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Anleger verlieren Millionen: "Mini-Madoff" vor Gericht

Anlagebetrug  

Anleger verlieren Millionen: "Mini-Madoff" vor Gericht

28.02.2011, 16:20 Uhr | dpa-AFX, t-online.de, dpa-AFX

Anleger verlieren Millionen: "Mini-Madoff" vor Gericht. "Mini-Madoff" Helmut Kiener muss vor Gericht (Foto: imago)

"Mini-Madoff" Helmut Kiener muss vor Gericht (Foto: imago)

Jetzt wird es ernst für Helmut Kiener: Der als "Mini-Madoff" bekanntgewordene Manager muss sich ab kommendem Mittwoch (2. März) unter anderem wegen mutmaßlichen Betrugs vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Kiener wurde im Herbst 2009 deutschlandweit bekannt, der studierte Psychologe soll jahrelang auf Kosten seiner Opfer in Saus und Braus gelebt haben. Nach diversen Anzeigen kamen Finanzermittler dem 51-Jährigen auf die Schliche und durchschauten sein kompliziertes Firmengeflecht, mit dem er etwa 5000 Privatanleger und internationale Großbanken um rund 345 Millionen Euro geprellt haben soll.

Kiener droht ähnliches Schicksal wie Madoff

Sollte der zweifache Familienvater aus Aschaffenburg ähnlich wie der New Yorker Ex-Broker Bernard L. Madoff mit einem Schneeballsystem seine Kunden absichtlich geschädigt haben, dürfte er zu einer jahrelangen Freiheitsstrafe verurteilt werden. Madoff hatte das größte bekannte Schneeballsystem der Geschichte aufgezogen (46 Milliarden Euro) - derzeit verbüßt er eine Haftstrafe von 150 Jahren.

Die Anklageschrift in einem der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland umfasst rund 630 Seiten. Kiener wird Betrug in 35 Fällen, Urkundenfälschung in 86 Fällen sowie Steuerhinterziehung in fünf Fällen zur Last gelegt. Ein mutmaßlicher Komplize steht wegen Beihilfe zum Betrug in zwei Fällen vor der Wirtschaftskammer, drei weitere Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft. Ein weiterer Verdächtiger hatte sich das Leben genommen, als er verhaftet werden sollte.

Französische und englische Banken unter den Geschädigten

Im Zuge des Schneeballsystems hat Kiener nach Erkenntnis der Staatsanwaltschaft den Anlegern, darunter sind auch die britische Barclays Capital Bank sowie die französische BNP Paribas, enorm hohe Renditen versprochen. Eine Auszahlung des angeblichen Gewinns soll nur durch das Geld neuer Kunden möglich gewesen sein. Den Banken fiel nicht auf, wohin ihr Geld wanderte, den Privatanlegern erst recht nicht. "Zweifelnden Fragern hat er Sand in die Augen gestreut", heißt es bei der Staatsanwaltschaft über Kiener. Das System von Hedge-Fonds in der Karibik und zig Unternehmen war wohl ziemlich ausgeklügelt.

"Herr Kiener hatte es in seiner (gesicherten finanziellen) Situation nicht nötig und auch nicht beabsichtigt, auf eine derart subtile Weise Straftaten zu begehen", teilten hingegen Ende 2009 seine damaligen Münchner Anwälte mit. "Er hatte hinsichtlich der Geldanlagen die besten Absichten und wollte das Geld gesichert in guten Sachwerten investiert sehen." Mittlerweile wird Kiener von einer Rechtsanwaltskanzlei aus Würzburg vertreten.

Luxusleben in Übersee

Für die Ermittler stellt sich die Sache so dar: Mit den Millionen seiner Kunden finanzierte sich der Hedge-Fonds-Manager aus der fränkischen Provinz wahrscheinlich jahrelang sein kostspieliges Leben. Zwei Flugzeuge, einen Hubschrauber, Häuser in Florida und ein großes Grundstück in Aschaffenburg - das Luxusstreben des gebürtigen Oberpfälzers kannte dem Haftbefehl nach zu urteilen keine Grenzen.

Wie viel Geld noch übrig ist, ist bisher unklar. Einige geschädigte Anleger haben erfolgreich zivilrechtliche Arrestbefehle beantragt und sich damit Zugriff auf das Privatvermögen des Geschäftsmannes verschafft. Gepfändet wurden unter anderem Grundstücke von Kiener und Geld, das als Spareinlagen seiner Kinder bei einer Bank angelegt worden war. Die Fonds hingegen sollen fast mittellos sein - die Investitionen der Anleger sind vermutlich weg.

Helmut Kiener ist in Finanzkreisen bundesweit bekannt. Die Bankenaufsicht BaFin hatte den umtriebigen Manager schon mehrmals im Visier. "Wir haben verschiedene Untersagungsverfügungen im Laufe der Jahre an ihn und seine Gesellschaften verschickt", erklärte ein BaFin-Sprecher im Oktober 2009, kurz nach der Festnahme des Geschäftsmanns.

Verfahren dürfte sich hinziehen

Das nun anstehende Mammutverfahren könnte sich bis ins nächste Jahr hinziehen, es sei denn, Kiener gesteht alles. Das ist aber unwahrscheinlich. Entgegen ersten Befürchtungen muss die umfangreiche Anklageschrift am kommenden Mittwoch nicht komplett vorgelesen werden. Einer Aufzählung von Einzelheiten, die sich über Tage hinzieht, könnten weder die Prozessbeteiligten noch die Zuhörer folgen, entschied der Bundesgerichtshof kürzlich. Dennoch wird es wohl Stunden dauern, bis alle Vorwürfe vorgetragen sind.

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