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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Von dpa
Aktualisiert am 01.04.2022Lesedauer: 5 Min.
Ein GebÀude wurde durch russischen Beschuss im Bezirk Saltovka zerstört.
Ein GebÀude wurde durch russischen Beschuss im Bezirk Saltovka zerstört. (Quelle: Aziz Karimov/ZUMA Press Wire Service/dpa./dpa)
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Kiew/Moskau (dpa) - Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sieht noch keine konkreten Ergebnisse der GesprĂ€che mit Russland ĂŒber ein mögliches Ende des Kriegs. Den schönen Worten aus Moskau sei nicht zu trauen, sagte Selenskyj in der Nacht zum Donnerstag.

Die Ukraine meldete auch weitere russische Angriffe. Abermals ringen beide Seiten um eine Feuerpause fĂŒr die umkĂ€mpfte Stadt Mariupol. Moskau mĂŒsse dort Fluchtkorridore und Hilfen fĂŒr Zivilisten zulassen, forderte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Die Bundesregierung hofft zudem auf mehr Klarheit, ob und wie Russland weiter Gas liefert.

Russische Truppen setzen Angriffe fort

Die russischen Truppen setzen eigenen Angaben zufolge ihre Angriffe im Osten der Ukraine fort. Die Ortschaft Solota Nywa sĂŒdwestlich von Donezk sei nun unter russischer Kontrolle, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Donnerstag laut Agentur Interfax. Dort seien russische Einheiten seit Mittwoch sechs Kilometer vorgerĂŒckt. Bis zu 60 Gegner seien getötet worden. Diese Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Einheiten des von Russland als unabhĂ€ngig anerkannten Separatistengebietes Luhansk seien unterdessen fĂŒnf Kilometer vorgerĂŒckt und lieferten sich KĂ€mpfe mit ukrainischen "Nationalisten" bei der Ortschaft Kreminna nordwestlich von Luhansk.

Seit Mittwoch wurden nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums insgesamt 53 ukrainische MilitÀrpunkte durch LuftschlÀge zerstört, darunter Flugabwehr-Raketensysteme sowie Munitions- und Waffenlager.

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Kiew: Siedlungen im Gebiet Cherson zurĂŒckerobert

Ukrainische Truppen haben nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen elf Siedlungen im sĂŒdukrainischen Gebiet Cherson zurĂŒckerobert. Beim Vormarsch im Norden der Region sei ihnen auch schwere russische MilitĂ€rtechnik in die HĂ€nde gefallen, darunter Panzer vom Typ T-64, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Dank des Erfolgs könnten die Einwohnerinnen und Einwohner nun Lebensmittel und Medikamente erhalten. Die Zivilbevölkerung habe die ukrainischen KrĂ€fte freudig begrĂŒĂŸt. Die Angaben können nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.

Russland hatte mitgeteilt, das Gebiet Cherson vollstÀndig erobert zu haben. Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj hatte gewarnt, Moskau wolle in der Region eine russlandtreue "Volksrepublik" nach dem Vorbild der ostukrainischen Separatistengebiete Donezk und Luhansk errichten.

Zu den zurĂŒckeroberten Siedlungen gehört den Angaben zufolge auch Nowoworonzowka. Der Ort liegt strategisch gĂŒnstig am rechten Ufer des Flusses Dnipro, der hier zum Kachowkaer Stausee aufgestaut ist. Ein Vordringen ukrainischer Truppen ins Gebiet Cherson wĂŒrde auch die Großstadt Krywyj Rih entlasten und zudem verhindern, dass russische Einheiten die strategisch wichtige Stadt Mykolajiw vom Nachschub abschneiden.Ukraine berichtet von weiteren KĂ€mpfen

Russland will nach Ansicht des ukrainischen Generalstabs seine militĂ€rische PrĂ€senz in der Ost- und SĂŒdukraine aufrechterhalten. Es gebe Versuche, eine Verwaltung in den besetzten Regionen der Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson aufzubauen, teilte der Generalstab in der Nacht zum Freitag mit. Im Zuge dessen werde damit gerechnet, dass es dort weiterhin zu Kampfhandlungen kommen werde. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits gewarnt, Russland plane im sĂŒdukrainischen Gebiet Cherson ein Pseudo-Referendum ĂŒber die Bildung einer "Volksrepublik" wie in den ostukrainischen Separatistengebieten.

Nach Angaben des Generalstabs in Kiew konnten russischen Einheiten an keiner Stelle GelĂ€ndegewinne verzeichnen. Die ostukrainische Großstadt Charkiw werde weiter beschossen, ein Durchbruchsversuch nahe der Stadt Isjum sei aber gescheitert. Auch ein russischer Vorstoß im sĂŒdukrainischen Gebiet Mykolajiw sei nicht erfolgreich gewesen. Im Norden hĂ€tten sich einige russische Einheiten zurĂŒckgezogen. Moskau hatte angekĂŒndigt, die Angriffe auf Kiew zu reduzieren und sich auf die Offensive im ostukrainischen Kohlerevier Donbass zu konzentrieren.

Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj zeigte sich vorsichtig optimistisch. "Ich bin sicher, dass es fĂŒr jeden von Ihnen sehr angenehm ist, die Nachrichten zu lesen und zu sehen, dass unsere ukrainischen StĂ€dte allmĂ€hlich von den Besatzern befreit werden", sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Zugleich warnte Selenskyj, es gebe keine Entspannung. Er rief die Bevölkerung auf, GefĂŒhle und Emotionen zurĂŒckzuhalten. "Wir wollen alle gleichermaßen den Sieg", sagte Selenskyj. "Aber es wird weitere KĂ€mpfe geben. Es liegt noch ein sehr schwieriger Weg vor uns, um alles zu bekommen, was wir anstreben."

Neue PlĂ€ne fĂŒr humanitĂ€ren Korridor in Mariupol

Nach Forderungen Deutschlands und Frankreichs will Russland nach eigenen Angaben an diesem Freitag einen neuen Anlauf fĂŒr einen humanitĂ€ren Korridor aus der umkĂ€mpften Hafenstadt Mariupol nehmen. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau kĂŒndigte am Donnerstagabend eine Feuerpause fĂŒr den Morgen und den geplanten Beginn der Evakuierung von 9.00 Uhr MESZ an. Die Menschen sollten unter Beteiligung des Roten Kreuzes und des FlĂŒchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen aus der Stadt herausgebracht werden, sagte der Generalmajor Michail Misinzew.

Biden: Putin scheint "sich selbst zu isolieren"

Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat nach EinschĂ€tzung der US-Regierung im Ukraine-Krieg womöglich einige seiner Berater von ihren Aufgaben entbunden und sich selber isoliert. "Es gibt Anzeichen dafĂŒr, dass er einige seiner Berater entlassen oder unter Hausarrest gestellt hat", sagte US-PrĂ€sident Joe Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Es gebe aber "nicht so viele handfeste Beweise". Auf die Frage, ob Putin von seinen Beratern falsch informiert werde, antwortete Biden: "Es gibt eine Menge Spekulationen. Aber er scheint - ich sage das nicht mit Gewissheit - er scheint sich selbst zu isolieren."

Das Weiße Haus hatte am Mittwoch unter Berufung auf Geheimdienstinformationen berichtet, dass Putin nicht richtig ĂŒber die Lage informiert werde. Der Kreml wies das am Donnerstag zurĂŒck und warf der US-Regierung vor, weder Putin noch die VorgĂ€nge oder die Entscheidungsmechanismen der Regierung in Moskau zu verstehen.

Italien setzt auf China

Derweil traut Italiens MinisterprĂ€sident Mario Draghi im Ringen um einen Frieden in der Ukraine China eine entscheidende Rolle zu. Vor einem Online-Gipfel zwischen der EU und China an diesem Freitag gab sich der Regierungschef in Rom optimistisch. "China könnte einer der Hauptakteure werden, wenn es darum geht, beide Seiten anzunĂ€hern." Die Chinesen sind VerbĂŒndete Russlands und haben den Angriff Moskaus auf die Ukraine bislang nicht verurteilt. Im Gegenteil: Peking kritisierte zuletzt immer wieder den Westen, etwa wegen der Osterweiterung der Nato.

Auch Italien selbst will bei der Suche nach einer diplomatischen Lösung und im Anschluss bei der Wahrung eines Friedens helfen. Draghi sprach diesbezĂŒglich von einem "positiven Aspekt" fĂŒr sein Land, dass es in den Verhandlungen sowohl von Russen wie auch Ukrainern als ein möglicher "Garant" fĂŒr die Zeit nach dem Krieg gesehen werde.

Lawrow in Neu Delhi

Russlands Außenminister Sergej Lawrow ist unterdessen zu einem offiziellen Besuch in Indien eingetroffen. Dort soll er am Freitag Premierminister Narendra Modi treffen, wie eine Sprecherin des russischen Außenministeriums sagte. Auch ein Treffen mit dem indischen Außenminister Subrahmanyam Jaishankar ist nach Angaben beider LĂ€nder geplant. Lawrow besucht Indien nach China. Dabei handelt es sich um die zwei bevölkerungsreichsten LĂ€nder der Welt, die im Ukraine-Krieg bislang weder westliche Sanktionen mitgetragen noch Russland verurteilt haben.

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Einreiseverbote gegen EU-Vertreter

Als Antwort auf europĂ€ische Sanktionen hat Moskau Einreiseverbote gegen fĂŒhrende Vertreter der EuropĂ€ischen Union verhĂ€ngt. "Die BeschrĂ€nkungen gelten fĂŒr die höchste FĂŒhrung der EuropĂ€ischen Union (...) sowie fĂŒr die Mehrheit der Abgeordneten des EuropĂ€ischen Parlaments", teilte das Außenministerium in Moskau mit. Die "schwarze Liste" umfasse auch Vertreter von Regierungen und Parlamenten einzelner EU-Staaten. Namen wurden keine genannt. Die EU hatte noch vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine vor fĂŒnf Wochen Sanktionen unter anderem gegen 351 Abgeordnete des russischen Parlaments erlassen.

Weitere US-Sanktionen gegen russische Firmen

Die US-Regierung verhĂ€ngt wiederum weitere Sanktionen gegen russische Firmen und Personen. Das US-Außenministerium und das US-Finanzministerium teilten in Washington mit, 21 Unternehmen und 13 Personen wĂŒrden mit Strafmaßnahmen belegt. Es gehe darum, Moskau die Möglichkeit zu nehmen, bereits verhĂ€ngte Sanktionen ĂŒber ein Netzwerk von Einrichtungen und Akteuren zu umgehen. Außerdem solle Russland weiter der Zugang zu westlichen Technologien verwehrt werden. Sanktionen ergingen demnach auch gegen drei Personen, denen Cyber-Angriffe zur Last gelegt wĂŒrden. Vermögenswerte der Betroffenen in den USA werden demnach eingefroren, und jegliche GeschĂ€fte oder Transaktionen mit ihnen in den USA oder durch US-BĂŒrger werden untersagt.

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