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Streit in Grünheide: Tesla-Betriebsrat schießt gegen IG Metall


Betriebsrat beklagt Einflussnahme
Dicke Luft bei Tesla in Grünheide

Von Frederike Holewik

Aktualisiert am 19.01.2023Lesedauer: 3 Min.
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Elon Musk (Archivbild): Soldaten sollen in der Fabrik in Grünheide arbeiten.Vergrößern des Bildes
Tesla-Chef Elon Musk bei der Eröffnung der Fabrik in Grünheide (Archivbild): Der Betriebsrat fühlt sich von der Gewerkschaft IG Metall in seiner Arbeit eingeschränkt. (Quelle: Political-Moments/imago images)

Der Tesla-Betriebsrat hat sich mit einem Schreiben an die Mitarbeiter gewandt. Thema ist die IG Metall. Doch die will von Kritik an den Arbeitnehmervertretern und Einflussnahme nichts wissen.

Dicke Luft in Grünheide bei Berlin: Der Betriebsrat der Tesla-Gigafactory wirft der Gewerkschaft IG Metall Einflussnahme auf Mitarbeiter und bewusste Falschinformation vor. Das geht aus einer E-Mail hervor, die der Betriebsrat am Dienstag an die Angestellten des Werks verschickt hat. Der Brief liegt t-online vor.

Darin heißt es, "diverse Vorkommnisse" der letzten Zeiten hätten ein solches Schreiben nötig gemacht. Unter anderem habe der Betriebsrat Informationen erhalten, "dass die IG Metall bewusst Falschinformationen streut und auch den Betriebsrat und einzelne Betriebsräte in ein schlechtes Licht rückt".

Damit erreicht der Streit im einzigen Deutschland-Werk von Elon Musks E-Autobauer Tesla ein neues Level. Schon die Wahl des Betriebsrats im vergangenen Jahr hatte für Aufsehen gesorgt, denn Musk ist dafür bekannt, Arbeitnehmervertretungen kritisch gegenüberzustehen (t-online berichtete). Die Gewerkschaftskritik von außen lautete damals vor allem, dass der Betriebsrat durch Beteiligung der Managementebene Musk zu nahe stehe.

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Dazu muss man wissen, dass die IG Metall bei Tesla bislang deutlich weniger stark verwurzelt ist als in den Werken anderer Automobilbauer in Deutschland, zum Beispiel VW. Dort sind traditionell alle Betriebsräte zugleich auch Gewerkschaftsmitglieder. In Grünheide ist das anders. Bei Tesla setzt sich der Betriebsrat aus "Metallern" und Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern zusammen – eine Mischung mit Konfliktpotenzial.

Betriebsrat: IG Metall horcht Mitarbeiter aus

Das zeigt auch der jüngste Brief des Betriebsrats. Man habe die Belegschaft "mit diesen Themen nicht 'belästigen'" wollen, aber "so langsam reicht es uns". Damit gemeint seien vor allem die "negativen Artikel über Tesla", die sich auf Stellungnahmen der IG Metall stützen. Denn die IG Metall würde die Arbeit des Betriebsrats schlechtreden und versuchen, sich einzumischen.

Dazu führt der Betriebsrat vier Beispiele an, die sich in den vergangenen Wochen ereignet haben sollen. Demnach habe die IG Metall versucht, die Kündigung eines Gewerkschaftsmitglieds zu verhindern, indem beim Betriebsrat angerufen wurde. Aus Sicht des Betriebsrats sei die Kündigung aber berechtigt gewesen. Weitere Details werden allerdings nicht genannt.

Des Weiteren nutze die Gewerkschaft ihr Büro knapp außerhalb des Firmengeländes an der Bahnstation Fangschleuse zum "Aushorchen von Interessierten" über Probleme bei Tesla und erst dann werde zu arbeitsrechtlichen Fragen beraten. Diese Beratung zu Schichtmodellen und Arbeitszeiten sei zudem teilweise falsch gewesen.

Daran schließt sich der dritte Punkt "Verweigerung der Unterstützung des Betriebsrates" an. So habe die IG Metall sich geweigert, einzelnen Betriebsräten Auskunft über unterschiedliche Schichtpläne zu geben. Viertens würde die IG Metall Mitarbeiter dazu anstiften, Aktionen während der Arbeitszeit durchzuführen. Eine Bitte, dies zu unterlassen, da es arbeitsrechtliche Schritte nach sich ziehen könnte, sei damit beantwortet worden, dass es dann Aufgabe des Betriebsrats sei, dies aufzufangen.

Insgesamt wolle man diese Behandlung nicht länger akzeptieren. "Für Politik und 'Sandkastenspielchen' fehlt uns die Zeit und ehrlich gesagt auch die Lust", heißt es am Ende der E-Mail. Auf t-online-Anfrage will sich der Betriebsrat nicht weiter zu dem Schreiben äußern.

IG Metall: Arbeiten eng mit Betriebsräten zusammen

Auf die Vorwürfe im Schreiben des Betriebsrates reagiert die IG Metall Berlin, Brandenburg, Sachsen überrascht. "Wir haben die Arbeitsbedingungen bei Tesla kritisiert, aber nie die Arbeit des Betriebsrats. Im Gegenteil: Wir sehen, dass der Betriebsrat beim schnellen Aufbau des Standortes und der Beschäftigtenzahl stark gefordert ist. Als IG Metall arbeiten wir mit Betriebsräten eng zusammen", so ein Sprecher zu t-online. Im Detail wolle man auf die Vorwürfe nicht eingehen.

In der Pressekonferenz zum Jahresauftakt hatte IG-Metall-Bezirksleiterin Irene Schulz in der vergangenen Woche zunächst die Bemühungen der Tesla-Mitarbeiter gelobt. Sie hätten "in den vergangenen eineinhalb Jahren beim Aufbau ihrer Gigafactory Unglaubliches geleistet".

Gleichzeitig mache sie aber die Beobachtung, dass sich inzwischen bei vielen auch Enttäuschung breitgemacht habe. "Die Botschaften, die uns aus der Belegschaft erreichen, sind eindeutig: Tesla unternimmt nicht genug, um Arbeitsbedingungen zu verbessern und lässt zu wenig Raum für Freizeit, Familie und Erholung", so Schulz weiter.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • E-Mail des Betriebsrats an die Belegschaft
  • Statement IG Metall
  • Pressemitteilung IG Metall
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