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Schlecker-Anklage: Hat der Drogerie-König Geld versteckt?

Staatsanwaltschaft Stuttgart  

Schlecker-Anklage: Hat er Geld versteckt?

14.04.2016, 19:25 Uhr | dpa-AFX, dpa, rtr

Schlecker-Anklage: Hat der Drogerie-König Geld versteckt?. Bildmontage der Schlecker-Familie von 2009: Anton Schlecker, seine Frau Christa und die Kinder Lars und Meike sind wegen zahlreicher Vergehen angeklagt worden. (Quelle: ddp images)

Bildmontage der Schlecker-Familie von 2009: Anton Schlecker, seine Frau Christa und die Kinder Lars und Meike sind wegen zahlreicher Vergehen angeklagt worden. (Quelle: ddp images)

Nach Bekanntwerden der geplanten Anklage gegen den ehemaligen Drogerie-König Anton Schlecker hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Vorwürfe detailliert erläutert. Demnach soll Schlecker kurz vor dem Niedergang seines Handelsimperiums in 36 Fällen viel Geld beiseite geschafft haben.

Die Staatsanwälte werfen ihm vor, damit sein Vermögen vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt zu haben, als sich die Pleite bereits abzeichnete. Darüber hinaus soll Schlecker 2009 und 2010 den Zustand des Konzerns im Konzernabschluss falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht haben.

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Stuttgart ermittelte jahrelang in dem Fall. Neben dem 71 Jahre alten Firmenpatriarchen sind auch seine Ehefrau Christa, seine zwei Kinder sowie zwei Wirtschaftsprüfer angeklagt. Sie alle sollen Anton Schlecker beim vorsätzlichen Bankrott geholfen haben.

Auf Bankrott steht eine Strafe von bis zu fünf Jahren, bei besonderes schweren Fällen bis zu zehn Jahren Haft. Über die Zulassung der Anklage entscheidet nun das Landgericht Stuttgart. Ob das noch in diesem Jahr passieren wird, ist offen.

Vorwürfe auch gegen Schlecker-Kinder

Schleckers Kinder Meike und Lars müssen sich zudem wegen Insolvenzverschleppung und Untreue verantworten. Sie sollen das Logistikunternehmen LDG als faktische Geschäftsführer um mehrere Millionen Euro geschädigt haben: Obwohl sie von den Schulden und Verlusten des Unternehmens wussten, sollen sie sich Millionen Euro als angebliche Gewinne aus dem Geschäftsjahr 2011 haben ausschütten lassen.

Außerdem sollen sie ihrer Mutter mehr als 50.000 Euro für nie geleistete Beratertätigkeiten auf das Privatkonto überwiesen haben. Auch weitere 19.000 Euro sollen illegal auf das gleiche Konto der Mutter geflossen sein. Meike und Lars Schlecker hätten zudem bewusst versäumt, rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen.

Die beiden mitangeklagten Wirtschaftsprüfer sollen die falsche Bilanzierung Schleckers zwar erkannt, aber dennoch erklärt haben, dass die Jahresabschlüsse den gesetzlichen Vorgaben entsprächen.

Anton Schlecker und seine Familie - die Angeklagten

Anton Schlecker: Der Metzgermeister aus Ulm eröffnete 1975 den ersten Schlecker-Drogeriemarkt. Er baute ein Imperium auf und beschäftigte in Glanzzeiten mehr als 55.000 Menschen. Schon zu guten Zeiten scheute Schlecker aber öffentliche Auftritte. Bis heute äußerte er sich weder zur Pleite noch zu den strafrechtlichen Ermittlungen. Bekannte schildern ihn als umgänglichen Menschen, im Betrieb galt er als geiziger Geschäftsmann. Bekannt ist seine Liebe zu schnellen Autos.

Christa Schlecker: Sie war über viele Jahre Schleckers rechte Hand, gilt als "resolut". Gemeinsam mit Anton inspizierte sie Filialen und schaute, ob etwa die Regale richtig bestückt und der Boden gewischt wurde.

Lars Schlecker: Der 44-jährige studierte Wirtschaft und war ab 2010 mit seiner Schwester führend im elterlichen Betrieb tätig. An Weihnachten 1987 entführten drei Männer ihn und seine Schwester im Kindesalter aus dem Haus von Anton Schlecker. Der handelte das Lösegeld für seine Kinder herunter und zahlte den Entführern eine Summe von 9,6 Millionen Mark. Die beiden 14 und 16 Jahre alten Kinder kamen wieder frei. "Aber ich muss deutlich sagen: Er ist ein Geschäftsmann, kein Unmensch", sagte Sohn Lars einst dem "Manager Magazin" über seinen Vater.

Meike Schlecker: Im Januar 2012 trat Meike Schlecker im Namen der Familie vor die Presse, um die Insolvenz der Drogerie-Kette zu verkünden - der erste Auftritt vor Journalisten seit den 1990er Jahren. Auch die 42-Jährige war lange bei Schlecker tätig. Mit ihrem Bruder führte sie zwei Logistikfirmen. Auch diese gingen insolvent, sie hatten nur einen einzigen großen Kunden: Schlecker.

"Zweistelliger Millionenbetrag"

Es geht um viel Geld. "Insgesamt ein zweistelliger Millionenbetrag", sagte Staatsanwalt Jan Holzner. An der strafrechtlichen Aufarbeitung ist auch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz interessiert. Nach einem Streit um übertragenes Vermögen zahlte ihm die Familie bereits 2013 10,1 Millionen Euro. Geiwitz werde je nach den Ergebnissen der strafrechtlichen Ermittlungen weitere Rechte der Gläubiger geltend machen, teilte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung mit.

Anton Schlecker führte seinen Konzern als "eingetragener Kaufmann" (e.K.). Dank dieser Rechtsform konnte er viel Geheimniskrämerei um sein Drogerie-Imperium betreiben. Bei Kreditvergaben hatte er zudem bessere Karten.

"Wir haben da nicht die Publizitätspflichten, der kann im stillen Kämmerlein vor sich hin werkeln", sagte der Frankfurter Juraprofessor Matthias Jahn. Doch der Preis dafür war am Ende hoch: Schlecker haftete mit seinem kompletten Privatvermögen für alle Schulden.

"Die übliche Verteidigungsstrategie in Bankrottverfahren ist: Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich schon derart überschuldet bin", sagte Jahn. Die Staatsanwaltschaft sieht 13 von 36 Fälle als besonders schwer an.

Europas ehemals größte Drogeriekette Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Etwa 25.000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Die Gläubiger forderten rund eine Milliarde Euro. Das Handelsunternehmen aus Baden-Württemberg hatte zu seinen Bestzeiten rund 9000 Märkte im In- und Ausland mit 50.000 Beschäftigten.

Gericht lässt sich mit Prüfung Zeit

Die Anklageschrift ist beim Stuttgarter Landgericht eingegangen und nach Angaben des Gerichts auch überwiegend an die Beschuldigten zugestellt worden. Die Kammer prüft nun die Akten und wird dann entscheiden, ob es zur Hauptverhandlung kommt.

"Ich vermute nicht, dass das Gericht in absehbarer Zeit eine Entscheidung trifft", sagte eine Sprecherin. Es sei durchaus möglich, dass die Kammer erst im nächsten Jahr entscheidet. Die

Anwalt warnt vor Vorverurteilung

Familie Schlecker war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Anton Schleckers Rechtsanwalt wehrte sich aber gegen eine Vorverurteilung in der Öffentlichkeit. "Voreilige Festlegungen verbieten sich angesichts des Stands und des Inhalts des Verfahrens", sagte Norbert Scharf.

"Die mit der Anklage aufgeworfenen Fragen betreffen einen umfangreichen, komplexen und rechtlich schwer einzuordnenden Sachverhalt aus der Historie der Firma Schlecker", so der Strafverteidiger zur Begründung. Zu den Vorwürfen im einzelnen werde er sich gegenüber dem Landgericht Stuttgart äußern.

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