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Kommt jetzt das gro├če Schlecker-Comeback?

Von dpa, fho

Aktualisiert am 23.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Eine Mitarbeiterin der Drogeriemarktkette Schlecker rei├čt das Firmenlogo von der Eingangst├╝r einer Filiale (Archivbild): Vor zehn Jahren endete die europaweite Erfolgsgeschichte des Unternehmens.
Eine Mitarbeiterin der Drogeriemarktkette Schlecker rei├čt das Firmenlogo von der Eingangst├╝r einer Filiale (Archivbild): Vor zehn Jahren endete die europaweite Erfolgsgeschichte des Unternehmens. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa-bilder)
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Die Drogeriekette Schlecker war fr├╝her aus kaum einer Stadt oder einem Dorf wegzudenken. Doch vor 10 Jahren kam es zur gro├čen Pleite. Nun will ein Investor die Marke zur├╝ckbringen.

Den Namen Schlecker kannten fr├╝her alle. In nahezu jeder Kommune in Deutschland hing zeitweise mindestens einmal der Ladenschriftzug mit dem Logo, wei├če Schrift auf blauem Grund. Das Gesicht dazu kannten aber nur die wenigsten Menschen. Das ├Ąnderte sich schlagartig, als das Imperium des Drogerie-K├Ânigs und Selfmademan Anton Schlecker aus Ehingen bei Ulm Insolvenz anmelden musste. Vor zehn Jahren, am 23. Januar 2012, war es so weit.

Angek├╝ndigt hatte der Drogeriekonzern den Schritt schon drei Tage fr├╝her. Rund 25.000 Besch├Ąftigte in Deutschland, vor allem Frauen, verloren ihren Job. "Es gab vermutlich in Deutschland bislang kaum ein vergleichbares Insolvenzverfahren hinsichtlich des ├Âffentlichen und medialen Interesses", hei├čt es im B├╝ro von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz.

Pleite zeichnete sich schon vorher ab

Der Niedergang des Schlecker-Imperiums zeichnete sich schon ├╝ber ein halbes Jahr vor der Pleite ab. Im Juni 2011 k├╝ndigte das Unternehmen an, rund 10 Prozent der ├╝ber 8.000 Filialen in Deutschland zu schlie├čen. Grund sei deren unzureichende Wirtschaftlichkeit gewesen. Die Probleme waren hausgemacht. Schlecker habe versucht, mit immer mehr L├Ąden noch gr├Â├čer zu werden, mehr Einkaufsvorteile zu erzielen, um noch g├╝nstigere Preise erzielen zu k├Ânnen, sagt der Sprecher des Insolvenzverwalters.

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"Die Kunden blieben jedoch aus, weil die L├Ąden zu klein, zu alt und unattraktiv waren." Der Umbau von der einstmals gr├Â├čten Drogeriekette Europas konnte nicht rasch genug umgesetzt werden, weil das Geld dazu fehlte. "Und dann fiel das auf Expansion gebaute Kartenhaus in sich zusammen."

"Es ist nichts mehr da"

Legend├Ąr sind die Worte von Schleckers Tochter Meike wenige Tage nach der Insolvenzanmeldung auf einer Pressekonferenz zusammen mit Insolvenzverwalter Geiwitz. Sie wird gefragt, warum der Vater denn nicht mit Geld aus seinem Privatverm├Âgen das Unternehmen gest├╝tzt habe. Meike Schlecker r├╝ckte auf ihrem Stuhl nach vorn und antwortete: "Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden. Es ist nichts mehr da." Als sogenannter Einzelkaufmann haftete er mit allem, was er besa├č. Etwa 28.000 Gl├Ąubiger haben Forderungen von etwas ├╝ber 1,2 Milliarden Euro zur Insolvenztabelle angemeldet.

Meike Schlecker bei der Er├Âffnung des neuen Schlecker Flagship Stores in der Arnulfstrasse in M├╝nchen im September 2011. Nur wenige Monate sp├Ąter war alles vorbei.
Meike Schlecker bei der Er├Âffnung des neuen Schlecker Flagship Stores in der Arnulfstrasse in M├╝nchen im September 2011. Nur wenige Monate sp├Ąter war alles vorbei. (Quelle: Stefan M Prager/imago-images-bilder)

Der Fall Schlecker wird auch zum Politikum. Im M├Ąrz 2012 scheitert der Versuch von Geiwitz, eine Transfergesellschaft f├╝r knapp 10.000 vor der K├╝ndigung stehende Besch├Ąftigte auf die Beine zu stellen. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Philipp R├Âsler (FDP) lehnt einen Kredit durch die Staatsbank KfW ab und verweist auf die Zust├Ąndigkeit der L├Ąnder.

Die FDP-Wirtschaftsminister in Bayern, Niedersachsen und Sachsen verhindern die Bildung der Gesellschaft. Und R├Âsler sorgt f├╝r zus├Ątzliche Emp├Ârung, weil er den von Entlassung betroffenen Frauen der Drogeriekette empfohlen hatte, selbst eine neue Arbeit zu finden und dies als "Anschlussverwendung" bezeichnet.

Betriebsratschefin: Politik hat T├╝ren zugeschlagen

Auch zehn Jahre nach der Insolvenz ist Christel Hoffmann, die ehemalige Betriebsratschefin des Konzerns, noch emp├Ârt. "Bei Schlecker hatte die Politik die T├╝ren zugeschlagen. Die dort besch├Ąftigten Frauen waren der Politik nicht wichtig", sagt die heute 68-J├Ąhrige. Auch die heutige SPD-Bundestagsabgeordnete und damalige Verdi-Chefin von Baden-W├╝rttemberg, Leni Breymaier, meint r├╝ckblickend, Schlecker habe einfach ein zu schlechtes Image gehabt. Deshalb habe es kein Engagement der Politik gegeben.

Schlecker-Betriebsr├Ątinnen demonstrieren im Jahr 2012 in Dresden f├╝r Unterst├╝tzung durch die Politik.
Schlecker-Betriebsr├Ątinnen demonstrieren im Jahr 2012 in Dresden f├╝r Unterst├╝tzung durch die Politik. (Quelle: Robert Michael/imago-images-bilder)

Die fr├╝here Betriebsratschefin arbeitete knapp 20 Jahre bei dem Drogerieunternehmen. Das gro├če Manko der Familie Schlecker war aus Sicht von Hoffmann, dass diese beratungsresistent gewesen sei. In ihrer Betriebsratszeit habe sie Anton Schlecker nie zu Gesicht bekommen, sagt Hoffmann. Einer breiteren ├ľffentlichkeit musste sich der Metzgermeister, der seinen ersten Drogeriemarkt nach dem Wegfall der Preisbindung f├╝r Markenartikel in den 1970er Jahren er├Âffnet hatte, w├Ąhrend des Prozesses vor dem Landgericht Stuttgart stellen.

Schlecker geriet mit Justiz aneinander

2017 wurde Schlecker wegen vors├Ątzlichen Bankrotts zu einer zweij├Ąhrigen Bew├Ąhrungsstrafe verurteilt. Im Wissen um die bevorstehende Insolvenz habe er Geld zur Seite geschafft. Ihm blieb das Gef├Ąngnis erspart. Seinen Kindern aber nicht. Meike und Lars Schlecker mussten ins Gef├Ąngnis. Vor Bekanntgabe der Insolvenz im Jahre 2012 sollen sie Millionenbetr├Ąge beiseite geschafft haben.

In letzter Instanz wurden sie zu Haftstrafen von jeweils zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt. ├ťber zehn Millionen Euro hatten die Schleckers in der Vergangenheit an den Insolvenzverwalter zur├╝ckgezahlt.

Anton Schlecker bei der Urteilsverk├╝ndung am Landgericht Stuttgart im Jahr 2017.
Anton Schlecker bei der Urteilsverk├╝ndung am Landgericht Stuttgart im Jahr 2017. (Quelle: Eibner/imago-images-bilder)

Im Handel sind die Marktanteile von Schlecker dagegen l├Ąngst neu verteilt. "Der Platzhirsch dm konnte seinen Marktanteil danach von 28,5 Prozent auf ├╝ber 40 Prozent steigern, Rossmann von 22,5 Prozent auf 33,5 Prozent", berichtet Mirko Warschun von der Unternehmensberatung Kearney. Andere Drogeriemarktketten h├Ątten dagegen nur wenig profitiert. Und auch die gro├čen Lebensmittelh├Ąndler seien weitgehend leer ausgegangen, als die Marktanteile von Schlecker neu verteilt wurden.

Neuer Investor kommt aus ├ľsterreich

Inzwischen hat der in ├ľsterreich ans├Ąssige Gesch├Ąftsmann Patrick Landrock sich die Markenrechte mit seiner Firma Kitzventure gesichert und erkl├Ąrt, er wolle die Marke "noch gr├Â├čer, digitaler und innovativer" zur├╝ck an den Markt holen. Daf├╝r soll das Sortiment um Lebensmittel, B├╝ro und Baumarktartikel erweitert werden. Dar├╝ber hinaus will er Schlecker zu einer Plattform f├╝r die Vermietung von Unterhaltungs- und Haushaltsger├Ąten ausbauen (t-online berichtete).

Patrick Landrock betritt zum Prozessauftakt im November 2021 das Landgericht Innsbruck.
Patrick Landrock betritt zum Prozessauftakt im November 2021 das Landgericht Innsbruck. (Quelle: dmuk-media/imago-images-bilder)

Der Online-Vertrieb solle im ersten Halbjahr starten. Die ersten Filialen sollen dann folgen, in diesem Jahr seien 50 Verkaufsstellen geplant. Der Start des Online-Vertriebs sei bereits finanziert. Die Markenrechte waren frei, da sie im Insolvenzprozess nicht an einen geeigneten Bieter ver├Ąu├čert werden konnten. Damalige Verhandlungen mit Landrock f├╝hrten nicht zum Verkauf, so der Insolvenzverwalter.

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Auch Landrock ist schon h├Ąufiger mit der Justiz aneinandergeraten. Medienberichten zufolge muss Landrock sich aktuell vor dem Oberlandesgericht Innsbruck gegen den Vorwurf des schweren gewerbsm├Ą├čigen Betrugs behaupten. 2020 ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen vermeintlichen "Sachwuchers" mit Corona-Schutzausr├╝stung ÔÇô also dem gewerbsm├Ą├čigen Ausnutzen einer Zwangslage. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

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