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Corona, Grippe, Masern: Was unterscheidet die Impfungen?

Von dpa
Aktualisiert am 09.03.2021Lesedauer: 4 Min.
Impfstoffe unterscheiden sich nicht nur in ihrer Herstellung, auch der Impfschutz kann variieren.
Impfstoffe unterscheiden sich nicht nur in ihrer Herstellung, auch der Impfschutz kann variieren. (Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Bei der Impfkampagne in der Corona-Pandemie geht es zunÀchst vor allem darum, schwere Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen und TodesfÀlle zu verhindern.

Das gelinge mit allen drei bisher in Deutschland zugelassenen Vakzinen, betont der Erlanger Infektionsimmunologe Christian Bogdan als Mitglied der StÀndigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut. Es gibt viele Fragen rund ums Impfen - auch zum Vergleich mit schon lÀnger verwendeten Vakzinen. Eine Auswahl:

Wie wichtig ist die Wirksamkeit beim Piks gegen Corona? Der exakte Prozentwert der Wirksamkeit sei fĂŒr das Impfziel in der Pandemie nicht entscheidend, betont Experte Bogdan. Trotz unterschiedlicher Impfstofftechnologien lösten alle drei Vakzine letztlich eine Immunantwort gegen die gleiche Viruskomponente, das sogenannte Stachel- oder Spikeprotein der VirushĂŒlle, aus. "Mit zwölf Wochen Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung kommen wir auch beim Astrazeneca-Impfstoff auf 80 Prozent Wirksamkeit", sagt Bogdan. Die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna geben die Wirksamkeit ihrer Covid-19-mRNA-Impfstoffe mit ĂŒber 90 Prozent an.

Neueste vergleichende Analysen deuteten darauf hin, dass der Impfstoff von Astrazeneca genauso wirksam Krankenhauseinweisungen verhindert, erlĂ€utert der Wissenschaftler. Zu bedenken sei, dass alle drei Impfstoffe bisher weder in einer gemeinsamen Studie miteinander verglichen noch in ein und derselben Population untersucht wurden. "Im Falle des Astrazeneca-Impfstoffs bestand die Zulassungsstudie aus vier Teilstudien, die in drei verschiedenen LĂ€ndern auf drei verschiedenen Kontinenten mit ungleich verteilten Altersgruppen durchgefĂŒhrt wurden, was die Dateninterpretation nicht gerade vereinfachte."

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Wie unterscheiden sich die Impfstoffe zur EindÀmmung der Corona-Pandemie von schon lÀnger verwendeten Vakzinen etwa gegen Grippe?

"Die bisherigen Corona-Impfstoffe gehören wie die meisten Grippe-Impfstoffe zur Gruppe der Totimpfstoffe", so Bogdan. Die Benutzung von Boten-RibonukleinsĂ€ure (mRNA) als Impfstoff sei aber ein neues Prinzip, bei dem die mRNA als Bauanleitung fĂŒr die Viruskomponente direkt in den Zellen wirke und dort zunĂ€chst als fremd erkannt werde. "Rezeptoren bemerken das. Und das fĂŒhrt zu der initialen Impfreaktion. Danach wird dann sehr wirksam eine Antikörper- und eine T-Zell-Immunantwort gegen die Viruskomponente aufgebaut." Die neuen Impfstoffe seien einerseits sehr potent, das heißt, sie lösten eine sehr starke Immunantwort aus. Andererseits seien sie sehr reaktogen, das heißt, es gebe vorĂŒbergehende Nebenwirkungen in Form von Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopf- und Muskelschmerzen sowie eventuell Fieberreaktionen. "Diese Impfreaktionen sind deutlich stĂ€rker als bei einer Grippeimpfung."

Warum sind Grippe-Impfstoffe ĂŒblicherweise weniger wirksam als die Covid-19-Impfstoffe?

Grippeimpfstoffe seien Totimpfstoffe, die aus Virusfragmenten bestĂŒnden, erlĂ€utert Bogdan. Der Grippeschutz erreiche selten mehr als eine Wirksamkeit von 60 Prozent - manchmal deutlich weniger. "Diese VariabilitĂ€t in der Wirksamkeit kommt aber nicht dadurch zustande, dass der Impfstoff grundsĂ€tzlich eine geringe Immunantwort auslöst", sagt Bogdan. Vielmehr liege das daran, dass zum Zeitpunkt der Impfstoff-Herstellung nur aufgrund von stichprobenartigen Erhebungen vermutet werden könne, mit welchen Influenzaviren in der jeweils kommenden Wintersaison zu rechnen sei. Die Zusammensetzung der Impfstoffe beruhe deshalb auf Analysen im Vorfeld. "Wenn sich die zirkulierenden Influenzaviren aber in der Zwischenzeit verĂ€ndern oder Virustypen auftreten, mit denen nicht gerechnet wurde, dann ist die Schutzwirkung des jeweiligen Impfstoffs geringer."

Warum sind zum Beispiel Impfungen gegen Masern im Vergleich dazu so erfolgreich?

Der Masernimpfstoff sei so unglaublich erfolgreich, weil er ein lebendes Virus enthalte, sagt Bogdan. "Es kann sich vermehren, aber es hat durch vorherige Passagen in Zellkulturen an krankmachender Wirkung verloren." Nach einer Impfung könne man sich fĂŒhlen wie bei einer beginnenden Grippe und sogar eine leichte, masernĂ€hnliche Erkrankung (Impfmasern) bekommen. "Das ist eine ganz abgeschwĂ€chte und undramatische Reaktion." Der Schutz nach der ersten Masernimpfung liege in der GrĂ¶ĂŸenordnung von 93 bis 95 Prozent, nach zwei Impfungen bei 98 bis 99 Prozent. "Wirksamkeiten von ĂŒber 90 Prozent findet man bei einer ganzen Reihe von Impfstoffen", sagt Bogdan. Dazu zĂ€hlten zum Beispiel die Impfungen gegen Tetanus, Hepatitis A und B sowie die Impfung gegen FSME. Anders als bei der Masern-Impfung mĂŒssen einige von ihnen aber regelmĂ€ĂŸig aufgefrischt werden.

Bei Corona gibt es die Überlegung, fĂŒr einen besseren Schutz etwa gegen Varianten verschiedene Impfstoffe zu kombinieren. Also zum Beispiel auf eine erste Dosis Astrazeneca eine zweite von Biontech/Pfizer zu spritzen - ginge das?

"Rein immunologisch ist das unproblematisch, denn sie beruhen letztlich auf dem gleichen Impfantigen", sagt Experte Bogdan. "Die Wirksamkeit von Kombinationen wird derzeit in Studien untersucht, aber formal ist die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit einer Kombination bisher nicht gezeigt." Jeder dieser Impfstoffe habe eine Zulassung, die auf entsprechenden Zulassungsstudien mit bestimmten ImpfabstĂ€nden beruhe. "Nur bei Einhaltung der Anwendungshinweise in den Fachinformationen ist man gegen ImpfschĂ€den abgesichert." Kombinationen, in welcher Form auch immer, seien noch nicht zugelassen. Auch lasse sich im Falle des Auftretens einer Komplikation im Zuge der Kombination zweier Impfstoffe nicht sagen, ob diese nun auf Impfstoff A oder B zurĂŒckzufĂŒhren sei. "Deshalb halte ich von dieser ganzen Diskussion im Moment nichts", sagt Bogdan.

Und fĂŒr die Zukunft? Lieber noch mal nachimpfen mit einem anderen Vakzin?

"Derzeit wissen wir noch nicht, wie lange jemand geschĂŒtzt ist, der zweimal geimpft wurde. Wir haben jetzt eine maximale Beobachtungszeit von sieben bis acht Monaten", erlĂ€utert Bogdan. Bei Virusmutanten, die von den verfĂŒgbaren Vakzinen gegebenenfalls nicht erfasst werden, sei ohnehin ein neu komponierter Impfstoff nötig, der an die dann zirkulierenden Virus-Varianten angepasst werden mĂŒsse. "Das ist von der Zielsetzung her ein Ă€hnliches Prinzip wie bei der Grippe-Impfung, nur mit dem Unterschied, dass die technologische DurchfĂŒhrung anders aussieht und Coronaviren sich nicht so schnell verĂ€ndern wie Influenzaviren."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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