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Wie wirke ich auf andere?: Im Pferdetraining Teamarbeit lernen

Wie wirke ich auf andere?  

Im Pferdetraining Teamarbeit lernen

08.04.2019, 18:04 Uhr | dpa

Wie wirke ich auf andere?: Im Pferdetraining Teamarbeit lernen. Als Fluchttiere reagieren Pferde sensibel auf die Ausstrahlung von Menschen: Hannelore Schild-Vogel, Teilnehmerin des Trainings mit Pferden, streichelt das Pferd Enki.

Als Fluchttiere reagieren Pferde sensibel auf die Ausstrahlung von Menschen: Hannelore Schild-Vogel, Teilnehmerin des Trainings mit Pferden, streichelt das Pferd Enki. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa/tmn) - Die Nüstern tief im Heu vergraben, futtern die acht Hengste genüsslich und schnauben zufrieden. Vor ihnen im Offenstall sitzen fünf Menschen und lauschen mit geschlossenen Augen den Geräuschen rundherum.

Diese Leute verbindet eines: Sie haben beruflich mit anderen Menschen zu tun. Mit Hilfe der Pferde wollen sie erfahren, wie sie auf Leute in ihrem Umkreis wirken. Auf der Stutenmilchfarm Grüne Oase in Bredow bei Berlin haben sie den halbtägigen Workshop "Meditation und Teamtraining" gebucht. Ebenfalls als Teilnehmer anwesend: Speziell ausgebildete Hengste.

Pferde spiegeln Verhalten

"Hengste sind sehr soziale Wesen mit hochsensiblen Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen", sagt Pferdewirtin Elvira Hagen, die Geschäftsführerin der Farm ist. "Die Pferde spiegeln das Verhalten des Menschen wider, der mit ihnen zusammen ist. Wer zu dominant ist, den werden sie meiden oder sich widersetzen. Wer zu zaghaft ist, den werden sie ignorieren. Ziel meiner Arbeit ist, gezeigte Verhaltensmuster mit den Kursteilnehmern aufzuarbeiten", sagt sie.

Pferde werden vielfach in Therapien oder Trainings eingesetzt. Die Wirkung wissenschaftlich zu belegen, ist schwierig und bisher wenig erforscht. Studien zeigen aber die besondere Beziehung von Pferd und Mensch. So fand ein japanisches Forscherteam 2018 heraus, dass Pferde Informationen wie die Körpersprache und den Gesichtsausdruck von fremden Spezies wie Menschen wohl in Sekunden analysieren können. Nur wenn Pferde auf minimale Signale reagieren, können sie Rangeleien untereinander vermeiden und damit einer potenziellen Verletzungsgefahr vorbeugen. Sich zu verletzen, wäre für die Fluchttiere tödlich.

Fokussierung auf die eigenen Ziele

Unter den fünf Kursteilnehmern auf der Pferdefarm in Bredow ist zum Beispiel die Psychologin Dr. Annegrit Kahle aus Brieselang. Sie nehme am Kurs teil, um ein Feedback ihrer Präsenz und Ausstrahlung zu bekommen, wenn sie mit Patienten arbeitet, erzählt sie.

Nach einer Meditation und einem Einführungsgespräch beginnt dort die eigentliche Arbeit am Pferd. Annegrit Kahle soll Hengst Enki an Halfter und Strick führen. Doch statt zu folgen, bleibt das Tier erstmal wie angewurzelt stehen und mustert die Person am anderen Ende des Führstricks skeptisch. Elvira Hagen erklärt: "Er spürt, dass der Mensch unsicher ist, kein Ziel hat, wo der Weg hinführen soll."

Annegrit Kahle strafft sich, schaut zielgerichtet in eine Ecke und läuft los. Und diese Zielstrebigkeit scheint nun auch Enki zu spüren. Bereitwillig folgt der Hengst Annegrit Kahle. "Ich hatte mich anfangs statt auf mich und das Pferd auf die anderen Kursteilnehmer konzentriert, wollte mich nicht blamieren. Erst, als ich mich auf mich fokussiert und mich innerlich auf mein Ziel ausgerichtet habe, ist mir der Hengst gefolgt. Diese Achtsamkeit und Bewusstheit ist auch für meine Arbeit unersetzlich", sagt die Psychologin.

Mit Empathie zum Ziel

Business-Fotografin Hannelore Schild-Vogel bildet mit dem Hengst ein gutes Team. "Ich arbeite viel mit Firmen zusammen, aber auch mit Menschen mit Handicap. Ich sehe, dass auch bei der Arbeit mit Pferden Empathie zum Ziel führt", sagt sie über ihren Lernerfolg aus dem Training.

Die Spiegelrolle der Pferde, sie scheint bei den Teilnehmern anzukommen. "Vielen Menschen ist oft nicht bewusst, dass sie unbewusst Druck ausüben, angespannt, ungeduldig oder respektlos sind", erklärt der Diplom-Psychologe Sebastian Bartoschek aus Herne das Phänomen. Wenn Menschen untereinander Kritik üben, würden sie dazu neigen, Gegenargumente darzulegen und sich zu rechtfertigen. Tiere wie Pferde oder Delfine aber ließen sich nicht mit Worten manipulieren, sondern würden auf Signale und die Körpersprache achten. "Menschen können so erfahren, wie sie auf andere wirken", so der Psychologe.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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