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Hersteller unter Druck: Verpackungskrise erreicht Deutschland

  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff

Aktualisiert am 09.05.2021Lesedauer: 3 Min.
Leere Tiefkühltruhe im Supermarkt (Archivbild): Hersteller haben zunehmend Probleme, Verpackungen aus Kunststoff zu produzieren – etwa die Folie für Tiefkühlpizzen.
Leere Tiefkühltruhe im Supermarkt (Archivbild): Hersteller haben zunehmend Probleme, Verpackungen aus Kunststoff zu produzieren – etwa die Folie für Tiefkühlpizzen. (Quelle: Action Pictures/imago-images-bilder)
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Ob Kekse, Käse oder tiefgefrorenes Gemüse – viele Produkte werden in Kunststoff verpackt. Doch Lieferausfälle und gestiegene Preise setzen die Hersteller unter Druck. Kunden könnte das bald ihren Einkauf verhageln.

Zu Beginn der Pandemie war es das Hamstern, das Supermärkten und Discountern Probleme bereitete, jetzt drohen erneut manche Produkte im Regal zu fehlen. Schuld sind diesmal aber keine übereifrigen Einkäufer, sondern ein Mangel an Rohstoffen, die für Verpackungen benötigt werden.


Die Blockade im Suezkanal

Mehrere Schlepper ziehen das Containerschiff. Nach der Freilegung des Schiffes ist der Kanal am Montagnachmittag wieder für den Schiffsverkehr freigegeben worden.
Schlepper arbeiteten an der Freisetzung des auf Grund gelaufenen Frachtschiffs "Ever Given" im Suezkanal. Der Containerriese ist nach einer tagelangen Blockade teilweise freigelegt worden. Das 400 Meter lange Schiff sei wieder in einem schwimmenden Zustand und werde gesichert, teilte der maritime Dienstleister "Inchcape Shipping" am frühen Montagmorgen mit.
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"Es gibt Engpässe bei Kunststoffverpackungen für Tiefkühlware, Lebensmittel wie Fleisch, Käse und Molkereiprodukte, aber auch Süßwaren", sagt Mara Hancker, Sprecherin der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK), t-online. "Noch kriegen die Firmen die schlechte Versorgungslage mit Kunststoffen gerade so gestemmt, es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass bald die ein oder andere Marke im Regal fehlen könnte."

Suez-Blockade hat Lage wieder verschärft

Dass Kunststoffe derzeit knapp sind, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist der Welthandel insgesamt durcheinander geraten, nachdem er mit Beginn der Corona-Pandemie zunächst stark eingebrochen war und nun von einer anziehenden Nachfrage insbesondere in Asien überrascht wurde.

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Viele Rohstoffe aus dem Mittleren Osten und den USA wurden daraufhin nach Asien umgelenkt und fehlen jetzt in Europa. Auch sind deutlich weniger Leercontainer verfügbar, was Preise und Lieferzeiten stark erhöht.

"Die Lage hatte sich eigentlich schon halbwegs entspannt, doch dann kam die Blockade im Suezkanal", sagt Hancker. Außerdem seien in Europa und den USA einige Produktionsstätten ausgefallen. "Viele Firmen waren davon ausgegangen, dass das Frühjahr 2021 ein guter Zeitpunkt für Wartungen wäre. Jetzt, wo die Nachfrage wider Erwarten hoch ist, kann man die Anlagen nicht von einem Tag auf den anderen wieder hochfahren."

"Die Preise für Verpackungen werden steigen"

Die Knappheit führt dazu, dass die Preise von Verpackungsrohstoffen seit Februar um etwa die Hälfte gestiegen sind. Bei manchen Kunststoffen – etwa jenen, die für Folien wichtig sind – haben sich die Preise sogar verdoppelt.

"Wenn man diese Preise akzeptiert, erhält man noch Rohstoffe", sagt Karsten Hunger, Geschäftsführer des Industrieverbands Papier- und Folienverpackungen (IPV), im Gespräch mit t-online. Die Hersteller würden derzeit ihre Lager aufstocken, um trotz längerer Lieferzeiten produktionsfähig zu bleiben. Im IPV sind beispielsweise Produzenten von Verpackungen für Tiefkühlkost, Kaffee, Chips oder Mehl organisiert.

"Ich denke, wir müssen nicht damit rechnen, dass Kunden bald Sachen nicht mehr im Regal finden, weil sie nicht verpackt werden können. Was aber natürlich passieren kann, ist, dass die Preise für Verpackungen steigen", so Hunger. Und das könnten letztlich auch Verbraucher merken.

Kleinere Betriebe werden Kosten tragen müssen

Weniger allerdings bei großen Supermärkten und Discountern, weil diese ihre Marktmacht nutzen würden, um höhere Preise von Verpackungen nicht zu akzeptieren. Stattdessen dürfte es kleinere Handelsketten, Bäcker oder Metzger treffen, sagt Hunger. "Dort werden die Auswirkungen eher auftreten, da sonst die Hersteller nicht überleben."

Bisher spüren diese allerdings noch keinen Druck von der Verpackungsindustrie. "Es gab noch keine Beschwerden von unseren Mitgliedern", sagt Thomas Trettwer vom Deutschen Fleischer-Verband. Es sei in der Branche aber ohnehin schwer, Kosten an Kunden weiterzugeben, weil der Preisdruck bereits groß sei.

Und bei Bäckereien? "Steigende Preise von Verpackungen sind natürlich auch ein Kostenfaktor, wenn auch nicht der Größte", sagt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks. "Aber es kommt eben immer noch was oben drauf." Größter Kostenfaktor seien Lohn- und Energiekosten, die zuletzt stark gestiegen sind. Ob Bäckereien tatsächlich Preise erhöhen müssten, entscheide jeder Unternehmer individuell.

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Von Nele Behrens
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