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Islamisches Banking wÀchst

dpa, Yuriko Wahl-Immel

Aktualisiert am 19.01.2018Lesedauer: 3 Min.
EuromĂŒnzen und -scheine: Beim Islamischen Banking gelten strenge Vorschriften.
EuromĂŒnzen und -scheine: Beim Islamischen Banking gelten strenge Vorschriften. (Quelle: Tobias Schwarz/getty-images-bilder)
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Der Islam erlaubt bei GeldgeschĂ€ften keine Zinsen. Investitionen in Tabak-, Alkohol- oder RĂŒstungsbranche sind tabu. FĂŒr Muslime in Deutschland gibt es nun schariakonformes Banking.

Die BankgeschĂ€fte sind glĂ€nzend angelaufen am Fuße der neuen Ditib-Zentralmoschee in Köln. Streng nach den Regeln des Islam, kontrolliert von einem Scharia-Ethikrat. Wenige Wochen nach dem Start der KT Bank AG in der Domstadt haben dort schon mehr als tausend ĂŒberwiegend muslimische Kunden ihr Geld angelegt. "Unter den 1,5 Millionen Muslimen in Nordrhein-Westfalen sind ĂŒber 20.000 tĂŒrkischstĂ€mmige Unternehmer vertreten, die 130.000 Menschen beschĂ€ftigen, hier sehen wir ein großes Potenzial", sagt Filialleiter Ayhan Cengizer. Die nach eigenen Angaben einzige Islam-Bank in der Eurozone ist seit Mitte 2015 in Deutschland aktiv – und expandiert.

Das besondere Prinzip: Keine Zinsen, weder fĂŒr Kunden noch fĂŒr die Bank. Damit ist ein Sparkonto ebenso ausgeschlossen wie ein Kredit, der ja mit Zinsen zurĂŒckgezahlt werden mĂŒsste. Investiert wird nur in reale GĂŒter, nicht in Wertpapiere, Aktien oder Fonds. Alkohol-, Tabak- oder Schweinfleisch-Industrie sind tabu, schildert Ferhat Aslanoglu, Unternehmenssprecher der KT Bank AG in Deutschland. "Investitionen in WaffengeschĂ€fte und jegliche Deals mit GlĂŒckspielcharakter sind ebenfalls untersagt."

Viel Potential im islamischen Banking

Trotz – oder gerade wegen – dieser EinschrĂ€nkungen laufe das Ganze bisher erfreulich, man nĂ€here sich der 10.000-Kunden-Schwelle. Erst im Sommer 2015 ist die KT Bank – Tochter der Kuveyt TĂŒrk Beteiligungsbank in Istanbul – mit einer Zentrale in Frankfurt und zwei Filialen in Mannheim und in Berlin gestartet. Nach Köln sollen weitere Neueröffnungen folgen. "Die Nachfrage seitens der muslimischen Community reißt nicht ab", erzĂ€hlt Aslanoglu. Drei Viertel sind Privatkunden, der Rest VerbĂ€nde, Unternehmen, Institutionen. FĂŒr glĂ€ubige Mitarbeiter und Kunden stehen GebetsrĂ€ume bereit. GeschĂ€tzte 15 Prozent der Kundschaft haben dem Sprecher zufolge keinen muslimischen Hintergrund.

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Finanzexperten sehen einen großen Markt fĂŒr Banking im Einklang mit der Scharia – dem islamischen Recht. Er gehe fĂŒr Deutschland bei fast fĂŒnf Millionen Muslimen – oder rund 1,5 Millionen muslimischen Haushalten – von einem Potenzial von bis zu 300.000 Kunden aus, sagt Philipp Wackerbeck, Partner der Beratungsgesellschaft "Strategy&". "Und dieses Potenzial ist bei weitem nicht ausgeschöpft." In den islamischen KernmĂ€rkten – TĂŒrkei oder arabische LĂ€nder – wachse korankonformes Banking deutlich stĂ€rker als das konventionelle. Das GeschĂ€ftsmodell sei aber hierzulande nur wenigen bekannt.

Aus internationalen Studien weiß Wackerbeck: "Kaum ein muslimischer Kunde, so fromm er auch sein mag, ist bereit, fĂŒr schariakonforme GeschĂ€fte mehr zu zahlen als bei einer anderen Bank. Und alle möchten eine gute Rendite". Wie also wird es profitabel, wenn alles wegfĂ€llt, was nicht Allahs Gefallen findet?

Eigenheimfinanzierung trotz Zinsverbot

Konkret lĂ€uft es so: Braucht ein Kunde Geld, um ein Haus oder ein Auto zu erwerben, kauft die KT Bank dieses fĂŒr ihn. "Wir verkaufen dem Kunden das Objekt dann mit einem Finanzierungsaufschlag weiter, er bezahlt in Raten", erlĂ€utert Aslanoglu. Manchmal wird es angesichts deutscher Rechtsnormen etwas komplizierter. Beispiel: Damit beim Immobilienkauf nicht zweimal die Grunderwerbsteuer gezahlt werden muss – einmal von der Bank, einmal vom Kunden – bilden beide eine Gesellschaft, kaufen das Haus gemeinsam, dann zieht sich die Bank zurĂŒck. Aslanoglu: Die deutsche Finanzaufsicht Bafin habe das als korrekt eingestuft.

Viele glĂ€ubige Muslime, die keinen zinsgebundenen Kredit wollten und daher zur Miete gewohnt hĂ€tten, leisteten sich nun mit diesem Finanzierungsmodell ein Eigenheim, sagt Aslanoglu. "Wer sein Geld frĂŒher in der Sparsocke hatte, kommt jetzt zu uns." Das Geld werde in die reale Wirtschaft investiert – damit wĂŒrden also Objekte, GĂŒter gekauft – und der Kunde partizipiere am Erfolg seiner Einlage in Form einer Gewinn- und Verlustbeteiligung.

Sicherheit fĂŒr Verbraucher: Islam-Banking wird genau ĂŒberprĂŒft

Experte Wackerbeck erlĂ€utert: "Beim Islam-Banking gibt es die Theorie einerseits und die gelebte Praxis andererseits. Konkret werden die Modelle so gebaut, dass sie klassische EinlagengeschĂ€fte nachbilden. Dem Kunden zahlt man einen Ertrag, der dem Zins bei einer klassischen Bank entspricht." Falls es mal schwache Jahre gebe, halten Islam-Banken in der Regel Gewinnausgleichreserven bereit, erklĂ€rt Wackerbeck: "Das ist weiß Gott nichts Schlechtes."

Wohl kaum ein Geldhaus werde so unter die Lupe genommen, betont Cengizer: Ein Scharia-Ethikrat prĂŒft jedes Produkt und jeden Vertrag. Die Bafin kontrolliert, ob alles mit nationalem Recht konform geht. Und der Aufsichtsrat in der TĂŒrkei schaut ebenfalls genau hin. Die angespannten deutsch-tĂŒrkischen Polit-Beziehungen haben sich bisher nicht negativ ausgewirkt, sagt Cengizer. "Im Gegenteil, wir haben zusĂ€tzlich Zulauf, auch von arabischstĂ€mmigen Kunden."

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Quelle:
- dpa

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