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Corona-Mutationen: Forscher finden offenbar neue Variante in Brasilien

"Variante mit bis zu 40 Mutationen"  

Forscher finden offenbar neue Corona-Variante in Afrika

01.04.2021, 13:45 Uhr
Corona-Mutationen: Forscher finden offenbar neue Variante in Brasilien. Laboruntersuchung (Symbolbild): Dass das Coronavirus immer weiter mutiert, ist nicht ungewöhnlich. (Quelle: Getty Images/gevende)

Laboruntersuchung (Symbolbild): Dass das Coronavirus immer weiter mutiert, ist nicht ungewöhnlich. (Quelle: gevende/Getty Images)

Immer wieder tauchen neue Mutationen des Coronavirus auf. Bei jeder stellt sich die Frage, ob sie ansteckender oder sogar tödlicher ist. Was die Forschung bislang weiß – und was nicht.

Seit Beginn der Pandemie hat das Coronavirus SARS-CoV-2 schon mehrere potenziell ansteckendere und gefährlichere Varianten ausgeprägt. Mehr als 4.000 verschiedene sind weltweit bekannt, nur die wenigsten werden jedoch sorgfältig beobachtet und in Studien untersucht.

Wichtig: Auch wenn von der "britischen Variante" oder der "brasilianischen Mutation" gesprochen wird: Ihre genaue Herkunft ist nicht gesichert. Die Varianten werden nach ihrem ersten Fundort benannt.

Offenbar neue Corona-Variante in Brasilien gefunden

Bei einer Frau in Brasilien ist eine neue Variante des Coronavirus festgestellt worden. Die Wissenschaftler des (Instituto) Butantan, die ein Netzwerk für den Alarm für Covid-19-Varianten koordinieren, haben die neue Variante in der Stadt Sorocaba in der Nähe der Millionenmetropole São Paulo identifiziert, schrieb die Forschungseinrichtung "Instituto Butantan" am 31. März auf Twitter. Demnach ähnele die neue Variante der südafrikanischen und werde noch untersucht.

Die Variante sei bei einer 34-jährigen Frau entdeckt worden, die leichte Symptome aufwies, berichtete das Nachrichtenportal "G1". Laut Paulo Menezes, Direktor des Coronavirus-Notfallzentrums von São Paulo, habe die Patientin angegeben, in jüngster Zeit keine Reisen innerhalb oder außerhalb Brasiliens unternommen zu haben. 

Zu den Eigenschaften dieser Variante liegen noch keine Daten vor. Forscher gehen davon aus, dass sie der südafrikanischen Corona-Variante ähneln könnte. Diese gilt nach Angaben des Robert Koch-Instituts als leichter übertragbar. In Brasilien breitet sich seit Beginn des Jahres zudem die Corona-Variante P.1 aus.

Feldkrankenhaus in Brasilien: Mehr als 12,7 Millionen Menschen haben sich dort bereits mit SARS-CoV-2 infiziert. (Quelle: dpa/Andre Lucas)Feldkrankenhaus in Brasilien: Mehr als 12,7 Millionen Menschen haben sich dort bereits mit SARS-CoV-2 infiziert. (Quelle: Andre Lucas/dpa)

Corona-Lage in Brasilien gerät außer Kontrolle

Insgesamt sind in Brasilien 321.515 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, mehr als 12,7 Millionen Menschen haben sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Nur in den USA sind die Zahlen höher. Brasilien hat 210 Millionen Einwohner und ist 24-mal so groß wie Deutschland. 

Das Gesundheitssystem ist vielerorts zusammengebrochen oder nahe am Zusammenbruch. In 19 Hauptstädten von Bundesstaaten sind nach einer Erhebung der Zeitung "Folha de S. Paulo" mehr als 90 Prozent der Intensivbetten für Covid-19-Patienten belegt. Medikamente, vor allem zur Intubation, drohen zur Neige zu gehen.

Weitere neue Variante "mit 40 Mutationen" aus Afrika gemeldet

Forscher rechnen damit, dass auch weiterhin neue Varianten des Coronavirus weltweit auftauchen werden. So meldete zuletzt die panafrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC eine neue Corona-Variante in Afrika. Sie sei bei Reisenden aus Tansania in Angola entdeckt worden, teilte der Leiter der Africa CDC, John Nkengasong, am 1. April mit. Die neue Variante weise bis zu 40 Mutationen auf.

"Das ist sicherlich eine Variante, die Anlass zur Sorge gibt", sagte er. Man wisse nicht, wie sie auf Impfstoffe reagiere. Es gebe nun ein Überwachungssystem in Tansanias Nachbarländern, während die Mutante in Südafrika untersucht werde. Das ostafrikanische Tansania hat seit Mitte vergangenen Jahres keine Daten über Covid herausgegeben. Auch aktuell gebe es keine Informationen zur genauen Zahl der Fälle dort, so die CDC.

Ein Überblick über die bisher am meisten beschriebenen Mutationen (Stand: 13. April 2021).

Brasilien: P.1

Verbreitung

Eine weitere Corona-Variante wurde im Januar 2021 erstmals bei vier Personen in Japan nachgewiesen, die aus Brasilien eingereist waren. Sie trägt den Namen P.1 – oder auch B.1.1.28 –  und ist im brasilianischen Bundesstaat Amazonas die dominierende Variante. Von dort verbreitete sie sich in bislang etwa 20 Länder weltweit. Laut Daten des RKI ist die brasilianische Mutation hierzulande noch sehr selten.

Eigenschaften und Schutz durch die Corona-Impfstoffe

Über P.1 existieren relativ wenige Daten. Aufgrund der genetischen Ähnlichkeit mit der südafrikanischen Variante B.1.351 wird aber auch für diese Mutation eine erhöhte Übertragbarkeit angenommen, wie das RKI mitteilt. Zur Diskussion stünde ebenfalls eine mögliche reduzierte Wirksamkeit neutralisierender Antikörper bei Geimpften sowie Genesenen.

Laut brasilianischen Regierungsangaben ist die im Amazonas entdeckte Corona-Variante dreimal ansteckender als das ursprüngliche Virus. Ergebnisse unabhängiger Untersuchungen fehlen noch.

Großbritannien: B.1.1.7

Verbreitung

Im Dezember 2020 berichteten britische Behörden von einer neuen SARS-CoV-2-Virusvariante, die sich in Großbritannien ausbreite. Die erste Probe, in der die Variante B.1.1.7 nachgewiesen wurde, stammt aus dem September 2020. Bis Ende Januar 2021 erreichte sie mehr als 80 Länder – darunter auch Deutschland.

Der Anteil von B.1.1.7 in Deutschland hat rasant zugenommen. Mittlerweile ist sie die dominierende Variante und damit der Hauptgrund für die steigenden Neuinfektionen und den verlängerten Lockdown.

Eigenschaften

Nach Angaben des RKI gilt die britische Variante als noch leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als bisher zirkulierende Varianten. Sie weise zudem eine höhere Reproduktionszahl auf, sodass ihre Ausbreitung schwerer einzudämmen sei. In ersten Schätzungen hieß es, sie verursache 50 bis 70 Prozent mehr Infektionen im Vergleich zu früheren Formen. Mittlerweile ist Studien zufolge anhand einer robusteren Datenbasis davon auszugehen, dass der Zuwachs eher bei circa 35 bis 50 Prozent liegt. Nach aktuellen Studiendaten aus Großbritannien scheint B.1.1.7 aber nicht tödlicher als das ursprüngliche Virus zu sein.

Eine dänische Studie befasste sich mit Krankenhausaufenthalten nach einer Corona-Infektion. Danach erhöht B.1.1.7 die Wahrscheinlichkeit, in der Klinik behandelt werden zu müssen, um 64 Prozent.

Wirken die verfügbaren Impfstoffe gegen die Variante?

Hinweise auf eine verringerte Wirksamkeit der Impfstoffe gibt es dem RKI zufolge aber bislang nicht. Alle in Deutschland zur Verfügung stehenden Vakzine schützen vor einer Erkrankung mit der britischen Variante, teilte das Institut mit. Doch bei einer Sonderform der Variante – B.1.1.7 E484K – wird vermutet, dass sie das Virus unempfindlicher gegen bereits gebildete neutralisierende Antikörper machen könnte. Die zusätzliche Mutation E484K tritt auch in den Varianten B.1.351 aus Südafrika und P.1 aus Brasilien auf.

Laboruntersuchung (Symbolbild): Dass das Coronavirus immer weiter mutiert, ist nicht ungewöhnlich. (Quelle: Getty Images/gevende)Laboruntersuchung (Symbolbild): Dass das Coronavirus immer weiter mutiert, ist nicht ungewöhnlich. (Quelle: gevende/Getty Images)

Südafrika: B.1.351

Verbreitung

Bei Untersuchungen in Südafrika wurde im Dezember 2020 eine zweite Virusvariante entdeckt, die sich von dort rasch in andere afrikanische Länder, aber auch nach Australien, Europa und Südamerika ausbreitete. Mittlerweile hat die Mutation B.1.351 etwa 40 Länder erreicht. Im Januar 2021 wurden auch erste Fälle in Deutschland bekannt.

Eigenschaften und Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe

Dem RKI zufolge gehen Forscher auch bei dieser Variante von einer höheren Übertragbarkeit aus. Zudem ließen mehrere Studien vermuten, dass es einen verminderten Schutz durch neutralisierende Antikörper gegen B.1.351 bei Geimpften oder zuvor mit der ursprünglichen SARS-CoV-2-Variante Infizierten geben könnte.

Dies zeigte sich vor allem bei der Schutzwirkung des Astrazeneca-Impfstoffs. Laut Angaben der britischen Universität Oxford, die an der Entwicklung des Wirkstoffes beteiligt war, besitzt dieser nur eine "minimale Wirkung" gegen die Variante. Südafrika stoppte daraufhin vorerst die Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca.

Was ist der Unterschied zwischen Variante, Mutation und Mutante?

SARS-CoV-2 vermehrt sich in den menschlichen Körperzellen. Dabei wird auch das Genom des Virus kopiert. Kommt es dabei zu Fehlern, entstehen Veränderungen im Erbgut. Diese Veränderungen nennen sich Mutationen. Enthält das Virus diese Mutationen, ist eine neue Variante entstanden. Variante und Mutante sind in diesem Fall synonym verwendbar. Eine Variante kann somit auch mehrere Mutationen enthalten.

Kalifornien/USA: CAL.20C

Verbreitung

Auch in Kalifornien ist es zur Bildung einer neuen Variante von SARS-CoV-2 gekommen: CAL.20C könnte für den Anstieg der Infektionszahlen im Süden des US-Bundesstaates verantwortlich sein, wie Forscher berichten. Erstmals nachgewiesen wurde sie bereits im Juli 2020, ist dann aber bis zum Oktober nicht mehr sichtbar gewesen.

Inzwischen hat es die Mutation auch in andere US-Bundesstaaten und weitere Länder wie Australien, Israel und Dänemark geschafft. Zahlen zum dortigen Vorkommen liegen jedoch noch nicht vor, berichtet das "Ärzteblatt".

Eigenschaften

Inwieweit die Variante infektiöser ist als andere Stämme, ist noch unklar. Die rasche Zunahme der Corona-Neuinfektionen innerhalb der Bevölkerung in Kalifornien weise jedoch darauf hin, so Experten. Auch nicht bekannt ist bisher, wie sehr sich die Mutation auf die Schwere einer Covid-19-Erkrankung auswirken oder ob sie die Impfwirkung herabsetzen könnte.

New York/USA: B.1.526

Verbreitung

Die Corona-Variante mit dem Namen B.1.526 tauchte erstmals in Proben aus New York auf, die vom November 2020 stammen. Mitte Februar 2021 war bereits etwa jede vierte Infektion in der Region auf diese Mutante zurückzuführen. Untersuchungen zeigen, dass sich diese Variante innerhalb von New York schon weit verbreitet hat. Mittlerweile hat sie sich auch in anderen Ländern, wie beispielsweise Dänemark, ausgebreitet.

Eigenschaften

Die Corona-Variante aus New York weist eine Veränderung des Oberflächenproteins auf. Das sogenannte Spike-Protein bildet die Verbindung zwischen Virus und Körperzelle. Durch die Mutation könnte sich das Virus unangreifbar für Antikörper nach Impfungen oder Infektionen gemacht haben, befürchten Forscher. Diese Eigenschaft sei auch in den Mutanten aus Brasilien und Südafrika zu finden.

Nigeria: B.1.5.25

Verbreitung

Eine weitere neue Coronavirus-Variante, die als B.1.5.25 bezeichnet wird, kursiert der panafrikanischen Gesundheitsorganisation Africa CDC zufolge in Nigeria. Es sieht so aus, als habe sie sich getrennt von den Virenmutanten in Südafrika und Großbritannien entwickelt, sagte der Leiter der Africa CDC, John Nkengasong, Ende Dezember 2020.

Erstmals entdeckt wurde die Variante B.1.525 Mitte Dezember in Großbritannien. Inzwischen konnte sie in mindestens 23 Ländern nachgewiesen werden – darunter Deutschland, Dänemark, Italien, Norwegen, Kanada und die USA. In Nigeria ist die Variante besonders stark verbreitet.

Eigenschaften

Einem Bericht der "Pharmazeutischen Zeitung" zufolge besitzt die Variante B.1.525 eine Reihe von Mutationen, die Experten Sorgen bereiten. Die Mutation E484K sei auch in der südafrikanischen Variante B.1.351 und der brasilianischen P.1 vorhanden. Sie könnte für deren Fähigkeit verantwortlich sein, dem Immunsystem zumindest in Teilen zu entkommen. Es wird befürchtet, dass die Corona-Impfstoffe weniger wirksam gegen diese Mutation sein könnten. Ob dies auch für B.1.525 gilt, ist bislang unklar.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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