Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Unternehmen & Verbraucher > Konjunktur >

Krim-Krise: Russland erwartet massive Kapitalflucht

Krim-Krise  

Russland erwartet massive Kapitalflucht

25.03.2014, 17:34 Uhr | dpa, t-online.de, dpa-AFX

Krim-Krise: Russland erwartet massive Kapitalflucht. Russland hat wegen der Krim-Krise Probleme, an frisches Geld zu kommen (Quelle: Reuters)

Russland hat wegen der Krim-Krise Probleme, an frisches Geld zu kommen (Quelle: Reuters)

Wegen der Krim-Krise kehren immer mehr Investoren Russland den Rücken zu: Der Kreml rechnet mit massiven Kapitalabflüssen. Vizewirtschaftsminister Andrei Klepach erwartet laut einem Bericht der "Financial Times", dass allein im ersten Quartal bis zu 70 Milliarden US-Dollar abgezogen wurden. Das würde bedeuten, dass innerhalb von drei Monaten mehr Geld das Land verlassen hätte als im gesamten letzten Jahr.

Geldgeber fürchten Sanktionen

2013 waren 63 Milliarden Dollar aus Russland abgeflossen. Am stärksten verunsichere Investoren derzeit die Möglichkeit von verschärften wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, sagte Experte Chris Weafer von der Moskauer Beratungsfirma Macro Advisory der "Financial Times".

Nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts würden umfassende Wirtschaftssanktionen Russland deutlich stärker treffen als die EU. Nach den Berechnungen der Experten machen die Ausfuhren Russlands in die EU 15 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Umgekehrt seien es nur etwa ein Prozent.

Deutsche Firmen verschieben Investitionen

Deutsche Firmen, die zu den wichtigsten Direktinvestoren in Russland zählen, gehen wegen der Krim-Krise auf Distanz. "Wir hören von der Auslandshandelskammer in Moskau, dass Investitionen zumindest verschoben werden", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK, Volker Treier, im ARD-"Morgenmagazin".

"Manche werden jetzt auch schon gänzlich in die Tonne gesteckt. Kapital fließt ab", ergänzte er. Auch deutsche Banken stuften Russland inzwischen als riskanteren Geschäftspartner ein und vergäben weniger Kredite.

Die französische Großbank BNP Paribas kündigte unterdessen den massiven Abbau von Stellen in der Ukraine an. Bis zum kommenden Jahr sollen bei der dortigen Tochterbank 1600 Stellen gestrichen werden.

Eine Sprecherin der größten französischen Bank bestätigte die Reduzierung um rund 20 Prozent am Dienstag in Paris. Die ukrainische BNP-Tochter UkrSibBank beschäftigt derzeit mehr als 7000 Mitarbeiter und hat damit den größten Personalbestand der französischen Bank in Osteuropa.

Vierte Auktion von Staatsanleihen abgesagt

Der Kreml hat indes die vierte Auktion von Staatsanleihen in Serie abgesagt. In einer auf der Internetseite veröffentlichten Mitteilung begründet das Finanzministerium die Entscheidung mit "unvorteilhaften Marktbedingungen".

Der massive Kapitalabfluss treibt die Zinsen in die Höhe. Nach Aussagen von russischen Experten ist der Bedarf des Landes an frischem Geld vom Kapitalmarkt derzeit aber noch nicht dringend.

Dmitry Dudkin, der die Anleihenanalyse des Finanzunternehmens UralSib in Moskau leitet, sieht Russland in einer relativ komfortablen Position: "Der Refinanzierungsbedarf ist gering." Die Regierung könne bis zur Jahresmitte ohne Anleiheauktionen auskommen, schrieb er in einer Analyse.

Die Bundesbank warnt derweil vor negativen Folgen des Krim-Konfliktes auf die weltweite Finanzstabilität. Die anhaltenden politischen Spannungen hätten das "Potenzial für negative Vertrauenseffekte an den Märkten", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret der "Börsen-Zeitung".

Bundesbanker warnt vor "verheerenden Folgen"

"Wir alle wissen spätestens seit Lehman, was für verheerende Folgen ein Vertrauensverlust an den Märkten haben kann", erklärte Dombret. Die geringe weltwirtschaftliche Bedeutung sei dann eher zweitrangig. Insgesamt haben laut dem Bundesbanker deutsche Banken rund eine Milliarde Euro in der Ukraine im Feuer.

"Dies ist eine Situation, die man sehr genau beobachten muss und die sehr viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl erfordert", sagte Dombret auf die Frage, ab wann solche Gefahren für die Finanzstabilität drohten. Er sprach sich für ein stärkeres Engagement des Internationalen Währungsfonds in der Ukraine aus.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal