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Stagflation: Das neue Risiko für Deutschland ist ein altes


Das neue Risiko für Deutschland ist ein altes

Von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 12.10.2021Lesedauer: 3 Min.
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Alle Hoffnungen ruhen auf einer kräftigen Erholung der Wirtschaft nach der Pandemie. Nun aber werden die Aussichten moderater. Allein die Inflation steigt noch deutlich.

Bisher waren die steigenden Inflationsraten beunruhigend, aber nicht beängstigend. Jetzt aber schauen die Volkswirte der Unternehmen und der Wirtschaftsforschungsinstitute zusätzlich besorgt auf die Produktionsdaten der Industrie.

Die nämlich gehen zurück – anstatt dem Aufschwung ein sicheres Fundament zu verschaffen. Das neue Risiko ist ein altes: Wachstumsschwäche bei gleichzeitig hoher Geldentwertung. Wie dauerhaft es diesmal ist, werden die kommenden Monate zeigen.

Für die Älteren (in Westdeutschland) scheint sich eine schaurige Begegnung mit alten Zeiten anzubahnen: Sie erinnern sich an die Stagflation der 1970er-Jahre.

Das Horror-Szenario der 70er-Jahre

Damals stieg die Inflation wegen des Lieferboykotts der arabischen Ölländer auf zweistellige Werte. Bürger und Unternehmen wurden schlagartig pessimistisch: Sie kauften keine Autos mehr, und schränkten den Konsum ein.

Die Firmen investierten nicht mehr wie geplant, das Wirtschaftswachstum lahmte. Die Arbeitslosigkeit stieg. Dennoch drehte sich die Lohnspirale. In vielen Ländern der Welt versuchten die Regierungen, die Konjunktur wieder auf Trab zu bringen, indem sie sich verschuldeten und gewaltige Konjunkturprogramme auf den Weg brachten.

Das Resultat war niederschmetternd. Am Ende der 70er-Jahre steckten die Industrieländer des Westens nahezu ausnahmslos in der Stagflation: Inflation, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit hoch, Wachstum mau.

Mehr Marktwirtschaft beendete die Stagflation

Beendet wurde diese Schwächephase erst, als sich die Wirtschafts- und Geldpolitiker wieder an ein paar marktwirtschaftliche Grundsätze erinnerten. Die Notenbanken erhöhten die Zinsen und beendeten die Spirale von Inflation und Lohnerhöhungen.

Viele Regierungen – in Deutschland angeführt von dem liberalen Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff – machten Schluss mit den staatlichen Nachfrageprogrammen, schnitten die Sozialausgaben zurück, und konzentrierten sich auf die Bedingungen, zu denen Unternehmen investieren.
Für einen Vergleich mit der aktuellen Situation gibt es einen fundamentalen Unterschied: In den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts traten die Konsumenten und Investoren auf die Bremse, es gab einen Einbruch bei der Nachfrage.

Der Lieferstau sollte sich nach Corona auflösen

Heute ist es umgekehrt. Die Unternehmen können nicht liefern, was bestellt wird. Das Angebot ist der Flaschenhals für den Aufschwung. Wenn Speicherchips und Bauholz wieder verfügbar sind, wenn in Vietnam die Fabriken wieder aufmachen und Sneakers herstellen, Schiffscontainer wieder zuverlässig be- und entladen werden, sollte sich dieser Stau lösen. Dann wäre der Nach-Corona-Aufschwung nur gebremst, aber nicht gestoppt.

Allerdings gibt es zwei Einschränkungen für dieses freundliche Szenario, dass die führenden Konjunkturforscher des Landes an diesem Donnerstag der künftigen Bundesregierung voraussichtlich in Aussicht stellen werden: die Klimapolitik, und die Demografie.

  • Erstens: Nicht nur der Konsum wird zur Zeit gebremst, auch die Investitionen bleiben schwach. Viele Unternehmen wissen nicht, wie sie den Umbau zu einer klimaneutralen Produktion bewältigen können. Sie investieren nicht mehr in Produktionskapazitäten, die auf der Verbrenner-Technologie beruhen, und sind mit Ausgaben für klimafreundliche Verfahren noch sehr zurückhaltend. Abwarten ist betriebswirtschaftlich klug, volkswirtschaftlich aber wächst sich die Sache zum Problem aus. Kapazitäten, die heute nicht gebaut oder modernisiert werden, fehlen morgen. Der versprochene grüne Wirtschaftsboom ist bisher jedenfalls nicht zu erkennen.
  • Zweitens: Die Alterung der Bevölkerung: In den kommenden Jahren erreichen die Babyboomer das Rentenalter. Das ist nicht nur ein Problem für die Rentenversicherung. Es ist auch eines für die Unternehmen, Anwaltskanzleien, Arztpraxen und Verwaltungen. Die Arbeitskräfte-Knappheit wächst, der Lohndruck steigt, es wird wegen des Mangels an Facharbeitern nicht mehr investiert – und die Inflation könnte uns länger erhalten bleiben, als heute prognostiziert.

Mit dem ersten der beiden Einwände könnte die neue Bundesregierung schnell fertig werden, wenn sie vernünftige Rahmenbedingungen schafft, mit denen die Unternehmen den Wandel gestalten können. Mit dem zweiten aber wird es schwieriger.

Denn auch wenn die neue Bundesregierung ein neues, noch liberaleres Einwanderungsgesetz auf den Weg bringen würde, dauert es eine Weile, bis sich die Migration positiv bemerkbar macht. Schon aus diesem Grund sind die Koalitionsverhandlungen zwischen Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen entscheidend.

Denn die nächste Bundesregierung wird die Weichen neu stellen: für Investitionen, Rente, Einwanderung. Nur wenn sie es klug tut, kann das Wachstum dauerhaft Fahrt aufnehmen.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neuer Bestseller heißt: Die Kanzlerin. Porträt einer Epoche. Sie können es jetzt bestellen.

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