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Wirtschaftsstandort Deutschland: Diese Probleme muss die Ampelkoalition lösen


Deutschlands Schwächen liegen offen – jetzt gilt es zu handeln

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

23.11.2021Lesedauer: 3 Min.
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Ein Mitarbeiter in der Automobilproduktion (Symbolbild): Der Fachkräftemangel könnte den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden, schreibt Kolumnistin Ursula Weidenfeld.
Ein Mitarbeiter in der Automobilproduktion (Symbolbild): Der Fachkräftemangel könnte den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden, schreibt Kolumnistin Ursula Weidenfeld. (Quelle: imago-images-bilder)
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In Deutschland wird zu wenig investiert, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Und der Fachkräftemangel macht den Unternehmen zu schaffen. Was die Ampelkoalition jetzt angehen muss.

Vom früheren deutschen Fußballnationalspieler Andi Brehme stammt die legendär schlichte Wahrheit: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß." So mögen sich die Ampelkoalitions-Verhandler fühlen, die in diesen Tagen ihr Regierungsprogramm mit Vorfreude und Optimismus vorstellen wollen, und dennoch ahnen: Irgendetwas stinkt hier. Nur was?

Konkret geht es um die Aussichten des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Nur, wenn die Wirtschaft gut läuft, wenn das Wachstum stimmt und die Unternehmen kräftig investieren, lassen sich die Pläne der Koalition verwirklichen. Doch die sinkende Investitionsbereitschaft in- und ausländischer Unternehmen in Deutschland könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

Studie: Investitionsquote ist zu niedrig

In den kommenden Jahren müssen Hunderte Milliarden Euro investiert werden, um den Umbau der Wirtschaft zur Klimaneutralität zu bewältigen. Die Bereitschaft dafür ist auf dem Tiefpunkt.

Erst in der vergangenen Woche hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eine Studie vorgelegt, wonach ausländische Unternehmen den Standort Deutschland immer kritischer beurteilen. Das Statistische Bundesamt liefert die Zahlen dazu. Im vergangenen Jahr hat die deutsche Industrie fast 14 Prozent weniger investiert als vor der Corona-Pandemie.

Zwar wird ein Teil dieser Investitionen wahrscheinlich in den kommenden Jahren nachgeholt. Doch die Investitionsquote der deutschen Wirtschaft ist insgesamt schon seit Jahren zu schlapp, um den Standort wettbewerbsfähiger zu machen.

Fachkräftemangel schwächt die Wirtschaft

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag liefert ein weiteres Argument für die Investitionsschwäche: Danach haben mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland – mehr als vor der Corona-Krise – Probleme, ihre offenen Stellen zu besetzen. Da überlegt man zwei Mal, bevor man Geld für Kapazitäten ausgibt, die man am Ende nicht sinnvoll betreiben kann.

Corona hat Deutschlands Schwächen so deutlich gezeigt, wie die Zeit vorher die Stärken des Standortes ausgeleuchtet hat. Waren bis zum Jahr 2019 die gut ausgebildeten Facharbeiter, die technische Überlegenheit der Familienunternehmen, die enge Verzahnung von wissenschaftlicher Forschung und Unternehmen die wichtigsten Argumente, in Deutschland zu investieren, nimmt die Bedeutung dieser Standortfaktoren ab.

Jetzt bemerken die Investoren den Facharbeitermangel, die miserable digitale Infrastruktur, die hohen Steuern, die enormen Kosten für Energie. Seit Jahren entwickeln sich auch die Regionen auseinander, die Investitionsschwäche von Familienunternehmen in entlegeneren Regionen ist schon notorisch.

Hoher Lebensstandard allein reicht nicht

Gut finden die Investoren gerade noch den Lebensstandard und die öffentliche Sicherheit in diesem Land. Keine Frage, auch das ist wichtig. Doch der Lebensstandard ist eine flüchtige Größe, wenn nicht mehr investiert wird. Und genügend privates Kapital für den bevorstehenden Umbau der Wirtschaft lässt sich mit dem Hinweis auf gepflegte Vorgärten und gut betuchte Senioren auch nicht mobilisieren.

Das hat schwerwiegende Folgen, an denen die künftige Regierungskoalition nicht vorbeischauen darf. Wer nicht investiert, verpasst mittelfristig technologisch den Anschluss. Investiert beispielsweise der Maschinenbau immer weniger im eigenen Land, zerbröselt auch das Versprechen, künftig die Umwelt-Technologien der Welt mit einem "Made in Germany"-Siegel zu liefern. Denn wer Technologie verkaufen will, muss sie erst einmal entwickeln.

Scholz muss Deutschland attraktiv machen

Es ist bitter, aber wahr: Angela Merkel hat als Kanzlerin von einer Vielzahl günstiger Bedingungen profitiert, deren Voraussetzungen sie nicht schaffen musste. Gerhard Schröders Agenda 2010 hat den Arbeitsmarkt liberalisiert, die Finanzkrise eine Dekade niedriger Zinsen herbeigeführt. Der Aufstieg Chinas sorgte für einen enormen Nachfragesog, und die wirtschaftliche Schwäche des europäischen Südens bescherte dem Standort einen ständigen Zustrom gut gebildeter Arbeitskräfte.

Auf einen Kanzler Olaf Scholz wartet das Gegenteil davon. Ausgerechnet Sozialdemokraten und Grüne werden in den nächsten Jahren dafür arbeiten müssen, dass Deutschland nicht von der Landkarte attraktiver Investitionsstandorte verschwindet.

Sie werden die Steuern senken müssen, statt sie anzuheben. Sie müssen die Energiekosten drücken, Bürokratie abbauen, die Sozialversicherungskosten senken. Nur dann wird Deutschlands Wirtschaft ordentlich wachsen können, und nur dann wird der Standort auch für Investoren wieder interessanter.

Von all dem steht nicht viel im Koalitionsvertrag. Doch die Begegnung mit der Realität wird schneller kommen als erwünscht. Oder, um es mit Andi Brehme zu sagen: "Uns steht heute ein hartes Programm ins Gesicht."

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt: Die Kanzlerin. Porträt einer Epoche.

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