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Metro-Gruppe: Warum der Real-Verkauf gut für die Kunden sein könnte


Handelsexperte erklärt  

Warum der Real-Verkauf gut für die Kunden sein könnte

Von Mauritius Kloft

21.02.2020, 19:47 Uhr
Metro-Gruppe: Warum der Real-Verkauf gut für die Kunden sein könnte. Real-Kunden können sich nach dem Verkauf an einen russischen Investor laut einem Handelsexperten freuen. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Real-Kunden können sich nach dem Verkauf an einen russischen Investor laut einem Handelsexperten freuen. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Die Metro-Gruppe hat sich mit dem russischen Finanzinvestor SCP auf einen Verkauf der Real-Märkte geeinigt. Viele Filialen werden deshalb schließen. Für die Kunden kann der Verkauf trotzdem zum Gewinn werden.

Der Metro-Konzern hat sich diese Woche mit dem russischen Investor SCP auf einen Verkauf der Real-Märkte geeinigt – die Frage ist jetzt: Welche Bedeutung hat das für die Verbraucher? "Für die Kunden könnte der Real-Verkauf durchaus positive Folgen haben", sagt Handelsexperte Peter Kenning t-online.de. Kenning unterrichtet an der Universität Düsseldorf Betriebswirtschaftslehre und ist Vorsitzender des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen beim Bundesjustizministerium.

Real betreibt bundesweit mehr als 270 Märkte, die meisten davon sollen in den kommenden Monaten verkauft, einige geschlossen werden. Ein Kern von 50 Märkten soll laut der Real-Mutter Metro zunächst erhalten bleiben. Kenning geht jedoch davon aus, dass der russische Investor auch diese verbliebenen Märkte langfristig nicht weiterführen wird, sondern stattdessen versucht, sie einzeln oder in Paketen an die Konkurrenz zu verkaufen. Dem "Handelsblatt" hatte Marjorie Brabet-Friel, Vorstandschefin der SCP Group, gesagt: "Es ist in der Tat eine herausfordernde Akquisition, Real so wie es heute ist, ist nicht zukunftsfähig."

Finanzinvestor habe nicht die nötige Erfahrung

"Wir sehen hier einen Investor, der weder den Markt noch die Handelsbranche kennt", sagt Kenning. "Deshalb wird SCP versuchen, die Märkte möglichst rasch und nach Möglichkeit mit Gewinn wieder zu veräußern", schätzt er. Der deutsche Einzelhandel sei schwierig: Er sei sehr kostenintensiv. Auch standortpolitische Fragen seien entscheidend, "wie die Kommunikation mit der Kommunalpolitik". Hier bräuchten Unternehmen die nötige Erfahrung, wenn sie Märkte langfristig führen wollten. "Sonst könnte SCP auf Dauer scheitern, wie seinerzeit Walmart".

Walmart ist Ende der 1990er Jahre nach Deutschland gekommen, ist nach knapp zehn Jahren aber wieder ausgeschieden. Die Walmart-Märkte sind damals an den Metro-Konzern verkauft worden.

Für Verbraucher würde sich ein Verkauf an die Konkurrenz auf zwei unterschiedliche Arten auswirken:

Entweder würden die Märkte an den Standorten modernisiert. "Denn bei Real gibt es einen Investitionsstau." Wenn Edeka oder Rewe einen Markt übernehmen würden, könnte es sein, dass das Preisniveau geringfügig steigt. "Die Qualität des Marktes im Hinblick auf die Vielfalt, die Atmosphäre sowie das Sortiment steigt jedoch auch", so der Experte.

Oder aber die Preise sinken. Das passiere dann, wenn Kaufland Real-Märkte übernimmt. "In diesem Fall werden vermutlich die relativ günstigen Preise im Vordergrund stehen." Zwar wäre der Service im Vergleich zu Edeka oder Rewe schlechter. Für Kunden, die aufs Geld achten wollen, wäre das aber eine Alternative.

Experte: Real-Verkauf bringt positive Effekte für Kunden

Kurzum: Der Verkauf von Real bringe nur positive Effekte für die Kunden, so der Experte. "In beiden Szenarien wäre eine Verbesserung aus Kundensicht durchaus wahrscheinlich." Deswegen hofft er, dass die Kartellbehörde die einzelnen Verkäufe der Märkte durchwinkt. Nach dem Kaiser's Tengelmann-Verkauf, bei der sich der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingemischt hatte, stünden die Chancen jedoch hoch, dass die Kartellaufsicht insgesamt den Verkauf durchwinken würde.

Viele Real-Märkte befänden sich in einem "Zustand, der rasche und gezielte Investitionen erforderlich macht." Das liege daran, dass der Metro-Konzern schon seit Jahren zu wenig Geld hineinsteckt, mahnt Kenning.

"Die Metrogruppe versucht seit vielen Jahren, Tochterunternehmen wie Real zu verkaufen." Deshalb sei es nur logisch, dass sie mit Olaf Koch keinen "Handelsfachmann", sondern einen "Finanzfachmann" an die Spitze berufen hätten. Koch hatte 2019 im Gespräch mit der "Wirtschaftswoche" gesagt: "Um erfolgreich und zukunftsfähig zu sein, muss man sich sehr klar fokussieren.“

"Metro fehlte es an Entschlossenheit"

BWL-Professor Kenning kritisiert das: Man sehe am Beispiel von Edeka oder Rewe, dass mit dem Lebensmittel-Einzelhandel Geld verdient werden könne. "Der Metro-Gruppe fehlte es in den letzten Jahren oft an der für den Erfolg im Handel notwendigen Entschlossenheit".

Die Gewerkschaft Verdi hatte zuletzt auch kritisiert: "Der Metro-Konzern streicht 300 Millionen ein, während den Arbeitslosen wieder einmal auf Kosten der Gesamtgesellschaft geholfen werden muss". Sie sieht vor allem für die Mitarbeiter Probleme und sprach von "10.000 Entlassungen".

Peter Kenning, Handelsexperte und BWL-Professor: "Der Metro-Gruppe fehlte es in den letzten Jahren oft an der für den Erfolg im Handel notwendigen Entschlossenheit". (Quelle: privat)Peter Kenning, Handelsexperte und BWL-Professor: "Der Metro-Gruppe fehlte es in den letzten Jahren oft an der für den Erfolg im Handel notwendigen Entschlossenheit". (Quelle: privat)

Metro hatte mitgeteilt, dass alle 34.000 Mitarbeiter übernommen werden sollen. Handelsexperte Kenning geht davon aus, dass die Großzahl der Mitarbeiter übernommen werden. Auch für die restlichen Real-Mitarbeiter sehe die Lage am Arbeitsmarkt ordentlich aus. "Die Chancen sind relativ gut, dass die Mitarbeitenden einen neuen Job im Lebensmittelhandel finden."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Handelsblatt
  • Wirtschaftswoche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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