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Bundestagswahl 2021: Welche Politiker könnten Kanzlerkandidaten werden?

Bundestagswahl 2021  

Merkel bald weg – diesen Nachfolger fürchten SPD und Grüne am meisten

22.07.2020, 16:41 Uhr
Bundestagswahl 2021: Welche Politiker könnten Kanzlerkandidaten werden?. Olaf Scholz dürfte für die SPD antreten, Robert Habeck oder Annalena Baerbock für die Grünen: Doch wer wäre der leichteste und wer der schwierigste Gegner der Union für sie? (Quelle: imago images/t-online.de)

Olaf Scholz dürfte für die SPD antreten, Robert Habeck oder Annalena Baerbock für die Grünen: Doch wer wäre der leichteste und wer der schwierigste Gegner der Union für sie? (Quelle: t-online.de/imago images)

Die Union diskutiert über den richtigen Kanzlerkandidaten. SPD und Grüne schauen dabei genau hin – auch aus Eigeninteresse. Denn nicht alle sind für sie gleich gefährlich. 

Die Bundestagswahl im nächsten Jahr wird historisch, so viel ist jetzt schon sicher, und Angela Merkel ist schuld. Nach 16 Jahren als Bundeskanzlerin wird sie sich nicht mehr zur Wahl stellen. Es wird im November 2021 um die Frage gehen: Was folgt auf die Ära Merkel? Und vor allem: Wer?

Merkel ist weg. Das allein wird viel durcheinanderwirbeln, da sind sich vor allem die Parteien sicher, die nach 16 Jahren CDU auch ganz gerne ins Kanzleramt einziehen würden: die Grünen und die SPD. Doch wie stark sie von dem historischen Einschnitt profitieren, haben sie selbst nicht vollständig in der Hand. Es wird einiges davon abhängen, wen die Union als potenziellen Merkel-Erben aufbietet. Das sieht man auch in den Parteien so – und diskutiert intern munter über die Vor- und Nachteile der Kandidaten. 

Nicht nur die SPD hofft auf die Nach-Merkel-Ära

Besonders die SPD spricht sich gerade viel Mut zu. Die ewigen großen Koalitionen, aber vor allem auch Merkel selbst, haben die Partei in den letzten Jahren einiges an Zuspruch gekostet. So sehen es zumindest viele. Im Laufe der großen Koalitionen ging es für die SPD seit 2005 von 34,2 auf 20,5 Prozent im Jahr 2017 bergab. Einige Themen habe Merkel der SPD schlicht weggenommen, wie den Atomausstieg, den sie nach Fukushima plötzlich doch wollte. Andere würden öffentlich mit Merkel verbunden, obwohl sie eindeutig SPD-Erfolge seien, so wie der Mindestlohn

Der bekannte SPD-Politiker Ralf Stegner sprach kürzlich aus, was viele denken oder zumindest hoffen: "Mein Eindruck ist, es könnte für die SPD vielleicht wieder leichter werden auf Bundesebene." Weil Merkel nicht mehr kandidiere, könnten der CDU "die fünf plus Merkel-Prozente" fehlen, schätzt er. Und idealerweise zahlen diese fünf oder mehr Prozentpunkte aus Sicht der Genossen natürlich bei der SPD ein. 

Doch selbst wenn das so ist, wären die Sozialdemokraten noch nicht ansatzweise im Kanzleramt. In Umfragen kreist die SPD derzeit um die 15 Prozent, während die Union teils bei 40 Prozent gesehen wird. Zudem erhoffen sich auch andere Parteien, einige Merkel-Wähler abzugreifen. Die Grünen etwa – und selbst die Linkspartei. Sie könne nach der Ära Merkel "relevant Stimmen von der CDU gewinnen", gab sich Linksfraktionschef Dietmar Bartsch optimistisch. Gerade in Ostdeutschland werde es für die CDU schwieriger.

Wer wäre der dankbarste Gegner?

Für wie realistisch man die Hoffnungen im Einzelnen auch hält – dass Merkel weg ist, reicht jedenfalls für die anderen Parteien noch nicht aus. Sie brauchen einen eigenen guten Kandidaten. Und idealerweise den richtigen Kontrahenten der Union. 

Doch wer wäre das? 

  • Norbert Röttgen: Der CDU-Außenpolitiker spielt in den meisten Szenarien gar keine Rolle. Ihm werden nur noch Außenseiterchancen auf den CDU-Vorsitz zugesprochen. Von der Kanzlerkandidatur hat er sich offensichtlich selbst schon verabschiedet. Kürzlich spielte er auffallend offen mit dem Gedanken, als CDU-Vorsitzender einen CSU-Kanzlerkandidaten zu stützen – also Markus Söder.
  • Armin LaschetDer nordrhein-westfälische Ministerpräsident galt lange als einer der Favoriten auf Vorsitz und Kanzlerkandidatur – bis er die Corona-Krise managen musste. Für SPD und Grüne böte er deshalb viel Angriffsfläche. Sie würden im Wahlkampf fragen, ob einer wie Laschet wirklich Kanzlerformat hat, wenn er schon in der Corona-Krise als Ministerpräsident strauchelt. Für die SPD wäre das noch leichter als für die Grünen. Denn sie könnte darauf verweisen, dass der wahrscheinliche SPD-Kanzlerkandidat und Vizekanzler Olaf Scholz sich als ausgesprochen krisenfest erwiesen hat. Für die Grünen wäre das als Oppositionspartei nicht so leicht. Einen Nachteil hätte Laschet für beide: Er ist nicht sonderlich konservativ und steht Positionen von SPD und Grünen eher nahe. Beide hätten es schwer, sich scharf von seinen Ansichten abzugrenzen.
  • Friedrich Merz: Gelingt dem früheren CDU-Fraktionschef das Comeback? Viele in der CDU würden sich freuen. Einige bei SPD und Grünen auch. Zwar traut man ihm zu, konservative Wähler zu mobilisieren. SPD und Grünen würde seine Kandidatur aber die Möglichkeit bieten, einen Wahlkampf zu führen, in dem man sich selbst als Kraft der Zukunft und Merz als Mann der Vergangenheit darstellt. Zu seinen konservativen Positionen könnten sich die Wahlkämpfer leicht abgrenzen. Er wäre zudem der radikale Bruch mit der Ära Merkel. Und die früheren Merkel-Wähler könnten dann SPD oder Grüne wählen – so die Hoffnung.
  • Markus Söder: Will er überhaupt und wenn ja: wird er auch gefragt? Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident hat mit der CDU-Vorsitzwahl nichts zu tun und ist inzwischen trotzdem mehr als ein Geheimfavorit auf die Kanzlerkandidatur. Einfach weil er sich mit seiner Arbeit in der Corona-Krise bei vielen Deutschen beliebt gemacht hat. Seine Krisenerfahrung gepaart mit dem Amt des Ministerpräsidenten und seiner Bekanntheit machen ihn zu einem schwierigen Gegner. Inhaltlich gilt Söder als flexibel. Er versuchte mit seiner CSU vor ein paar Jahren, der AfD Konkurrenz zu machen, was er mittlerweile als taktischen Fehler eingestanden hat. Anschließend kümmerte er sich auch schon mal um den Schutz der Bienen. Ob SPD und Grüne ihm deshalb Beliebigkeit zuschreiben könnten oder Söder durch diese Flexibilität für sie schwer zu fassen wäre, scheint offen. Ein Hoffnungsschimmer für seine Gegner: Söder wird durchaus der eine oder andere Stolperer in einem langen Wahlkampf zugetraut. 

Markus Söder: Will er sich von Bayern trennen – und wird er überhaupt gefragt? (Quelle: dpa/Peter Kneffel)Markus Söder: Will er sich von Bayern trennen – und wird er überhaupt gefragt? (Quelle: Peter Kneffel/dpa)

Mit wem regiert es sich am schönsten?

Besonders für die Grünen hat die K-Frage der Union noch eine weitere Facette. Sie könnten in die Verlegenheit kommen, nach Wahlkampf und Wahl mit einem Unionskanzler regieren zu dürfen. Nach dem Stand der Umfragen, in denen die Grünen bis zu 20 Prozent und die Union bis zu 40 Prozent erreichen, ist das derzeit die realistischste Option. Auch wenn es bis zur Wahl im Herbst noch lange hin ist. 

Die Grünen machen bei jeder Gelegenheit deutlich, dass sie jetzt endlich wieder regieren wollen. Zwar nicht um jeden Preis, aber schon sehr, sehr dringend. Zum 75. Geburtstag der CDU schickten die Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck kürzlich einen Präsentkorb und einen Glückwunsch-Gastbeitrag in der "FAZ". Der Titel: "Liebe CDU, alles Gute zum 75. Geburtstag!" 

Aber könnten sie auch mit allen Kandidaten regieren? Mit Armin Laschet verbindet die Grünen politisch wohl am meisten. Er hat als Mitglied der "Pizza-Connection" schon vor Jahren Kontakte zu Grünen-Politikern geknüpft und so die Öffnung der Union für dieses Bündnis betrieben. Markus Söder hat sich zuletzt in der Rolle des Klimaschützers gefallen, mit ihm käme man wohl auch zusammen. 

Und selbst der konservative Friedrich Merz wäre wohl nicht unbedingt ein Hinderungsgrund. Einige trauen ihm sogar zu, der Union die grünen Inhalte besonders gut verkaufen zu können. Frei nach dem Motto: "Only Nixon could go to China." Das Sprichwort bezieht sich auf die Verhandlungen des konservativen US-Präsidenten Richard Nixon mit dem kommunistischen China im Jahr 1972. Der bekennende Antikommunist Nixon war in der Annäherung an China nicht verdächtig, zu weit zu gehen oder zu freundlich zu sein – und konnte deshalb glaubhaft etwas Neues wagen. So geht zumindest die Geschichte.

Für Deutschland im Herbst 2021 ginge sie so: Friedrich Merz ist nicht verdächtig, die Union nach links verschieben zu wollen – und könnte die erste schwarz-grüne Regierung auf Bundesebene mit vielen grünen Inhalten schmieden.

Ob sie wirklich erzählt wird, bleibt abzuwarten. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Mit Infos der Nachrichtenagentur dpa

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