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Tech-Aktien: Darum können diese beliebten Aktien gefährlich sein


MEINUNGÜbergewichtung im Depot  

Darum können diese beliebten Aktien gefährlich sein

Eine Kolumne von Jessica Schwarzer

02.05.2021, 12:54 Uhr
Tech-Aktien: Darum können diese beliebten Aktien gefährlich sein. Google-Campus in Mountain View (Archivbild): Die Google-Mutter Alphabet hat im ersten Quartal 15,5 Milliarden US-Dollar Gewinn gemacht. (Quelle: Getty Images/Sundry Photography)

Google-Campus in Mountain View (Archivbild): Die Google-Mutter Alphabet hat im ersten Quartal 15,5 Milliarden US-Dollar Gewinn gemacht. (Quelle: Sundry Photography/Getty Images)

Apple, Amazon, Microsoft, Facebook und die Google-Mutter Alphabet haben sensationelle Zahlen vorgelegt. Zum Glück, denn in vielen Depots sind die Aktien stark übergewichtet. Das kann zum Problem werden.

Für die "Big Five" begann 2021 fantastisch: Egal ob Google-Mutter Alphabet, Microsoft, Apple, Facebook oder Amazon – alle fünf großen Technologie-Unternehmen haben im ersten Quartal sensationelle Gewinne verzeichnet. An der Börse kam das gut an.

Zum Glück, denn in vielen Depots sind die "Big Five" stark übergewichtet. Wie sehr, ist Anlegern oft gar nicht bewusst. Dabei kann dieses Übergewicht zum Problem werden: Klumpenrisiko nennen Börsianer das.

Die Gefahr lauert immer dort, wo einzelne Unternehmen, Branchen oder Länder im Depot vergleichsweise stark vorkommen – und sozusagen einen Klumpen bilden. Denn wenn diese Unternehmen oder Branchen in Schieflage geraten oder das Land von einer Wirtschaftskrise erfasst wird, stürzen Depots mit starker Konzentration stärker ab.

ETF-Anleger haben viel Tech im Depot

Einen ziemlichen Klumpen an Technologie-Aktien besitzt vor allem, wer in ETFs investiert. Das liegt daran, dass die meisten Indizes, deren Entwicklung ETFs abbilden, nach Marktgewichtung zusammengesetzt sind. Die Unternehmen, die an der Börse am meisten wert sind, haben dadurch den größten Anteil in den Indizes. Und die wertvollsten Unternehmen der Welt heißen nun mal: Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet. Facebook schafft es ebenfalls in die Top Ten.

Die Börsenexpertin
Jessica Schwarzer ist Finanzjournalistin, Bestsellerautorin und langjährige Beobachterin des weltweiten Börsengeschehens. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit. Zuletzt ist ihr fünftes Buch "Damit sie sich keinen Millionär angeln muss …" erschienen. Bei t-online schreibt sie alle zwei Wochen über Investments und Finanztrends, die eine breit gestreute Basis-Geldanlage ergänzen. Sie erreichen sie auf LinkedIn, Twitter, Facebook und Instagram.

Allein im S&P 500 haben diese Börsenschwergewichte einen Anteil von rund 20 Prozent. Wenn Sie also den breiten amerikanischen Aktienmarkt kaufen, investieren Sie ziemlich kräftig in Technologie. Das zeigt auch der Blick auf die Seiten der ETF-Anbieter. Beispiel iShares Core S&P 500: Die größten Positionen sind wenig überraschend Apple mit 5,94 Prozent, Microsoft mit 5,41 Prozent und Amazon mit 4,17 Prozent, gefolgt von Alphabet mit 3,93 Prozent und Facebook mit 2,08 Prozent (Stand: 28. April).

Um zu verhindern, dass Ihre Geldanlage zu stark von bestimmten Unternehmen, Branchen oder Ländern abhängt, sollten Sie das Risiko Ihrer Investments breit streuen. Der Gedanke dahinter – übrigens wissenschaftlich belegt von Wirtschaftsnobelpreisträger Harry Markowitz: Läuft es bei einem Unternehmen oder in einer Branche schlecht, läuft es woanders hoffentlich viel besser.

Bei der Diversifikation, wie Fachleute diese Methode nennen, gilt es aber nicht nur, das Risiko über viele Einzeltitel zu streuen. Sie sollten auch verschiedene Anlageklassen miteinander kombinieren, die sich nicht im Einklang bewegen; Aktien und Anleihen beispielsweise, oder Gold.

Zugegeben, diese Definition war jetzt stark vereinfacht, aber das Prinzip dürfte klar geworden sein. Die Risikostreuung gilt nicht umsonst als eine der wichtigsten Grundregeln erfolgreicher Geldanlage. Die passende Börsenweisheit dazu lautet: Nicht alle Eier in einen Korb legen.

Im Klumpenrisiko steckt auch eine Chance

Aber zurück zu unserem Klumpenrisiko Technologie: Wie immer im Leben birgt jedes Risiko auch eine Chance. Zwar ginge es zu weit, von einer "Klumpenchance" zu sprechen, trotzdem muss es nicht schlecht sein, auf eine Branche etwas stärker zu setzen.

Im Falle der großen Technologieunternehmen hat sich das ausgezahlt. Die Branche entwickelt sich blendend. Die Aktien der "Big Five" führen seit Jahren die Börsenrally an. Nicht zuletzt deshalb sind sie heute die wertvollsten Unternehmen der Welt. Es war also sogar ein Vorteil, wenn Sie hier stark investiert waren.

Hauptsache, Sie wissen, was Sie tun

Wichtig ist wie immer bei der Geldanlage, dass wir wissen, was wir tun. Dass wir wissen, dass eine einzelne Branche in unserem Indexfonds hoch gewichtet ist oder dass es nur ein paar Unternehmen sind, die ein Fünftel des Indizes ausmachen.

Ein Anteil von 20 Prozent ist dabei noch nicht wirklich problematisch, da gibt es ganz andere Beispiele. Wenn Sie allerdings auch noch einen ETF auf die Tech-Branche beigemischt haben, dann würden Sie es definitiv übertreiben. Beispiel iShares Nasdaq 100: Apple ist auch dort die am höchsten gewichtete Aktie mit einem Anteil von 11,30 Prozent, gefolgt von Microsoft (9,66 Prozent) und Amazon (8,78 Prozent).

Übrigens: Auch wenn Sie global investieren, haben Sie reichlich Tech im Depot. Denn im Weltaktienindex MSCI World sind die "Big Five" ebenfalls stark gewichtet. Zwar besteht der Index aus mehr als 1.600 Werten aus 23 Industriestaaten, doch Apple und Microsoft machen jeweils etwas mehr als drei Prozent des Indizes aus, gefolgt von den üblichen Verdächtigen.

Nicht jeder ETF streut das Risiko optimal

Diese Beispiele zeigen, wie wichtig es auch für ETF-Anleger ist, einen Blick auf die Indexzusammensetzung zu werfen. Denn nicht jeder ETF streut das Risiko optimal. Natürlich sind und bleiben Indexfonds ein gutes Vehikel, um das Risiko breit zu streuen. Aber mitunter streuen Sie weniger breit, als Sie es vielleicht vermuten.

Der S&P 500, der eigentlich den breiten amerikanischen Aktienmarkt abdecken soll, ist ein gutes Beispiel dafür. Besonders wichtig ist der Blick in die Indizes bei Branchen oder Themen-ETFs. Sie enthalten oft nur wenige Werte, die dann recht üppig gewichtet sind. 

Natürlich müssen Sie künftig nicht die Zusammensetzung aller Indizes auswendig lernen. Aber ein kurzer oder vielleicht auch etwas längerer Blick auf die Produktinformationsblätter oder die Seiten der ETF-Anbieter ist sehr empfehlenswert. Starke Übergewichte einzelner Branchen werden Ihnen auffallen. Und wenn Sie immer wieder dieselben Top-Positionen lesen, werden Sie auch das merken. Dann gilt es, die Entscheidung für oder gegen einen Index beziehungsweise einen ETF bewusst zu treffen.

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