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Sonntag ist es wieder soweit: Ein letztes Mal Winterzeit?

Sonntag ist es wieder soweit  

Ein letztes Mal Winterzeit?

24.10.2018, 10:22 Uhr | dpa

Sonntag ist es wieder soweit: Ein letztes Mal Winterzeit?. Verschiedene Küchenuhren im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen.

Verschiedene Küchenuhren im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird die Uhr wieder einmal eine Stunde zurückgestellt. Foto: Patrick Seeger. (Quelle: dpa)

Brüssel (dpa) - Eine Stunde länger schlafen, mehr Licht am Morgen, dafür ein früherer Sonnenuntergang: In der Nacht von Samstag auf Sonntag (27./28. Oktober) wird die Uhr wieder einmal eine Stunde zurückgestellt.

Es ist ein seit Jahrzehnten übliches Ritual - bis Ende März gilt hierzulande dann die Winterzeit. Doch diesmal könnte es anders werden. EU-weit wird intensiv über die Abschaffung der Zeitumstellung diskutiert - dabei droht aber einiges Chaos.

Doch der Reihe nach. Im September hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, das Drehen an der Uhr abzuschaffen. Jeder Staat soll stattdessen ab kommendem Jahr selbst entscheiden können, ob er dauerhaft Sommer- oder Winterzeit will. Für die Brüsseler Behörde und ihren Chef Jean-Claude Juncker könnte dies eines der letzten großen Vorhaben werden. Die Amtszeit endet 2019.

Die Kommission, der in der Vergangenheit bisweilen bürgerferne Regulierungswut nachgesagt wurde, gab sich dabei vermeintlich volksnah. In einer EU-weiten Online-Umfrage sprachen sich 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Die meisten plädierten für eine dauerhafte Sommerzeit. 4,6 Millionen Antworten gingen bei der EU-Kommission ein - ein Rekord für diese Art von Befragungen, aber immer noch weniger als ein Prozent der EU-Bürger. Und: Allein drei Millionen Teilnehmer kamen aus Deutschland.

Zur Überraschung so mancher Staaten verkündete Juncker daraufhin aber kurzerhand: "Die Leute wollen das, also machen wir das." Möglichst bis zur Europawahl im kommenden Frühjahr sollten Fakten geschaffen werden. Bis April sollen die Staaten sich überlegen, welche Zeit sie dauerhaft behalten wollen.

Für den Gesetzgebungsprozess der EU, in dem manche Vorhaben teils jahrelang ausverhandelt werden, wäre dies ein enormes Tempo. Doch vor allem unter den EU-Staaten, die - wie auch das Europaparlament - mehrheitlich zustimmen müssten, gibt es noch viele Fragezeichen.

So heißt es, im Moment werde auf Arbeitsgruppenebene noch durchexerziert, was die Umstellung nicht nur für die Menschen, sondern auch für eine ganze Reihe von Branchen bedeutet. Wie könnte sie sich auf den EU-Binnenmarkt, den Warenhandel, Bahn- oder Flugverkehr auswirken? Viele Staaten haben deshalb noch keine endgültige Position bezogen.

Das bisherige Meinungsbild ist durchaus gespalten. Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, die Mitteleuropa eine Stunde voraus sind, haben sich etwa für eine Abschaffung der Zeitumstellung und dauerhafte Sommerzeit ausgesprochen. Die Slowakei will permanente Winterzeit. Portugals Premierminister Antonio Costa spricht sich hingegen dafür aus, den halbjährigen Wechsel beizubehalten. Mündet das ganze also in einen Flickenteppich?

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten gilt dieselbe Zeit. Acht Länder - unter ihnen Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland und Zypern - sind eine Stunde voraus. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien.

Österreich, das derzeit den Vorsitz unter den EU-Staaten innehat, möchte Schlimmeres verhindern. Das Land hat sich bereits für eine ganzjährige Sommerzeit ausgesprochen. Allerdings will die Regierung in Wien sich mit den Nachbarländern für eine einheitliche Zeitzone in Mitteleuropa absprechen. Auch die Benelux-Staaten - Belgien, die Niederlande, Luxemburg - kündigten an, sich zu beraten.

Und wie gravierend wären unterschiedliche Zeitzonen letztlich? Lästig dürften sie allemal sein. Aber darüber hinaus? Für die Deutsche Bahn etwa wären dauerhaft verschiedene Zeitzonen in Deutschland und seinen Nachbarstaaten unproblematisch. Die Fahrpläne für den grenzüberschreitenden Verkehr müssten dann einfach bei Haltebahnhöfen im Ausland um die Anmerkung "Ortszeit" ergänzt werden, sagte eine Bahnsprecherin in Berlin. Das gebe es heute schon, etwa bei Langstreckenverbindungen nach Russland.

Problematischer sähe es im Flugverkehr aus. Die deutsche Luftverkehrswirtschaft fordert eine einheitliche Regelung für ganz Europa. "Der drohende Flickenteppich von einzelnen nationalstaatlichen Regelungen würde die Flugplanung der Fluggesellschaften und Flughäfen erheblich durcheinanderbringen", erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Die Fluggesellschaften bräuchten für einen Flug etwa immer einen Start- und einen Landeslot, die entsprechend der Flugdauer aufeinander abgestimmt sein müssten. Bei stark ausgelasteten Flughäfen sei es aber oft nicht ohne Weiteres möglich, Slots eine Stunde nach vorne oder nach hinten zu verlagern, hieß es weiter.

Außerdem könnte es passieren, dass etwa bei einer Abschaffung der Winterzeit Flüge am späten Abend im Winter zu spät starten und damit in Nachtflugverbote hineinreichen. "Es besteht das akute Risiko, dass gegenwärtig angebotene Flugverbindungen so nicht mehr darstellbar sind", heißt es vom Verband.

Im Europaparlament ist hingegen mehr Begeisterung für den Vorschlag der Kommission spürbar: Er müsse schnell verabschiedet werden, fordert etwa der gesundheitspolitische Sprecher der konservativen EVP-Fraktion, Peter Liese (CDU).

In Deutschland gibt es die Sommerzeit seit 1980. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück.

Dadurch soll das Tageslicht besser genutzt und Energie gespart werden. Der tatsächliche Nutzen ist jedoch umstritten. Viele Menschen klagen zudem über gesundheitliche Probleme bei der Umstellung. "Wenn wir die Zeitumstellung nicht hätten, und heute käme jemand auf die Idee, sie einzuführen, würden ihn sicher alle für verrückt erklären", meint Liese.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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