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Rente: Droht kommendes Jahr eine Nullrunde wegen der Corona-Krise?

Wegen Corona-Krise  

Droht kommendes Jahr eine Nullrunde für Rentner?

05.10.2020, 20:44 Uhr
Das Rentensystem in Deutschland

Das Rentenversicherungssystem basiert auf dem sogenannten Generationenvertrag. Doch das stellt Deutschland vor ein Problem. (Quelle: t-online.de)

Rentensystem in Deutschland: Wie es derzeit noch funktioniert und warum es ein akutes Problem gibt. (Quelle: t-online.de)


Nicht nur viele Beschäftigte müssen wegen der Corona-Krise Einkommenseinbußen hinnehmen. Auch für die Rentner könnte es eine Nullrunde geben. Doch wie wahrscheinlich ist das?

Die Corona-Krise hat 2020 auf dem Höhepunkt 6,7 Millionen Menschen in die Kurzarbeit geschickt. Das waren so viele wie nie zuvor. Mittlerweile gehen die Zahlen wieder zurück. Vorbei ist die Krise allerdings noch lange nicht. Die Frage, die sich Tausende Rentner zurzeit stellen: Schlägt die Corona-Krise auf die Rente durch? Droht kommendes Jahr eine Nullrunde?

Wenn es nach dem Chef der Jungen Union (JU), Tilman Kuban, geht – ja. Er fordert angesichts der Corona-Krise, dass die Renten 2021 nicht erhöht werden. "Niemand möchte die Lebensleistung der Rentner schmälern, aber wir müssen darauf achten, dass der jungen Generation nicht ein völlig überfordertes Rentensystem vererbt wird", sagte Kuban dem Wirtschaftsportal "Business Insider".

Doch wie realistisch ist das? Und könnten die Renten auch gesenkt werden? t-online beantwortet die wichtigsten Fragen rund um eine mögliche Nullrunde kommendes Jahr.

Wie realistisch ist eine Nullrunde?

Ziemlich. "Zu erwarten ist, dass die Rente kommendes Jahr nicht steigt", sagte Jochen Pimpertz, Leiter des Kompetenzfelds "Öffentliche Finanzen, Soziale Sicherung, Verteilung" am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft im Gespräch mit t-online. "Die Forderung von Kuban kann also nur rein politisch begründet sein."

Dass überhaupt eine Nullrunde ins Spiel gebracht wird, liegt am System. Denn wie stark die Renten pro Jahr steigen, hängt maßgeblich von den durchschnittlichen Bruttolöhnen und der Anzahl der Beitragszahler des vergangenen Jahres ab. Diese sind dieses Jahr stark gesunken, denn Millionen Menschen waren und sind in Kurzarbeit.

Rentenversicherung geht von Nullrunde im Westen aus

Auch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) erwartet angesichts der Corona-Krise, dass die übliche Erhöhung der Altersbezüge im kommenden Jahr ausfallen könnte – zumindest im Westen Deutschlands. Das teilte die DRV auf t-online-Anfrage mit. Im Osten wird es voraussichtlich nur eine Mini-Anhebung um 0,7 Prozent geben.

Zum letzten Mal fiel eine Rentenerhöhung 2010 aus – im Jahr nach der Finanzkrise. Seitdem sind die Renten jedes Jahr gestiegen, zum Teil kräftig. Auch ab Juli dieses Jahres haben die rund 21 Millionen Rentner mehr erhalten: im Osten 4,2 und im Westen 3,45 Prozent.

Den voraussichtlich leichten Anstieg im Osten im Vergleich zur möglichen Nullrunde im Westen erklärt die Rentenversicherung mit der sogenannten Angleichungstreppe: Bis 2024 wird der Rentenwert im Osten schrittweise an den im Westen angepasst, bis er gleich hoch ist.

Können die Renten auch gesenkt werden?

Nein, das ist nicht möglich. Hier greift die sogenannte Rentengarantie. Das ist eine spezielle Schutzklausel. Wenn die wirtschaftliche Lage es nicht zulässt, die Rente zu erhöhen, weil die Bruttolöhne gesunken sind (siehe oben), wird sie einfach nicht angepasst.

In den kommenden Jahren wird dann eigentlich diese "theoretische" Senkung mit möglichen Erhöhungen verrechnet – diese würden also geringer ausfallen. Diese Regelung nennt sich Nachholfaktor. Allerdings hat Bundessozialminister Hubertus Heil diesen seit 2018 ausgesetzt – bis 2025. Daraus können sich in einem Fall Probleme ergeben, wie Ökonom Pimpertz erklärt.

  • Nullrunde oder marginale Erhöhung: In diesem Fall macht die Aussetzung des Nachholfaktors nichts.
  • Rentenkürzung: Bei einer theoretischen Rentenkürzung würde sich in dem Moment ein Problem einstellen, wenn der Nachholfaktor ausgesetzt bleibt. "Die Rentenkürzung kann nämlich nicht auf die späteren Rentenanpassungen gerechnet werden", so Pimpertz. Die Rentenanpassung würde also geringer ausfallen – oder komplett wegbleiben. Eine mögliche Folge: höhere Beiträge. "Aus ökonomischer Sicht wäre es deshalb sinnvoll, den Nachholfaktor wieder einzuführen." Das fordert indes auch Junge-Union-Politiker Kuban – und stellt dazu auf die Generationengerechtigkeit ab.

Wann wird die Entscheidung gefällt?

Das dauert noch. Eine endgültige Entscheidung über die Rentenanpassung zum 1. Juli 2021 fällt erst nächstes Jahr. Erst im Frühjahr liegen "alle erforderlichen Daten für die Rentenanpassung 2021 vor", teilte die Deutsche Rentenversicherung auf t-online-Anfrage mit.

Die jährliche Anpassung wird von der Bundesregierung per Verordnung festgelegt. Der Bundesrat muss aber zustimmen.

Verwendete Quellen:

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