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Ukraine | Axa-CEO: "Geflüchtete müssen sich um Versicherung keine Sorgen machen"


"Einfach irgendwas spenden hilft nicht"

Von Frederike Holewik, Nele Behrens

Aktualisiert am 09.03.2022Lesedauer: 7 Min.
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Vor dem Krieg in der Ukraine Geflüchtete werden am Hauptbahnhof im westukrainischen Lwiw versorgt. In den ersten elf Tagen seit Kriegsbeginn waren schon mehr als 1,5 Millionen Menschen vor den Kampfhandlungen geflohen.
Vor dem Krieg in der Ukraine Geflüchtete werden am Hauptbahnhof im westukrainischen Lwiw versorgt. In den ersten elf Tagen seit Kriegsbeginn waren schon mehr als 1,5 Millionen Menschen vor den Kampfhandlungen geflohen. (Quelle: Gustavo Basso/imago-images-bilder)
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Für Geflüchtete aus der Ukraine stellen sich in Deutschland viele praktische Fragen. Ein Arztbesuch muss dabei niemandem Sorgen machen, erklärt Axa-CEO Schumacher im t-online-Interview.

Von einer Krise in die nächste: Thilo Schumacher übernahm seinen neuen Posten als CEO der Axa Versicherungen in Deutschland im vergangenen Dezember mitten in der Corona-Pandemie. Damals erklärte er die mentale Gesundheit zur Chefsache, im eigenen Konzern und darüber hinaus will er Stigmata abbauen und dazu ermutigen, sich Hilfe zu suchen.

Der russische Angriff auf die Ukraine bedeutet für viele eine zusätzliche Belastung – vor allem natürlich für Geflüchtete, die gerade in Deutschland ankommen. Aber auch Helfer und alle, die die Lage in der Ukraine verfolgen, spüren das.

Im Interview mit t-online erklärt Schumann, was die Axa aus den Flutkatastrophen gelernt hat, wie nun die Hilfe für Geflüchtete organisiert wird, was die andauernden Krisen in der Welt für die psychische Gesundheit bedeuten – und warum vor allem Mütter aktuell leiden.

t-online: Herr Schumacher, an deutschen Bahnhöfen kommen aktuell Tausende Geflüchtete aus der Ukraine an. Dabei stellen sich auch viele praktische Fragen. Wie ist etwa der Versicherungsstatus?

Thilo Schumacher: Der große Vorteil in Deutschland ist das Sozialsystem. Darin werden Geflüchtete aufgenommen und müssen sich zum Thema Versicherung erst mal keine Sorgen machen. Das ist auch gut so.

Ein Arztbesuch wäre also kein Problem?

Nein, das wäre kein Problem. Ein Arztbesuch ist dank der entsprechenden Regelungen in Deutschland abgesichert.

Wie hat die Axa auf den Krieg reagiert?

Wir sind tief erschüttert und haben uns überlegt, wie wir den Menschen in ihrer Notlage helfen können. Dazu haben wir in Deutschland erst mal 250.000 Euro Soforthilfe gespendet und auch unsere Mitarbeiter zum Spenden aufgerufen.

Zudem schicken wir diese Woche die ersten Kleintransporter mit Hilfsgütern in die Ukraine. Dazu haben wir uns genau erklären lassen, was vor Ort benötigt wird. Eine der Lehren aus der Flutkatastrophe im letzten Jahr ist, dass einfach irgendwas spenden nicht unbedingt hilft und am Ende sogar weggeschmissen wird.

Welche Themen treiben die Versicherungsbranche um?

Nach der Flucht aus den unmittelbar bedrohlichen Kriegssituationen und der Ankunft in sicheren Ländern, wie zum Beispiel in Deutschland, gilt es zu klären, wie Materielles versichert werden kann, etwa bei Autounfällen. Auch Flüchtlingsunterkünfte müssen abgesichert werden.

Eine ähnliche Situation haben wir während der Corona-Krise erlebt, als Messehallen für Test- und Impfzentren versichert werden mussten. Normalerweise sind solche "Zweckentfremdungen" aus Versicherungssicht problematisch, weil dadurch die Risikobewertung nicht mehr stimmt. Hier haben wir unbürokratisch geholfen und den Versicherungsschutz weiterlaufen lassen. Das könnte jetzt auch wieder ein Thema werden.

Der Krieg in der Ukraine folgt auf zwei herausfordernde Jahre durch die Corona-Pandemie. Mit dem Beginn ihrer Amtszeit im Dezember haben Sie das Thema mentale Gesundheit zur Chefsache erklärt. Was machen diese andauernden Ausnahmezustände aktuell mit den Menschen?

Die aktuelle Lage belastet die Menschen stark. Vor allem Gruppen, die ohnehin einiges schultern, trifft es besonders. Ich denke da insbesondere an berufstätige Mütter.

"Die Belastung innerhalb vieler Beziehungen ist nicht fair verteilt", sagt Axa-CEO Thilo Schumacher.
"Die Belastung innerhalb vieler Beziehungen ist nicht fair verteilt", sagt Axa-CEO Thilo Schumacher. (Quelle: Axa)

Inwiefern sind diese besonders betroffen?

Mütter haben während der Corona-Pandemie in vielen Fällen die gesamte Betreuung übernommen, als Kindergärten und Schulen geschlossen waren. Zudem wollten sie gute Mitarbeiterinnen sein. In unserer Studie sagt jede achte Frau, dass sie dadurch nie Zeit für sich selbst hatte, bei den Männern war das nur jeder zwanzigste.

Ist unsere Gesellschaft durch diese Belastung eher resilienter geworden oder nähern wir uns einfach einem Zustand kollektiver Erschöpfung?

Ich hoffe, dass wir letztlich resilienter werden, aber das wird noch dauern. Aktuell besteht definitiv das Risiko, dass die Belastung zunimmt. Und auch wenn es aktuell leicht in Vergessenheit gerät: Corona ist immer noch nicht vorbei.

Die Axa hat mit der Studie zur mentalen Gesundheit also quasi ein Zwischenfazit zu den Belastungen der Pandemie gezogen. Was war für Sie die wichtigste Erkenntnis?

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Dass die letzten zwei Jahre eine enorme Stresssituation waren, war mir auch ohne die Studie klar. Am meisten hat mich aber die sehr unterschiedliche Betroffenheit schockiert. So gaben 44 Prozent der Frauen an, dass durch die Corona-Krise die Lebensprobleme gestiegen sind, bei den Männern empfanden das nur 31 Prozent so.

Ein deutlicher Unterschied.

Noch gravierender wird es, wenn wir in der Gruppe zwischen jenen mit und ohne Kindern unterscheiden. Mütter ohne Betreuungsunterstützung hatten bei Weitem den höchsten Belastungswert in unserem Report. Auf einer Skala von 1-10, lagen sie bei einer 7,3. Bei Singlefrauen lag der Wert hingegen bei 5. Da zeigt sich ganz klar, dass die Belastung innerhalb vieler Beziehungen nicht fair verteilt war. Daran müssen wir arbeiten.

Thilo Schumacher, Jahrgang 1975, ist seit Dezember 2021 Deutschland-Chef der Axa. Der promovierte Betriebswirt arbeitet bereits seit 2008 in verschiedenen Funktionen für den Versicherungskonzern. Zuvor war er für die DBV-Winterthur und die Beratungsfirma McKinsey & Company tätig.

Was müsste sich dafür gesellschaftlich ändern?

Eine Kollegin hat mir letztens berichtet, dass sie nach der Elternzeit wieder Vollzeit arbeiten wollte und von Bekannten deswegen als „Rabenmutter“ bezeichnet wurde. Bei ihrem Mann hingegen wurde gefragt, ob die Elternzeit nicht seiner Karriere schade. Aus meiner Sicht braucht es ein gesellschaftliches Umdenken. Wenn sich ein Paar für Kinder entscheidet, dann müssen sich auch beide Partner kümmern. Es wäre gut, wenn unsere Studie dazu beiträgt, das betroffenen Männern ins Gedächtnis zu rufen.

Auch junge Menschen haben in der Studie angegeben, besonders unter Corona gelitten zu haben. Über 60 Prozent gaben an, eine depressive Phase gehabt zu haben, bei den Senioren waren es nur knapp 24 Prozent. Woher kommt dieser Unterschied?

Junge Leute wollen ihre Freiheit genießen, viel unterwegs sein, das war durch Corona nicht möglich. Das hat sie sicherlich stärker getroffen als ältere Menschen. Zudem wussten viele Jüngere nicht, wohin sie sich mit ihren Problemen wenden sollten. Dieses größere Unwissen über psychologische Hilfsangebote in der jüngeren Generation ist auch eine Erkenntnis unseres Mental Health Report.

Was können Menschen in einer solchen Situation denn tun?

Vor allem ist es wichtig, über das Thema mentale Gesundheit zu sprechen und so Stigmata abzubauen. Dabei sollte auch die Möglichkeit professioneller Hilfe thematisiert werden. Dass man ein gebrochenes Bein behandeln muss, verstehen alle. Bei psychischen Problemen ist das noch nicht so anerkannt, das muss sich ändern.

Werden denn aktuell mehr psychologische Angebote nachgefragt?

Ja, wir sehen, dass psychische Belastung als Krankheitsbild zunimmt. Auch im eigenen Unternehmen spielt das eine Rolle, deswegen haben wir ein Präventionsprogramm gestartet, bei dem sich Mitarbeiter anonym bei einer Beratungsstelle melden können. Ich hoffe sehr, dass wir irgendwann offener mit dem Thema umgehen können, aber bis dahin akzeptiere ich als Chef auch, dass es ein sensibles Thema ist.

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Der "Mental Health Report 2022" ist eine Studie der Axa Versicherung. Zum zweiten Mal wurden dafür im vergangenen September und Oktober 1.000 Personen zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland repräsentativ online befragt. Nach eigener Aussage soll der Report "einen wissenschaftlichen Beitrag zur Betrachtung psychischer Erkrankungen" leisten.

Stichwort Chef-Rolle: Wie war es, den Chefposten mitten in der Krise zu übernehmen?

Ich kenne die Axa schon sehr gut und auch sehr lange. Für mich sind die Menschen das wichtigste an einem Unternehmen und ich habe während der Home-Office-Zeit noch einmal mehr gemerkt, wie wichtig es ist, diese Verbindungen aufrechtzuerhalten. Zum einen habe ich versucht, möglichst offen auch über meine Gefühle zu sprechen, und zum anderen gemeinsame Events zu gestalten, wie etwa unser Online-Kniffel-Turnier. Das klingt profan, aber gemeinsames Lachen hilft manchmal sehr.

Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?

Ich muss in meine Mitarbeiter investieren und mir im Arbeitsalltag die Zeit nehmen, mit ihnen zu reden oder auch alle ihre E-Mail-Fragen zu beantworten. Wir verbringen so viel Lebenszeit auf der Arbeit, da soll der Arbeitsplatz mehr sein als der Absender der monatlichen Gehaltsüberweisung.

Was macht im Jahr 2022 einen solchen guten Arbeitgeber aus?

Zunächst mal muss die Führung menschlich, offen, ehrlich und authentisch sein. Dann muss es ein Arbeitsplatz sein, an dem sich die Angestellten selbst einbringen können. Und dann braucht es Flexibilität.

Was meinen Sie mit Flexibilität?

Der Arbeitgeber muss den verschiedenen Lebensrealitäten seiner Mitarbeiter gerecht werden und dabei geht es nicht nur um Kinderbetreuung. Es muss egal sein, ob ein Mitarbeiter sich um Kinder, pflegebedürftige Angehörige oder sein Hobby als Fußballtrainer kümmern will. Wir haben daher Home Office auch schon vor Corona angeboten, jetzt haben wir unsere Kernarbeitszeit ausgeweitet. Dadurch haben unsere Mitarbeitenden viel mehr Möglichkeiten, ihre Arbeit dann zu erledigen, wenn es sich für sie gut organisieren lässt.

Muss das nicht schon auf der Führungsebene anfangen?

Definitiv! Wir versuchen das in unserem Vorstand auch vorzuleben. Mehrere Vorstände haben kleine Kinder, wir ermöglichen Elternzeit im Vorstand, drei von acht Vorständen sind weiblich und zwei Vorstände kommen aus anderen Branchen. All das macht für mich die nötige Heterogenität aus.

Was halten Sie von einer 50:50-Teilung bei Führungspositionen?

Das kann ich mir gut vorstellen, auch wenn es den Fall so bisher noch nicht bei uns gab. Wenn wir uns als Unternehmen vor solchen Veränderungen versperren, gehen uns Menschen verloren, die uns weiterbringen könnten. Das wäre auch wirtschaftlich falsch.

Und bei Ihnen persönlich? Wie lief die Kinderbetreuung während Corona?

Meine Kinder sind 12 und 15, da fällt nicht mehr viel Betreuung an, aber zu Beginn von Corona war gerade der Kleinere mit dem Homeschooling sehr gefordert. Da hat meine Frau viel übernommen, ich bin bei Fragen zu Mathe und Naturwissenschaften eingesprungen, weil mir diese Fächer schon in der Schulzeit besonders lagen. Abends haben wir uns dann als Familie zusammengesetzt und ausgetauscht.

Das heißt ihre Frau arbeitet aktuell nicht?

Nein, nach der Geburt unseres zweiten Kindes haben wir uns gemeinsam dafür entschieden, dass sie zu Hause bleibt.

Haben Sie damals Elternzeit genommen?

Als meine Kinder geboren wurden, war das noch völlig ausgeschlossen. Damals hieß es, wenn du das als Mann machst, bist du raus. Würde ich heute noch mal ein Kind bekommen, würde ich definitiv Elternzeit nehmen.

Sind Sie Feminist?

Nein, ich bin kein Feminist. Ich möchte einfach, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten haben, Karriere zu machen. Das geht am besten durch Beispiele: Bei unserem aktuellen Mentoringprogramm treffen die Mentees auf unsere weiblichen Topmanagerinnen, da können Stereotype wunderbar aufgebrochen werden.

Herr Schumacher, vielen Dank für das Gespräch.

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Thilo Schumacher
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