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Deshalb braucht Deutschland mehr Überstunden

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

Aktualisiert am 29.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Christian Lindner bei einer Messe: Der Vorschlag des Finanzministers ist auf heftige Kritik gestoßen.
Christian Lindner bei einer Messe: Der Vorschlag des Finanzministers ist auf heftige Kritik gestoßen. (Quelle: Andreas Rentz/getty-images-bilder)
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Der Finanzminister hat einen Vorschlag, um Deutschland in der Krise auf Kurs zu halten. Die Empörung darüber ist groß. Zu Unrecht.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat am Wochenende vorgeschlagen, der Wirtschaftskrise, der Inflation und dem Wohlstandsverlust mit Überstunden zu begegnen. Dafür gab es nur Kritik, auch auf der t-online-Seite. Die Empörung ist zumindest voreilig. Denn Linder hat recht.

Wenn alles teurer wird, hat man drei Möglichkeiten, sein persönliches Budget in Ordnung zu halten: Man arbeitet (und verdient) mehr, löst finanzielle Reserven auf, oder man verbraucht weniger. Dass der Bundesfinanzminister darauf per Twitter hinweist, ist vielleicht unsensibel. Doch es ist weder zynisch, menschenverachtend noch falsch.

Das einzig Gute an der Krise, die uns bevorsteht, ist, dass sie mutmaßlich auf dem Arbeitsmarkt keine Katastrophe auslösen wird. Fünf Millionen Arbeitslose wie vor 20 Jahren sind (jedenfalls wahrscheinlich) nicht zu befürchten, im Gegenteil. Auch in der Krise wird es vermutlich zu wenig Arbeitskräfte geben, vom Tellerwäscher bis zum Informatiker.

Nicht alle können mehr arbeiten

Das ist ein großes Glück. Sich weniger als früher sorgen zu müssen, ob man arbeitslos wird und eine neue Stelle finden kann, entlastet Arbeitnehmer enorm. Dennoch wird die Krise für jeden spürbar. Jeder muss für die Nebenkostenabrechnung sparen, jede bezahlt im Supermarkt und an der Tankstelle mehr, und wenn man einen Kredit braucht, ist der viel teurer als noch vor drei Monaten. Wenn der Arbeitgeber in einer solchen Lage Überstunden anbietet, ist das für viele ein Ausweg.

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Allerdings: Zusätzliche Überstunden sind für viele Arbeitnehmer tatsächlich keine Option, weil sie ohnehin schon viel arbeiten. Für eine Gruppe aber sind sie willkommen, weil sie gern mehr arbeiten würde.

Im Arbeitsvertrag steht, ob und zu welchem Preis der Arbeitgeber Mehrarbeit von seinen Beschäftigten verlangen darf. Überdies wird die Frage meistens von Tarifverträgen kollektiv geregelt, und der Betriebsrat redet auch mit. Mehr als 48 Stunden in der Woche darf niemand arbeiten, nur ganz ausnahmsweise sind auch mal 60 Stunden erlaubt – aber nur, wenn diese Arbeitszeit zeitnah durch Freizeit ausgeglichen wird.

Teilzeitkräfte haben noch Potenzial

Tatsache ist, dass in Deutschland mehr denn je gearbeitet wird. Rund 63 Milliarden Stunden werden pro Jahr (Stand 2019) auf der Arbeit verbracht – 2010 waren es nur 58,5 Milliarden Stunden. Zwar jammern Arbeitgeber über die Generation "Work-Life-Balance", doch das trifft die Sache nicht ganz. Die Arbeit verteilt sich nur anders als früher: Wurde früher in Teilzeitstellen weniger als zehn Stunden in der Woche gearbeitet, sind es heute etwa 20. Vollzeitkräfte arbeiten durchschnittlich übrigens auch heute noch mehr als 41 Stunden in der Woche. Für regelmäßige Überstunden ist bei ihnen kaum noch Luft.

Im Gegenteil. Vor allem Männer in Vollzeit wünschen sich ein paar Stunden mehr Freizeit in der Woche. Viele Teilzeitkräfte dagegen würden gerne mehr arbeiten.

Hier liegt der wahre Kern für Lindners Überstundenidee. Bisherige Teilzeitkräfte könnten ihre Arbeitszeit eher aufstocken und Überstunden machen, und damit nicht nur ihr Budget in der Waage halten. Gleichzeitig würden sie helfen, den strukturellen Engpass auf dem Arbeitsmarkt zu lindern. Das Wirtschaftswachstum könnte auch besser ausfallen, wenn (noch) mehr gearbeitet würde.

Geänderte Arbeitsverträge wären Alternative

Ob das am Ende durch Überstunden geschieht, oder durch einen geänderten Arbeitsvertrag mit mehr Stunden, oder durch einen zusätzlichen Minijob, ist Geschmackssache. Überstunden werden besser bezahlt. Ein höheres reguläres Stundenkontingent bietet mehr Sicherheit.

Selbst wenn es im Winter wegen des Energiemangels vermehrt zu Kurzarbeit käme, können Bundesregierung und Arbeitgeber – wie schon in der Corona-Pandemie – dafür sorgen, dass die Lohneinbußen für die Einzelnen nicht zu schlimm ausfallen. Sie können großzügig Nebentätigkeiten erlauben, ohne dass das Kurzarbeitergeld gekürzt wird.

Klar: Die berechtigten Sorgen von Beschäftigten mit einem flapsigen Tweet vom Tisch zu wischen, ist nicht klug. Doch in der Sache hat Christian Lindner gute Argumente auf seiner Seite.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt: Die Kanzlerin. Porträt einer Epoche.

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