Ątestens mit der Kanzlerschaft. Sie ver├Ąndert sich, sie sucht nach ihrem Stil und nach Schutz vor Verletzungen.

Portr├Ąts der jungen Merkel: Ausstellung der Fotografin Herlinde Koelbl bei einer Kunstmesse in Karlsruhe.
Portr├Ąts der jungen Merkel: Ausstellung der Fotografin Herlinde Koelbl bei einer Kunstmesse in Karlsruhe. (Quelle: Uwe Anspach/dpa-bilder)

Die Offenheit geht in Vorsicht ├╝ber, die Vorsicht in Misstrauen. Das Gesicht wird undurchdringlich. Sie arbeitet daran, dass ihr die Z├╝ge nicht mehr so leicht entgleisen, dass ihr Gesicht ein offenes Buch ist. Die Stimme wird klarer und fester. Den K├Ârper baut sie zum Panzer um. Die Disziplin, ewig lange Sitzungen in Berlin und Br├╝ssel ohne Kekse und Schnittchen durchzustehen, nimmt in Krisen ab, und Krise ist immer. Essen ist Trost, ist Belohnung und Bes├Ąnftigung.

Merkel, Seehofer ÔÇô Warum tun sie sich das an?

Politik ist ein brutales Gesch├Ąft in der Demokratie. Sie frisst ihre Amtstr├Ąger auf. Sie ist wie die Dementoren in den Harry-Potter-Romanen: Sie saugt ihnen das Leben aus dem Leib. Er w├╝rde es seinem Hund nicht w├╝nschen, Bundeskanzler zu sein, sagte einmal Klaus Harpprecht, der Willy Brandt beriet und seine Reden schrieb. Warum tun sie sich das an, was sie sich antun, der Horst und die Angela heute, Willy Brandt und Herbert Wehner oder Helmut Kohl und Franz Josef Strau├č eine Generation davor?

Weil sie ein besonderes Talent haben, weil sie eine beispiellose Karriere vor sich sehen, weil sie glauben, dass sie besser sind als ihre Altersgenossen. Weil sie ├╝berzeugt sind, dass ihnen niemand etwas anhaben wird. Weil sie sich f├╝r unverletzbar halten. Weil sie Geschichte schreiben wollen. Weil sie sein k├Ânnen, was jeweils nur einer sein kann: Bundeskanzler.

So weit ich das sehe, geht es heute weniger roh und brutal zu. Die kulturelle Regel sind die eher wohltemperierten Gem├╝ter: Frank-Walter Steinmeier, Olaf Scholz, Ursula von der Leyen, Christian Lindner, Winfried Kretschmann, Bodo Ramelow. Aus der Reihe fallen nicht zuf├Ąllig die CSU-Nachfolger von Franz Josef Strau├č. Und nicht zuf├Ąllig zucken auch sie im entscheidenden Augenblick zur├╝ck.

Machtk├Ąmpfe ÔÇô reine Nervensache

Nach der Wahl 1976 k├╝ndigte die CSU die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU und wollte k├╝nftig bundesweit kandidieren. Daraufhin drohte die CDU damit, sie werde einen eigenen Landesverband in Bayern gr├╝nden. Der gro├če FJS gab klein bei, wie S├Âder/Seehofer/Dobrindt heute klein beigeben, wenn es um das Ganze geht.

Loading...
Loading...
Loading...

Machtk├Ąmpfe sind in einer ersten Phase Menschenvernichtungsversuche und in der zweiten Phase reine Nervensache. In der alten SPD gab es zerr├╝ttende Auseinandersetzungen zwischen Herbert Wehner und Willy Brandt. Wehner war ein Leidensmann, in dem es ├Ąhnlich w├╝hlte wie in Strau├č. Er war in jungen Jahren Kommunist gewesen, was ihm Freunde wie Feinde vorhielten, wenn er zu weit ging. Willy Brandt war in der finsteren Zeit emigriert und jetzt die Lichtgestalt der SPD: klug, charmant, ein Menschenf├Ąnger, aber auch ein Melancholiker, der noch als Kanzler seine Auszeit brauchte.

Es war in Moskau, 1973. Wehner versammelte Journalisten um sich und sagte: "Der Herr Bundeskanzler badet gerne lau." Es war ein Satz, in dem echte Besorgnis sich mit tiefem Neid und einem H├Âchstma├č an Verst├Ąndnislosigkeit f├╝r einen Menschen vereinigte, den die G├Âtter reich beschenkt hatten.

Fast immer geben die Angreifer auf

In Machtk├Ąmpfen gehen sich Menschen an den Kragen und ans Gem├╝t. Machtk├Ąmpfe haben etwas Archaisches, wobei die Gegner nicht Steine oder Faustkeile schleudern, aber sie versuchen einander zu eliminieren, so tief zu verletzen, dass einer von ihnen aufgibt und sagt: Ich kann nicht mehr und ich will das auch nicht mehr.

Ironischerweise sind es fast immer die Angreifer, die aufgeben. Zorn beseelt sie, Zorn treibt sie voran und kann ja auch zerm├╝rben oder in den Wahnsinn treiben. Aber Zorn ist keine Strategie. Die Angegriffenen sind wie Igel, sie ziehen den Kopf ein und warten ab. Weil sie nicht die Nerven verlieren, geben die Zornigen irgendwann auf.

Was die Zeit ├╝berdauert

Von Helmut Kohl bleibt das historische Verdienst um die Einheit. Strau├č? Bayerischer Ministerpr├Ąsident. Von Willy Brandt bleibt der Friedensnobelpreis f├╝r Vers├Âhnung in der geteilten Welt. Wehner? Spitzname Onkel, Fraktionsvorsitzender.

Von Angela Merkel wird bleiben, dass sie 2008 die Weltfinanzkrise gl├Ąnzend bestand und 2015 beispielhaft Humanit├Ąt bewies. Von Horst Seehofer wird bleiben, dass er typisch CSU ist: ein Zauderer, der gro├č tut und klein denkt.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Johannes Bebermeier
Von Johannes Bebermeier
Angela MerkelBundestagCDUCSUFDPHorst SeehoferMannheimMarkus S├ÂderSPD
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website