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Studie zur Mehrwertsteuer: Mehrheit der Deutschen spürt die Senkung


Mehrheit der Deutschen spürt die Senkung der Mehrwertsteuer

  • Florian Schmidt
Von Florian Schmidt

Aktualisiert am 22.10.2020Lesedauer: 3 Min.
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Eine Einkaufsstraße in Köln: Den meisten Verbrauchern ist aufgefallen, dass die Preise für Waren gesunken sind – auch wenn sie deshalb nicht automatisch mehr einkaufen.
Eine Einkaufsstraße in Köln: Den meisten Verbrauchern ist aufgefallen, dass die Preise für Waren gesunken sind – auch wenn sie deshalb nicht automatisch mehr einkaufen. (Quelle: Ralph Peters/imago-images-bilder)
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Sie sollte für niedrigere Preise sorgen und damit die Wirtschaft beleben. Doch wie sehr macht sich die gesenkte Mehrwertsteuer tatsächlich bei den Verbrauchern bemerkbar?

Sie kam überraschend und wurde von Anfang an kritisch beäugt: Mit der Senkung der Mehrwertsteuer von regulär 19 Prozent auf 16 Prozent wollte der Bund die corona-gebeutelte Wirtschaft ankurbeln. Die Idee: Purzeln die Preise, kaufen die Menschen mehr ein, was wiederum die gesamte Konjunktur beleben sollte.


Diese Firmen sind in der Corona-Krise in Schieflage geraten

Adler-Modemärkte: Die Textilkette hat ihr Insolvenzverfahren Ende August 2021 beendet. Bis zu 500 der insgesamt 3.100 Arbeitsplätze fallen weg, rund 30 Filialen sind von Schließungen betroffen, wie ein Sprecher des neuen Eigentümers Zeitfracht Gruppe am Dienstag sagte. Das Insolvenzverfahren war im Januar beantragt und am 1. Juli eröffnet worden.
Nobiskrug: Die insolvente Rendsburger Traditionswerft Nobiskrug wurde im Juli 2021 von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) übernommen – und ist damit gerettet. Nahezu alle 300 Arbeitsplätze blieben erhalten, hieß es. Nobiskrug hatte im April diesen Jahres einen Insolvenzantrag gestellt. Die Werft hat unter anderem die "SY A" gebaut (auf dem Bild), die als als einer der größten Luxusjachten der Welt gilt.
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Doch funktioniert das wirklich? Merken die Verbraucher überhaupt etwas von der Mehrwertsteuersenkung – und stürmen sie deshalb in die Geschäfte?

Antworten liefert jetzt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die t-online exklusiv vorliegt. In der repräsentativen Umfrage sagten demnach 54 Prozent der rund 1.200 Befragten, sie hätten wahrgenommen, "dass die Unternehmen die Preise in Folge der Mehrwertsteuersenkung reduziert haben". Mit "teils, teils" antwortete ein gutes Drittel, nicht aufgefallen sind die Preissenkungen nur rund 14 Prozent der Befragten.

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Verständnis für Firmen, die Preise nicht senken

"Die Verbraucher nehmen wahr, dass viele Dinge günstiger geworden sind", sagt IW-Ökonom Martin Beznoska t-online. "Allein dadurch hatte die Steuersenkung einen positiven Impuls. Selbst wenn die gesparten Beträge nur gering sind, ergibt sich ein wertvoller psychologischer Effekt in der Krise."

Was die Umfrage außerdem belege, so Beznoska: "Selbst da, wo die Preise nicht gesunken sind, bringen die Menschen Verständnis dafür auf, dass die Unternehmen die Steuerersparnis nicht weitergeben – zum Beispiel in der Gastronomie."

Tatsächlich gilt das vor allem für Unternehmen, die besonders hart von der Krise getroffen wurden. 63 Prozent der Befragten gaben an, dass sie es in solchen Fällen in Ordnung fänden, wenn die Preise nicht gesenkt würden. Eine knappe Mehrheit findet außerdem, dass es bei kleineren Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern verständlich sei, wenn die Firmen den Steuervorteil einstreichen und nicht an die Kunden weitergeben. Lediglich 15 Prozent ließen keinen Grund dafür gelten, dass ein Unternehmen im Zuge der Steuersenkung die Preise nicht reduziert hat.

Geschätzt vier Milliarden Euro zusätzliche Konsumausgaben

Wie sehr aber wirkt sich die geringere Steuer nun auf das Einkaufsverhalten aus? Kaufen die Deutschen wegen drei Prozentpunkten weniger Mehrwertsteuer mehr ein?

"Abschließend wird sich das erst nach Auslaufen der Maßnahme sagen lassen", urteilt Beznoska. "Aktuell ist der Konsumeffekt noch relativ gering." In Zahlen heißt das: Lediglich elf Prozent der Befragten gaben an, Ausgaben getätigt zu haben, die sie sich ohne Senkung der Steuer gespart hätten. Wiederum nur zwölf Prozent der Teilnehmer sagten, sie planten Anschaffungen vorzuziehen.

"Auffällig ist: Viele Menschen wollen eher teure Dinge kaufen, oder haben bereits zugeschlagen", sagt Beznoska. "Wenn allein zehn Prozent der deutschen Haushalte durch die Steuersenkung zusätzlich 1.000 Euro ausgäben, entspräche das Konsumausgaben von vier Milliarden Euro."

Sollte die Steuer dauerhaft niedriger bleiben?

Zum Vergleich: Die Absenkung von Juli bis Ende Dezember kostet den Fiskus rund 20 Milliarden Euro, die er durch die entgangenen Steuereinkünfte nicht einnimmt. Nicht zuletzt wegen dieser großen Summe hatten mehrere Ökonomen Kritik an der Absenkung geäußert. Zu teuer, zu ungezielt, zu gering im Konjunktureffekt sei die Maßnahme. Umgekehrt wurden bereits wenige Wochen nach ihrer Umsetzung Stimmen wie die des SPD-Fraktionschefs Rolf Mützenich laut, die eine dauerhafte Absenkung der Mehrwertsteuer forderten.

Davon wiederum hält Beznoska nichts. "Eine stimulierende Wirkung für die Wirtschaft hat diese Steuersenkung nur dann, wenn sie temporär ist", sagt er. "Eine längere oder gar dauerhaft abgesenkte Mehrwertsteuer ergibt mit Blick auf die Corona-Krise deshalb keinen Sinn."

Gut sei, dass die geringere Steuer den Konsum im Weihnachtsgeschäft noch einmal zusätzlich ankurble. "Danach aber, über den 31. Dezember hinaus, würde sie nur zu unnötigen Steuerausfällen führen", so der Ökonom.

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Verwendete Quellen
  • IW-Kurzbericht 101/2020: "Mehrheit der Bevölkerung nimmt Preissenkung durch niedrigere Mehrwertsteuer wahr"
  • Gespräch mit Martin Beznoska
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