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Wirtschaftsnobelpreis: Auszeichnung für David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens


Ökonomen-Auszeichnung  

Was die Nobelpreis-Träger mit dem Mindestlohn zu tun haben

11.10.2021, 17:25 Uhr
Wirtschaftsnobelpreis: Auszeichnung für David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens. Die Illustration zeigt David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens (von links nach rechts): Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die drei Forscher. (Quelle: dpa/Niklas Elmehed/Nobel Prize Outreach 2021)

David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens (v.l.n.r.): Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die drei Forscher. (Quelle: Niklas Elmehed/Nobel Prize Outreach 2021/dpa)

Der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis geht an gleich drei Wissenschaftler: David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens forschen in den USA zu Fragen des Arbeitsmarktes. Wer sind die drei – und warum ist ihre Arbeit so bedeutend?

Auch dieses Jahr teilen sich mehrere Wissenschaftler den Wirtschaftsnobelpreis. Die Hälfte der Auszeichnung – und damit auch des Preisgeldes in Höhe von 10 Millionen schwedischen Kronen (rund 960.000 Euro) – geht an den Ökonomen David Card, die andere Hälfte teilen sich Joshua D. Angrist und Guido W. Imbens.

Alle drei leben und arbeiten in den USA. Dort beschäftigen sie sich vor allem mit der Arbeitsmarkttheorie. t-online stellt die drei Forscher vor.

Wer sind die drei Wirtschaftswissenschaftler?

David Card, geboren 1956, ist Kanadier und zählt zu den renommiertesten Arbeitsmarktforschern der Welt. Nach einem Studium an der kanadischen Queen's Universität sowie an der Topuni Princeton in Kalifornien arbeitete er zunächst als Assistenzprofessor an der Universität Chicago. Später kehrte er zurück nach Princeton, ehe er 1997 dem Ruf an die Universität von Kalifornien in Berkeley folgte, wo er bis heute forscht und lehrt.

Card sorgte vor allem durch zwei Studien weltweit für Aufsehen. Zum einen wies er nach, dass Zuwanderung keine spürbaren Effekte auf das Lohnlevel innerhalb eines Landes hat. Zum anderen zeigte er, dass die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns nicht zu Massenentlassungen führt.

Beide Studien widerlegten die gängige Meinung der neoklassischen Wirtschaftstheorie, der zufolge Mindestlohn und Zuwanderung tendenziell negative Auswirkungen auf Beschäftigungszahlen und Lohnhöhen haben müssten.

"Der Clou bei Cards Studien: Seine Arbeit fußt gänzlich auf empirischen Daten", ordnet der deutsche Ökonom Jens Südekum im Gespräch mit t-online ein. "Seine Ergebnisse sind also praxiserprobt und nicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm entstanden. Er ist so nicht nur ein wichtiger Arbeitsmarktforscher, sondern einer der Wegbereiter der modernen empirischen Wirtschaftsforschung."

Andere Preisträger haben wichtige Forschungsmethoden entwickelt

Genau das verbindet Card mit den beiden anderen diesjährigen Preisträgern: Sowohl Joshua D. Angrist, vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, geboren 1960 in den USA, als auch der US-niederländische Stanford-Ökonom Guido W. Imbens, Jahrgang 1963, gelten als versierte Methodiker in der Wirtschaftsforschung.

Konkret haben sie Methoden entwickelt, wie sich anhand echter, erhobener Daten aus dem Alltag Sinnzusammenhänge ableiten lassen, wenn sich keine Zufallsexperimente anbieten. Südekum: "Die Forschungsmethoden, die Imbens und Angrist, geprägt haben, nutzen heute fast alle Volkswirte in der empirischen Wissenschaft."

Wofür haben die drei Ökonomen den Nobelpreis erhalten?

Card, Angrist und Imbens haben den Preis quasi für ihr Lebenswerk erhalten. Card werde "für seine empirischen Beiträge zur Arbeitsökonomie" ausgezeichnet, wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm am Montag bekannt gab. Angrist und Imbens bekommen den Nobelpreis "für ihre methodischen Beiträge zur Analyse von Kausalzusammenhängen".

Viele drängende Fragen, vor allem in den Sozialwissenschaften, könnten nicht mit randomisierten Experimenten beantwortet werden, sagte der Vorsitzende des zuständigen Nobelkomitees, Peter Fredriksson. Doch manchmal sorgten natürliche oder politische Veränderungen dafür, Situationen zu schaffen, die diesen Zufallsexperimenten ähnelten.

"Die diesjährigen Preisträger haben gezeigt, dass solche natürlichen Experimente dabei helfen, wichtige Fragen für die Gesellschaft zu beantworten", sagte Fredriksson. "Die kombinierten Beiträge der Preisträger haben die empirische Arbeit in den Wirtschaftswissenschaften komplett neu gestaltet. Deshalb hat sich unsere Fähigkeit, kausale Fragen von großer Bedeutung für uns alle zu beantworten, enorm verbessert."

So wenig bekannt die drei Namen vielen Menschen abseits der Ökonomen-Szene sein mögen, so sehr hatten unter den führenden Volkswirten der Welt viele damit gerechnet, dass sie den Preis bekommen. "Noch bis vor zehn Jahren wurden vom Nobel-Komitee häufig Theoretiker ausgezeichnet, heute sind es praxisorientierte Forscher", sagt Jens Südekum t-online. "Früher oder später war es deshalb fällig, dass David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens ausgezeichnet werden, ihre Namen kursierten bereits seit mehreren Jahren. Sie haben den Nobelpreis mehr als verdient."

Hat die Arbeit der Ökonomen Auswirkungen auf mich?

Nein, zumindest nicht auf den ersten Blick. Wie so oft in der Wissenschaft gilt: Das, was die Forscher herausgefunden haben, schlägt sich nur indirekt auf unseren Alltag nieder. Konkret heißt das im Falle der drei Arbeitsmarktforscher:

Cards Studien dürften dazu beigetragen haben, dass etwa der Mindestlohn in Deutschland eingeführt wurde – entgegen aller Unkenrufe von Volkswirten, die auf Basis theoretischer Modelle prognostizierten, dass dadurch Tausende Menschen ihren Job verlieren.

Ähnliches gilt für die Arbeit von Angrist und Imbens. Sie haben durch ihre Forschung dazu beigetragen, dass mehr Ökonomen praktische Fragen leichter anhand empirischer Daten beantworten können. Durch ihre Grundlagenforschung haben sie vielen Volkswirten das methodische Rüstzeug für ihre Arbeit gegeben.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Telefonat mit Jens Südekum
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters und dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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