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Deutschland: Ein Drittel aller Verbraucher könnte auf Bargeld verzichten

Exklusive Umfrage  

Zukunft ohne Bargeld? Vielen Deutschen macht das keine Angst

Von Florian Schmidt

19.01.2020, 15:44 Uhr
Deutschland: Ein Drittel aller Verbraucher könnte auf Bargeld verzichten. 50-Euro-Scheine in einer Geldkassette (Symbolbild): Immer mehr Deutsche können sich einen Alltag ohne Bargeld vorstellen. (Quelle: imago images/Frank Sorge)

50-Euro-Scheine in einer Geldkassette (Symbolbild): Immer mehr Deutsche können sich einen Alltag ohne Bargeld vorstellen. (Quelle: Frank Sorge/imago images)

Nur Bares ist Wahres? Weit gefehlt. t-online.de liegen Zahlen einer exklusiven Umfrage vor, die zeigen: Viele Menschen in Deutschland malen sich die Zukunft anders aus.

Jeder dritte Verbraucher in Deutschland kann sich ein Leben ohne Bargeld vorstellen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts Innofact im Auftrag des Vergleichportals Verivox hervor. Die Zahlen liegen t-online.de exklusiv vor.

Umfrage zu Bezahlverfahren (Quelle: t-online.de) (Quelle: t-online.de)

Besonders jüngere Menschen halten demnach ein Leben ohne Münzen und Geldscheine für möglich. Unter den 18- bis 29-Jährigen gab mit rund 46 Prozent fast die Hälfte der Befragten an, dass sie künftig komplett auf Bargeld beim Bezahlen verzichten könnten. Sie würden an der Kasse dann ausschließlich mit EC- oder Kreditkarten und per Smartphone-App bezahlen. Nur ein Drittel der Jüngeren hält das für ausgeschlossen.

Anders sieht es bei älteren Menschen aus. Unter den Umfrageteilnehmern im Alter von 30 bis 49 Jahren sind es noch immerhin knapp 39 Prozent, die sich ein bargeldloses Leben vorstellen können. Bei den Befragten im Alter zwischen 50 und 69 Jahren ist es nur noch jeder Vierte (rund 23 Prozent). Umgekehrt sagen fast 61 Prozent der ältesten Teilnehmergruppe, dass sie beim Bezahlen nicht auf Bargeld verzichten würden.

Auffällig ist dabei, dass sich Männer eher vorstellen können, ohne Bargeld zu bezahlen, als Frauen. Während unter allen männlichen Teilnehmern rund 37 Prozent glauben, dass sie künftig allein elektronisch bezahlten, waren es unter den weiblichen Befragten nur rund 30 Prozent.

Dänen nutzen EC- und Kreditkarten fast sechsmal so viel wie Deutsche

Insgesamt deuten die Zahlen auf eine langsame Verschiebung in der Wahrnehmung von Bargeld in Deutschland hin – die sich auch mit Beobachtungen der Europäischen Zentralbank (EZB) deckt. Während die Deutschen im Jahr 2014 laut einer EZB-Studie pro Kopf auf nur 42,4 Zahlungsvorgänge mit EC- oder Kreditkarten kamen, waren es 2018 im Schnitt immerhin schon 63,9 Transaktionen – pro Jahr.

Die Zahl der bargeldlosen Bezahlvorgänge in Deutschland wächst also. Im Vergleich zu den übrigen EU-Staaten ist sie aber dennoch gering: Der EZB-Studie zufolge kamen etwa die Briten im Jahr 2018 auf 331,5 Kartenzahlungen pro Kopf, die Dänen im Schnitt gar auf 364,1 Transaktionen.

Ein Grund dafür ist auch, dass gerade kleine Beträge hierzulande noch häufig bar beglichen werden, wie auch die jüngsten Zahlen der aktuellen Verivox-Umfrage nahelegen. Demnach gaben rund 51 Prozent der insgesamt 1.000 befragten Frauen und Männer an, dass sie einen Supermarkteinkauf im Wert von 20 Euro bar bezahlen würden. Etwa 35 Prozent nutzen dafür ihre EC-Karte, knapp 10 Prozent die Kreditkarte.

Frauen bezahlen lieber mit Bargeld als Männer

Auch bei dieser Frage gilt, dass jüngere Menschen eher zur Karte greifen würden. Unter den Befragten zwischen 18 und 29 Jahren gaben fast 56 Prozent an, per EC- oder Kreditkarte zu zahlen. Die Teilnehmer im Alter von 50 bis 69 Jahren hingegen bezahlten an der Supermarktkasse überwiegend mit Münzen und Scheinen (64 Prozent).

Erneut haften Frauen der Umfrage zufolge beim Bezahlen ein klein wenig mehr am Bargeld als Männer. Während exakt 50 Prozent der männlichen Teilnehmer den Supermarkteinkauf bar begleichen würden, belief sich der Anteil unter den weiblichen Teilnehmern auf rund 52 Prozent.

Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) beobachtet einen klaren Trend zur Kartenzahlung. Die Abkehr vom Bargeld vollziehe sich aber langsam. "Pro Jahr wächst der Kartenumsatz zwischen 1 und 1,5 Prozent. Das Bargeld wird im Handel also auch weiterhin noch eine große Rolle spielen", sagte HDE-Sprecher Ulrich Binnebüßel t-online.de.

96 Prozent aller Einkäufe bis fünf Euro zahlen Deutsche bar

Besonders gelte das für die angesprochenen Kleinstumsätze: 96 Prozent aller Einkäufe bis zu fünf Euro bezahlten die Deutschen bar. "Gleichwohl sehen wir auch bei diesen Summen Bewegungen hin zu mehr Kartenzahlung", so Binnebüßel. Ein Grund dafür: die stärkere Verbreitung von so genannten Kontaktloskarten. Bei diesen müssen Kunden ihre EC- oder Kreditkarte nicht mehr in das Lesegerät stecken und sich per PIN-Abfrage oder Unterschrift als Kontoeigentümer identifizieren – es reicht das bloße Auflegen der Karte auf das Lesegerät.

"Das empfinden viele Menschen als sehr komfortabel, auch bei niedrigen Beträgen", so Binnebüßel. "Im ersten Halbjahr 2019 hat der Einzelhandel 21 Prozent mehr kontaktlose Transaktionen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum registriert." Vereinzelt berichteten Händler gar, dass kontaktlose Bezahlungen bis zu 30 Prozent ihrer Umsätze ausmachten. Binnebüßel dazu: "Das kontaktlose Bezahlen setzt sich durch."

Zuletzt hatte das auch eine Umfrage der Bundesbank bestätigt. Der Erhebung zufolge nutzen inzwischen 32 Prozent der Besitzer von kontaktlosen EC-Karten die Funktion regelmäßig. Unter den Kreditkartennutzern sind es demnach 39 Prozent.

Verwendete Quellen:
  • Verivox-Umfrage
  • EZB-Studie
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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