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Mindestlohn könnte Viele ärmer machen - DIW-Studie warnt vor Jobabbau


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Mindestlohn könnte viele Haushalte ärmer machen

Von t-online, dpa-afx
Aktualisiert am 04.11.2013Lesedauer: 3 Min.
Ein Mindestlohn von 8,50 Euro klingt verlockend, hat aber viele Auswirkungen
Ein Mindestlohn von 8,50 Euro klingt verlockend, hat aber viele Auswirkungen (Quelle: imago/Christian Ohde)
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Union und SPD verhandeln über einen Mindestlohn, die Mehrheit der Bundesbürger ist dafür. Doch die Wirtschaft und Volkswirte warnen vor den negativen Effekten. Gegner eines flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde bekommen jetzt neue Munition durch eine Studie der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Autoren erwarten Einkommensverluste und Jobabbau.

Über die Studie berichtete zuerst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die Ökonomen Viktor Steiner (Uni Berlin) und Kai-Uwe Müller (DIW) haben darin mehrere Auswirkungen eines Mindestlohns beleuchtet.

Viele Einkommen würden steigen - wenn der Job bleibt

Demnach können zwar mehrere Millionen Arbeitnehmer in Deutschland mit einem höheren Arbeitslohn rechnen - und zwar im Durchschnitt um satte 41 Prozent. Diese Zahl gilt aber nur, wenn dabei kein einziger Arbeitsplatz verloren geht, was praktisch ausgeschlossen ist.

Die Studienautoren gehen deshalb von aus, dass rund 495.000 Niedriglohnarbeitsplätze akut gefährdet wären. Diese Zahl liege im Mittelfeld der Prognosen anderer Wirtschaftsforscher, heißt es.

Einkommensgewinn wird aufgefressen

Eine weitere Abschwächung des positiven Effekts eines Mindestlohns sehen die Forscher darin, dass viele Niedriglöhner in Haushalten mit höherem Einkommen leben. Selbst am unteren Rand gewännen diese nur etwa 900 Euro oder 10,2 Prozent im Jahr dazu - was unter anderem mit der dann fälligen Kürzung von Sozialleistungen oder höheren Steuern und Abgaben zusammenhängt.

Dies gilt jedoch wiederum nur, falls niemand seinen Arbeitsplatz verliert. Wenn die erwähnten 495.000 Stellen verloren gehen, halbiert sich der Zuwachs auf 5,1 Prozent.

Preiserhöhungen verkehren Mindestlohn ins Gegenteil

Schließlich fließen noch die Preiserhöhungen in die Modellrechnung ein. Selbst bei den Haushalten mit den zehn Prozent der niedrigsten Einkommen ergibt sich dann ein leichter Einkommensverlust von 19 Euro im Jahr. Mittelschichthaushalte verlören sogar rund 250 bis 350 Euro jährlich. Im Durchschnitt liegen die Mehrkosten bei 155 Euro pro Jahr und Haushalt.

Wie die Studienautoren schreiben, wären von einem Mindestlohn von 5,00 Euro pro Stunde nur ein Prozent aller deutschen Arbeitnehmer betroffen. Der diskutierte Mindestlohn von 8,50 Euro hätte dagegen bereits Auswirkungen auf elf Prozent der Beschäftigten. Und die vor allem von den Linken geforderte Lohnuntergrenze von 10,00 Euro pro Stunde würde 19 Prozent betreffen.

In einem Wohlfahrtsstaat wie Deutschland habe ein Mindestlohn nur geringe Auswirkungen auf die Einkommensungleichheit, schlussfolgert die Studie. Positive Effekte, wie der Einkommenszuwachs, würden durch negative, wie Jobverlust und steigende Preise, ausgelöscht.

Auswirkungen eines Mindestlohns (ML) von 8,50 Euro/Stunde

Einkommens- gruppe* Einkommen ohne ML** Lohnplus durch ML ohne Effekte** Veränderung mit ML, Job- und Preiseffekten**
1 8910 909 -19
2 12.779 985 52
3 15.497 616 -114
4 17.948 655 -155
5 20.077 516 -237
6 22.632 551 -281
7 25.643 253 -299
8 29.068 159 -305
9 34.207 301 -324
10 51.304 365 -342
Durchschnitt 23.802 657 -155

* eingeteilt in sogenannte Dezile. Das erste Dezil sind die untersten zehn Prozent der Einkommen usw. - das zehnte Dezil sind dann die obersten zehn Prozent.
** Durchschnitt in Euro/Jahr
Quelle: Müller/Steiner, "Distributional effects of a minimum wage in a welfare state - The case of Germany"

Geringqualifizierte könnten noch häufiger arbeitslos sein

In die gleiche Kerbe schlägt eine Studie von Deutsche Bank Research mit dem Titel "Mindestlohn von EUR 8,50: Eine falsche Weichenstellung". Die Autoren rechnen mit dem Verlust von 450.000 bis eine Million Arbeitsplätzen. Besonders negativ sind demnach "Problemgruppen" betroffen, also Geringqualifizierte mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von fast 20 Prozent. "Der Gesamteffekt für die Kaufkraft wird wahrscheinlich negativ sein, da die Wirkung der Beschäftigungsverluste die Effekte der Lohnsteigerungen für jene, die ihren Arbeitsplatz behalten, überkompensieren dürften", heißt es in der Veröffentlichung.

Der Studie zufolge sind 8,50 Euro pro Stunde als allgemeiner Mindestlohn tendenziell zu hoch, weil dies 58 Prozent des mittleren Lohns - korrekt: des Median-Vollzeitlohns - entspräche. In Ländern mit vergleichsweise niedrigen Mindestlöhnen wie Großbritannien und den USA (45 Prozent beziehungsweise 38 Prozent des Median-Vollzeitlohns) gebe es keinen starken Einfluss auf die Beschäftigung.

Frankreich muss gegensteuern

In Frankreich dagegen, dessen Mindestlohn mit 60 Prozent nach dem Median-Kriterium sogar noch höher liegt, seien "toxische Wirkungen" beobachtet worden, die die Behörden zu problematischen Eingriffen gezwungen hätten. Dort wurden Gehälter nahe des Mindestlohns von Abgaben entlastet - wodurch qualifizierter Arbeitskräfte höhere Lasten der Finanzierung des Sozialstaates gehabt hätten.

Außerdem präsentierten die Studienautoren eine Statistik der EU-Kommission, wonach sowohl 2005 als auch 2012 die Arbeitslosenquote in Ländern mit Mindestlohn höher war als in solchen ohne. Der Abstand betrug 2005 etwa zwei Prozentpunkte und vergrößerte sich 2012 auf rund vier Prozentpunkte. In beiden Ländergruppen war die Arbeitslosigkeit gestiegen - in den Ländern mit Mindestlohn aber stärker.

DGB verweist auf Kaufkraftstudie

Ungeachtet dessen sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB seine Forderungen nach einem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde durch eine weitere Studie untermauert. Allein in Hamburg profitierten mehr als 150.000 Arbeitnehmer von einem Kaufkraftzuwachs in Höhe von 327 Millionen Euro, heißt es in einer Untersuchung des Hannoveraner Eduard Pestel Instituts im Auftrag der Gewerkschaften Ver.di und NGG.

Laut der Studie verdienen in der Hansestadt rund 62.000 Frauen und Männer weniger als 6,50 Euro und knapp 95.000 weniger als 8,50 Euro. "Der flächendeckende, gesetzliche Mindestlohn muss sofort her", sagte DGB-Chefin Katja Karger.

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